(Überblick 0815) Ukraine warnt Erdgas-Kunden in Westeuropa vor Lieferproblemen =
MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Der Energie-Streit zwischen Moskau und Kiew kann sich nach Angaben aus der Ukraine in Kürze verstärkt auf Europa auswirken. Wegen einer gedrosselter Zufuhr aus Russland könne es kurzfristig zu Engpässen bei der Weiterleitung nach Westeuropa kommen, teilte das Staatsunternehmen Naftogas am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew mit. Russland pumpe derzeit nur 92 Millionen Kubikmeter statt wie sonst täglich 221 Millionen Kubikmeter in ukrainische Transitpipelines. Aus Moskau lag dazu zunächst keine Stellungnahme vor. Der Vize-Chef des Monopolisten Gazprom , Alexander Medwedew, wird am Dienstag in Berlin erwartet.
Russlands Regierungschef Wladimir Putin hatte am Montag eine Teilversorgung von Westeuropa über alternative Routen veranlasst. Der frühere Kremlchef wies Gazprom an, rund 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland zu pumpen. Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus Transitleitungen illegal abzapfe. Kiew bestreitet dies. Gazprom-Vizechef Medwedew soll in Berlin eine von Tschechiens Industrie- und Handelsminister Martin Riman geführte EU-Abordnung sowie Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann treffen.
In Deutschland waren in dem am Neujahrstag ausgebrochenen Streit bisher keine Lieferengpässe bekanntgeworden. Hingegen erhielten unter anderem Polen, Rumänien, Bulgarien und die Slowakei erneut bis zu 30 Prozent weniger russisches Gas aus der Ukraine. Auch Ungarn, Serbien und Bosnien fürchten nach Angaben aus Kiew eine Reduzierung./wo/DP/wiz