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22.04.2010 15:30

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ROUNDUP: Volkswagen startet in neue Ära - Katar im Aufsichtsrat

Volkswagen vz zu myNews hinzufügen Was ist das?


    HAMBURG (dpa-AFX) - Volkswagen startet in eine neue Ära. Nach dem Ende der jahrelangen Machtkämpfe sieht sich Europas größter Autokonzern gut aufgestellt für die tiefen Umbrüche in der Branche und strebt mit einer globalen Wachstumsoffensive an die Weltspitze. Dabei hat Volkswagen (Volkswagen St (VW)) vor allem Boom-Märkte wie China, Indien, Brasilien und Osteuropa im Visier.

    Auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Hamburg sollte das Emirat Katar als neuer VW-Großaktionär erstmals mit einem Vertreter in den Aufsichtsrat einziehen. Die Wahl von Hussain Ali Al-Abdullah, Chef der Katar-Holding, galt als sicher. Katar ist bei VW drittgrößter Aktionär nach der Porsche Holding und dem Land Niedersachsen. Damit wurde die neue Ordnung bei VW zementiert. Die Aktionärsversammlung war anders als frühere Treffen überwiegend von Harmonie geprägt.

    VW hatte im vergangenen Jahr wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Die Wolfsburger gewannen den erbitterten Übernahme-Machtkampf mit Porsche, der Sportwagenbauer soll 2011 als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Durch eine Allianz mit dem japanischen Autobauer Suzuki stärkte VW zudem seine Präsenz in Asien und im Zukunftssegment Kleinwagen. Bis spätestens 2018 will VW - derzeit Nummer drei - Toyota (Toyota Motor) als weltgrößten Autobauer ablösen.

ZukUNFT DES LKW-GESCHÄFTS OFFEN

    Die wichtigste offene Frage ist derzeit die künftige Struktur des Lastwagengeschäfts im Konzern. Winterkorn drängte am Donnerstag auf eine stärkere Zusammenarbeit der Lkw-Bauer MAN und Scania . "Die kurzfristig vorhandenen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit im Bereich Entwicklung und bei Komponenten werden wir Stück für Stück realisieren." Mittelfristig gebe es durch engere Kooperation erhebliche Synergien.

    In der Branche gilt als sicher, dass VW seinen 30-Prozent-Anteil an MAN aufstocken will, um die Kontrolle über die Münchner zu bekommen. Den Lastwagenbauer Scania hatte VW übernommen. Die Unternehmen könnten in einer neuen Lkw-Sparte zusammengefasst werden. Winterkorn sagte, das Nutzfahrzeuggeschäft werde nach den Einbrüchen im Krisenjahr 2009 mittelfristig wieder deutlich anziehen.

TRENDTHEMA ELEKTROAUTO

    Winterkorn sagte, die Autoindustrie sei mitten in einer "strukturellen und technologischen Zeitenwende". Für neue Antriebstechnologien wie Elektro und Hybrid seien Milliarden-Investitionen notwendig. Winterkorn forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik und Wirtschaft, um Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen.

    Der Elektrogipfel Anfang Mai müsse einen "Schub nach vorne" bringen. Winterkorn bekräftigte die Forderung der Branche nach staatlicher Forschungsförderung vor allem in der Batterietechnologie. Außerdem müsse eine flächendeckende Infrastruktur aufgebaut werden. Bei der Elektromobilität bewegten sich die Vorleistungen für die gesamte Autoindustrie im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Die Top-Manager der Autoindustrie treffen sich am 3. Mai mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). VW will 2013 seine ersten Elektroautos auf den Markt bringen.

    Insgesamt bleibt die Lage in der Autoindustrie trotz eines deutlichen Aufwärtstrends nach Einschätzung von VW schwierig. "Unsere Branche hat eine längere, steinige Wegstrecke vor sich", sagte Winterkorn. Frühestens 2012 werde das Absatzniveau vor Beginn der Krise erreicht. "Wer jetzt schon den großen Aufschwung ausruft, geht an der Realität vorbei." Das konjunkturelle Umfeld bleibe unsicher. "Rückschläge sind nicht ausgeschlossen."

    In Westeuropa gehen nach dem Auslaufen staatlicher Programme wie der Abwrackprämie in Deutschland die Verkäufe zurück. Zuwächse gibt es dagegen auf dem Boom-Markt China sowie in Indien, Osteuropa, Brasilien und den USA. In diesen Märkten will VW überdurchschnittlich wachsen, sagte Winterkorn.

    Dabei gelte das Motto: "Fahrzeuge aus der Region für die Region. Hier liegt die Zukunft der Autoindustrie." VW habe mit neuen Werken in Indien, Russland und den USA die Voraussetzungen für profitables Wachstum geschaffen. Es komme nun darauf an, für die einzelnen Märkte die richtigen Modelle zu bauen./hoe/emt/DP/wiz

--- Von Andreas Hoenig und Eva Tasche ---

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