(neu: Weitere Aussagen von Unternehmenschef Karl-Heinz Streibich)
DARMSTADT (dpa-AFX) - Schock für Aktionäre der Software AG (Software): Ein schwaches US-Geschäft und die Zurückhaltung der Kunden haben ausgerechnet das für Softwarehersteller immens wichtige Schlussquartal verhagelt. Umsatz und Gewinn gingen deutlich zurück, die Ende Oktober gesetzten Jahresziele sind deswegen nicht mehr haltbar. Bei beiden Werten rechnet das Unternehmen jetzt mit einer Stagnation anstatt wie bisher mit einem Anstieg. Unternehmenschef Karl-Heinz Streibich will nun mit starkem Fokus auf den lukrativen US-Markt die Wende schaffen. Im weltgrößten IT-Markt soll eine Marketing- und Vertriebsoffensive den Absatz mit dem Hoffnungsträger Prozesssoftware BPE ankurbeln. "Die hohen Zuwachsraten der BPE-Sparte in Europa sind Zielwert für uns in den USA", sagte Streibich am Dienstag in einer Telefonkonferenz.
An der Frankfurter Börse lag die Software-Aktie nach einem zwischenzeitlichen Einbruch um 26 Prozent am Nachmittag noch mit 21,3 Prozent im Minus bei 23,89 Euro. Damit war das Papier mit Abstand schwächster Wert im TecDax (TecDAX), der nur mit 1,15 Prozent im Minus stand. Die aktuelle Gewinn- und Umsatzwarnung ist bereits die zweite herbe Enttäuschung für Investoren innerhalb von zwölf Monaten. Bereits im Juli war der Kurs eingebrochen, nachdem das Unternehmen überraschend einen Umsatzrückgang für das zweite Quartal bekannt gegeben hatte. Händler fürchten daher einen Vertrauensverlust - entsprechend stark sei die Reaktion.
HÄNDLER: VERTRAUENSVERLUST DROHT
Laut Analystin Alla Gorelova von der Steubing AG kam das Verfehlen der Ziele aus blauem Himmel. "Meine Schätzungen haben sogar deutlich über dem tatsächlichen Wert und den bisherigen Unternehmensprognosen gelegen", so die Expertin. Für Analyst Oliver Finger von der DZ Bank kommt die deutliche Umsatz- und Gewinnwarnung ebenfalls überraschend. Bislang habe er den Eindruck gehabt, dass die Produkt-Pipeline in einem gesunden Zustand sei. Daher komme vor allem der Rückgang in den USA als eine deutlich negative Überraschung. Er werde voraussichtlich sein Bewertungsmodell überarbeiten müssen.
LIZENZUMSATZ BRICHT EIN
Probleme in den USA und die weltweit schwächere Konjunktur belasteten das Geschäft im vierten Quartal. Der Umsatz werde daher mit 290 bis 295 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert liegen - bereinigt um Währungseffekte seien es acht bis zehn Prozent.
Der für Softwarehersteller besonders interessante Lizenzumsatz, der die Basis für die meisten weiteren Erlöse ist, sank um 25 bis 27 Prozent auf 90 bis 95 Millionen Euro. Die Darmstädter litten vor allem darunter, dass die Kunden in der Sparte Datenmanagement (ETS) nicht wie sonst üblich zum Jahresende kräftig investiert haben. Der Umsatz ging hier daher um rund ein Viertel auf rund 100 Millionen Euro zurück. Zudem stagniert das Geschäft in dem von der Software AG als Wachstumsmarkt deklarierten Bereich Prozesssoftware (BPE). Hier konnten Zuwächse in Europa die Schwäche in den USA lediglich ausgleichen. Der Umsatz der Sparte liege im vierten Quartal währungsbereinigt bei 145 bis 148 Millionen Euro, hieß es.
GEWINNRÜCKGANG IM VIERTEN QUARTAL
Auf das Jahr gesehen lag der Umsatz mit rund 1,1 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres und damit deutlich unter der im Oktober veröffentlichten Prognose. Damals hatte das Unternehmen beim Umsatz einen währungsbereinigten Anstieg um zwei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Der Gewinn werde jetzt ebenfalls allenfalls so hoch wie 2010 (175,6 Millionen Euro) ausfallen. Hier war bisher ein Plus von 10 bis 15 Prozent erwartet worden. Doch diese Prognose ist nach einem Gewinneinbruch im vierten Quartal um bis zu 30 Prozent auf 45 Millionen Euro nicht mehr zu halten.
FOKUS AUF ORGANISCHES WACHSTUM, BESONDERS IN DEN USA
Der Einbruch zwingt die Darmstädter zum Kurswechsel. Nach einer Serie von Zukäufen, mit denen sich die Software AG in der Technik- und der Kundenbasis verstärkt hat, richtet Streibich in den nächsten Quartalen alle Kraft auf organisches Wachstum der BPE-Sparte. Das ist Prozesssoftware, die unter dem Namen webMethods firmiert. Dieses Standbein hatte sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren geschaffen, um das geringere Wachstum des Traditionsgeschäfts ETS zu ergänzen.
Nun will Streibich in den USA durchstarten, wo sich auch SAP als deutsches Unternehmen schwer tut. "Wir müssen das Image eines amerikanischen Technikunternehmens bekommen", sagte er. Dazu will er auf dem Ruf der übernommenen US-Firmen Webmethods und Terracotta aufbauen. Zudem sieht er sein Unternehmen bei lukrativen Aufträgen des öffentlichen Sektors außen vor, da Ausländer bei sicherheitssensiblen Aufträgen nicht berücksichtigt werden. Daher geht die Software AG in diesem Jahr mit einer amerikanischen Einheit an den Start./fn/jha/tw