DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Die Telekombranche setzt bei ihren Plänen für den Breitbandausbau mit Glasfaser mehr und mehr auf Kooperationen. "Die Wirtschaftlichkeit dieser Netze ist noch nicht gelöst", sagte Telekom-Finanzchef <DTE.ETR> Timotheus Höttges am Mittwoch auf einer Tagung "Telekommarkt Europa" in Düsseldorf. Ziel sei, einen flächendeckenden Ausbau zu realisieren. Allerdings müssten gleichzeitig die hohen Investitionskosten gesenkt und zusätzliche Umsatzpotenziale ausgeschöpft werden. "Es wird Kooperationsmöglichkeiten geben müssen", sagte der Telekom-Finanzchef.
Die Bundesregierung will bis 2014 rund 75 Prozent der Bevölkerung mit DSL-Bandbreiten bis 50 Megabit je Sekunde versorgen, was derzeit nur über Glasfaser möglich ist. Die Deutsche Telekom hatte in diesem Jahr bereits mehrere Kooperationen zum Glasfaserausbau geschlossen. Auch Konkurrent Vodafone <VOD.ISE> <VOD.FSE> sucht in Deutschland Partner bei den Investitionen: "Wir führen schon seit einigen Monaten Gespräche mit der Telekom und anderen Anbietern über den weiteren Glasfaserausbau", sagte Vodafone-Sprecher Jens Kürten. Vodafone und Telekom verlegen in einem Pilotprojekt in Würzburg und Heilbronn Glasfaser-Leitungen, außerdem stehen die beiden Unternehmen nach den Worten von Höttges kurz vor einer Einigung über die Nutzung des auf Glasfaser basierenden VDSL-Netzes der Telekom.
BISLANG EINZIGES PROJEKT BEI KARTELLAMT
Nach der Beobachtung von Bundesnetzagentur-Präsident Matthias Kurth ist die Zusammenarbeit zwischen Telekom und Vodafone bislang als einzige fortgeschritten. Bislang liege beim Kartellamt lediglich der Vertrag mit Vodafone vor. Bei allen anderen handele es sich weiterhin nur um Absichtserklärungen.
Grundsätzlich bekommen die Telekomfirmen von Seiten der Regulierung Zuspruch für eine Zusammenarbeit. Die Bundesnetzagantur unterstütze das so genannte Network-Sharing, sagte Kurth. Allerdings müssten sowohl regulatorische als auch wettbewerbsrechtliche Fragen geklärt werden. "Der beste Treiber für Investitionen ist Wettbewerb und nicht der Rückzug von Wettbewerb."
VATM SIEHT WETTBEWERB IN GEFAHR
Der Geschäftsführer des Branchenverbands VATM, Jürgen Grützner, warnte ebenfalls, mögliche Kooperationen dürften den Wettbewerb nicht behindern. Er sieht die Gefahr kleiner Monopole. Der offene Zugang müsse gewährleistet werden.
Gleichzeitig warnte Netzagentur-Präsident Kurth vor einem zu großen Ehrgeiz beim Glasfaserausbau: "Am Ende des Tages werden wir keine Glasfaser bis auf die letzte Alm legen können", sagte er. Deutschland verfüge trotz "weißer Flecken" auf der DSL-Landkarte bereits über eine leistungsfähige Infrastruktur. Bei der Abdeckung nicht versorgter Gebiete müsse die Kostenorientierung im Vordergrund stehen. Erst vergangene Woche hatte der Bundesrat die so genannte Digitale Dividende, durch Digitalisierung freigewordene Rundfunkfrequenzen, für die Breitbandversorgung auf dem Land frei gegeben. In der Branche wird das für eine der wirtschaftlichsten Möglichkeiten für den Breitbandausbau gehalten./gr/ck