12.02.2013 15:57
Bewerten
(0)

Ratingagentur S&P bleibt dabei: 'Klage entbehrt jeder Grundlage'

Ratingriese am Pranger: Ratingagentur S&P bleibt dabei: 'Klage entbehrt jeder Grundlage' | Nachricht | finanzen.net
Ratingriese am Pranger
DRUCKEN
Die wegen ihrer Hypothekenpapier-Bewertungen vor Gericht gebrachte Ratingagentur Standard & Poor's gibt sich siegessicher.
Die Klage des US-Justizministeriums entbehre "jeglicher faktischen oder juristischen Grundlage", erklärte der Mutterkonzern McGraw-Hill am Dienstag in New York. S&P zeigte sich überzeugt, den Fall gewinnen zu können und verwies auf 41 ähnliche Klagen in der Vergangenheit, die entweder vor Gericht verworfen oder zurückgezogen worden seien. "Wir werden uns energisch verteidigen", sagte Chefjustiziar Kenneth Vittor in einer Telefonkonferenz.

   Das US-Justizministerium hatte S&P in der vergangenen Woche auf 5 Milliarden Dollar verklagt (3,7 Mrd Euro). Der Vorwurf: Die weltgrößte Ratingagentur habe vor der Finanzkrise wissentlich zu gute Noten für amerikanische Hypothekenpapiere verteilt und damit Investoren betrogen, die die Papiere anschließend gekauft haben. Denn nur wenige Monate später brach der Markt zusammen und die Investoren verloren Abermilliarden mit den angeblich so sicheren Wertpapieren.

     Für den Finanzdienstleister wäre eine Verurteilung eine Katastrophe, nicht nur wegen des Imageschadens: Eine Strafzahlung in der geforderten Höhe würde ein Vielfaches des Jahresgewinns darstellen, der 2012 bei unterm Strich 437 Millionen Dollar lag. 2011 hatte McGraw-Hill noch mehr als doppelt so viel verdient, doch der Konzern befindet sich im Umbruch. Das zweite Standbein mit Bildungsangeboten wird für 2,5 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Apollo verkauft. Das Geschäft soll bis Ende März abgeschlossen werden.

 S&P beteuerte zum wiederholten Male, dass die Bewertungen "in gutem Glauben" entstanden seien. Auch habe S&P schneller und umfassender als jeder Konkurrent auf den einbrechenden US-Häusermarkt reagiert und damit zusammenhängende Wertpapiere abgewertet. "Leider hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass diese Aktionen nicht ausreichend waren." Die Immobilienkrise sei letztlich schlimmer gekommen als angenommen. Dieses Versagen sei aber keine Folge eines Fehlverhaltens bei S&P. Auch kaum jemand anderes habe die Schwere der Krise vorausgeahnt, verteidigte sich die Ratingagentur.

 Die Einschätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren ist ein Milliardengeschäft. "2012 war ein tolles Jahr", sagte McGraw-Hill-Chef Harold McGraw III bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Dienstag. Die Tochter S&P ist Marktführer, weitere große Spieler sind Moody's und Fitch. Alle drei konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr kräftig steigern.

    Das Geschäftsmodell der Branche steht jedoch schon lange in der Kritik: Denn nicht die Anleger zahlen für die Bewertungen, sondern die Verkäufer der Wertpapiere, im Falle der Hypothekenpapiere waren dies Banken. Kritiker sehen deshalb einen Interessenkonflikt und die Gefahr von "Kuschel-Noten".

     S&P-Chef Doug Peterson verteidigte das Geschäftsmodell in der Telefonkonferenz als "transparent". Er versicherte, nach der Finanzkrise seien die Ratingmodelle überarbeitet worden. So sei es heute schwerer, die begehrte Bestnote "Triple-A" zu bekommen. Einen Rückschlag für das Geschäft fürchtet Peterson nicht: "In der Zukunft wird die Rolle unabhängiger Ratingagenturen noch wichtiger."

  Unklar ist bislang, warum sich das US-Justizministerium sowie die Generalstaatsanwälte mehrerer Bundesstaaten nur auf S&P gestürzt haben. "Wir haben keine Erklärung dafür", sagte Chefjustiziar Vittor. Die Konkurrenten hätten vor der Finanzkrise ähnliche Noten verteilt. Zum S&P-Mutterkonzern McGraw-Hill gehören neben der Ratingagentur und der zum Verkauf stehenden Bildungssparte auch noch die bekannten S&P-Dow-Jones-Börsenindizes sowie der besonders in der Autobranche umtriebige Marktforscher J.D. Power.

    NEW YORK (dpa-AFX)

Bildquellen: Lisa S. / Shutterstock.com
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Payment-Trend: Der Vormarsch von digitalen Zahlungsabwicklern

Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, warum vor allem asiatische Unternehmen beim Mobile-Payment eine wichtige Rolle spielen und welche Aktien vom mobilen Bezahlen profitieren könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX rutscht zum Wochenende unter 13.000 -- US-Börsen mit neuen Rekorden -- Daimler meldet operativen Gewinneinbruch -- Bitcoin klettert über 6.000 Dollar-Marke -- PayPal, Atlassian, Apple im Fokus

Evotec-Aktie bricht ein: Lakewood erhöht Leerverkaufsposition. Siemens Gamesa greift nach Gewinnwarnung durch. EU-Mitarbeiter untersuchen BMW-Büros wegen Kartellverdachts. General Electric verfehlt Gewinnerwartungen. Software AG bleibt hinter Erwartungen zurück. Austausch der Aktiengattung der Linde AG im DAX.

Top-Rankings

Erster Job
Wo Absolventen am meisten Geld verdienen
KW 42: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 41: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Die CDU hat rund zwei Prozentpunkte bei der Niedersachsen-Wahl verloren. Nun fordern Konservative Merkels Rücktritt. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BMW AG519000
Apple Inc.865985
Allianz840400
BASFBASF11
E.ON SEENAG99
EVOTEC AG566480
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Siemens AG723610
CommerzbankCBK100
Bitcoin Group SEA1TNV9
Amazon906866