29.08.2012 12:35
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ROUNDUP2: Insolvenzantrag für P+S-Werften gestellt - Schlagabtausch im Landtag

    STRALSUND (dpa-AFX) - Bitterer Tag für die P+S-Werften: Nach wochenlangem Bangen und Hoffen hat das Unternehmen am Mittwoch beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag für die beiden Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast gestellt. Der Antrag wurde von Werftchef Rüdiger Fuchs eingereicht, bestätigten Unternehmens- und Gerichtssprecher. Fuchs kündigte am Vormittag an, dass die Arbeiten erst einmal weitergehen sollen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bezeichnete die Insolvenz der P+S-Werften mit knapp 2000 Beschäftigten als schweren Schlag, drückte aber auch Hoffnung auf einen Neustart aus.

 

    Der zweite P+S Geschäftsführer, Axel Schulz, sagte am Vormittag der Deutschen Presse-Agentur dpa, gleichzeitig sei die Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren beantragt worden. Bei der Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren kann das betroffene Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters in einem gewissen Rahmen weiter über das Vermögen verfügen. Die Werft habe verschiedene Vorschläge für die Einsetzung eines Sachwalters vorgelegt, sagte Gerichtssprecher Dirk Simon. Eine Entscheidung darüber werde es aber nicht vor 15.00 Uhr, eventuell auch erst am Donnerstag geben.

 

    Auf einer Pressekonferenz in Stralsund kündigte Fuchs den Fortgang aller Arbeiten an. Bisher seien keine Aufträge storniert oder gekündigt worden, sagte er. Ziel sei es, so viele Schiffe wie möglich weiterzubauen. Bisher sei allerdings auch noch keine außergerichtliche Einigung über laufende Aufträge erzielt worden, so Fuchs.

 

    "Die Kollegen und Kolleginnen können Spezialschiffe bauen, wenn man sie nicht überfordert", betonte der Fuchs, der erst seit drei Wochen an der Spitze der Werften steht . Er hatte zuvor kritisiert, die Volkswerft in Stralsund habe sich auf dem Weg zum Spezialschiffbauer mit zu vielen Neukonstruktionen in zu kurzer Zeit übernommen.

 

    Ob er auch weiterhin an der Spitze der Geschäftsführung stehen wird, machte Fuchs von der Entscheidung des Amtsgerichtes abhängig. "Wir warten auf den Beschluss", sagte Fuchs.

 

    Im Landtag haben sich Regierung und Opposition einen Schlagabtausch über die politische Verantwortung für die neuerliche Werftenpleite geliefert. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) versicherten, dass das Land weiterhin alles rechtlich Mögliche und wirtschaftlich Vertretbare tun werde, um beide Werftenstandorte zu erhalten. Sellering warnte vor einer "politischen Schlammschlacht". Nach dem Insolvenzantrag erwarteten die Werftarbeiter und deren Familien "zu Recht, dass ihr Schicksal nicht zum Spielball kleinlicher parteitaktischer Manöver wird". Er rief Linke und Grüne auf, bei der Suche nach einem Neuanfang mitzuhelfen.

 

    Nach Ansicht von Linksfraktionschef Helmut Holter hat die Regierung mit dem kurzfristigen Stopp der staatlichen Rettungshilfen die Insolvenz leichtfertig in Kauf genommen. "Wenn ich zu entscheiden gehabt hätte zwischen Millionen und Menschen, ich hätte mich für die Menschen entschieden", sagte Linksfraktionschef Helmut Holter am Mittwoch im Landtag. Mit der Zahlung einer weiteren Tranche der 152 Millionen Euro staatlich verbürgter Kredite hätte Zeit für die Entwicklung eines neuen Rettungskonzeptes gewonnen werden können, zeigte er sich sicher.

 

    Sprecher von SPD und CDU wiesen diese Darstellung entschieden zurück. EU-rechtliche Bestimmungen hätten sowohl die Fortzahlung der Gelder als auch deren notwendige Aufstockung verhindert. Der SPD-Abgeordnete Jochen Schulte warf Holter "billige" Polemik vor.

 

    Land und Bund hatten die Auszahlung der staatlichen Rettungsbeihilfen gestoppt, nachdem deutlich wurde, dass die Werftensanierung teurer wird und die 152,4 Millionen Euro Staatshilfe nur bis Jahresende reichen.

 

    Fuchs hatte nach dem Stopp der staatlichen Rettungsbeihilfe versucht, Kunden und Lieferanten von seinem Zukunftskonzept für die beiden Schiffbaubetriebe in Wolgast und Stralsund zu überzeugen. Mit dem Hauptkunden Scandlines, dessen Fähren weiter wegen bislang ungelöster Bauprobleme am Ausrüstungskai liegen, war P+S zu keiner Einigung gekommen.

 

    Der Zeitdruck war groß, vor allem weil Ende dieser Woche die Löhne der Werftarbeiter sowie Sozialabgaben fällig sind - Medienberichten zufolge sieben Millionen Euro. Für August sollen Löhne und Gehälter der Beschäftigten laut Fuchs bereits aus dem staatlichen Insolvenzgeld gezahlt werden.

 

    Die Stimmung der Stralsunder Werftarbeiter war am Mittwoch mehr als gedrückt. Viele schwiegen, kämpften mit den Tränen. "Ich hoffe, dass es weiter geht", "Ich hab die Schnauze voll" und "Das ist schrecklich" brach es aus einigen der Arbeiter heraus. Ein anderer meinte: "Jetzt ist es zu spät". Allein 1400 Arbeitsplätze stehen in Stralsund auf dem Spiel./mrt//DP/fn

 

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