11.12.2012 19:45
Bewerten
 (2)

Regierung will Härten bei Lebensversicherungen abfedern

    BERLIN (dpa-AFX) - Erst im November hat der Bundestag eine Entlastung der Lebensversicherer beschlossen - nun will die Bundesregierung die Folgen für die Versicherten mit einer Härtefallregelung begrenzen. Wie am Dienstag aus Regierungskreisen verlautete, will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kurzfristig per Verordnung sicherstellen, dass Versicherte bei der Auszahlung ihrer Policen 2013 oder 2014 nicht auf übermäßig viel Geld verzichten müssen. Damit sollten "substanzielle Einbußen" vermieden werden, hieß es.

 

    Nach dem Beschluss des Bundestages wird die Beteiligung der Versicherten an den zurzeit besonders hohen Bewertungsreserven für festverzinsliche Wertpapiere ab dem 21. Dezember begrenzt. Ziel ist es, die unter den niedrigen Kapitalmarktzinsen leidenden Lebensversicherer zu stabilisieren und ihre Rückstellungen für die Auszahlung kommender Jahrgänge zu sichern. Dadurch müssen aber viele Versicherte mit ablaufenden oder gekündigten Verträgen befürchten, spürbar weniger Geld zu erhalten.

 

    Mit der Härtefallregelung soll die Absenkung der Beteiligung nun gedeckelt werden. Das führe dazu, dass Versicherte bei der Auszahlung ihrer Police im Schnitt maximal einen Abschlag von fünf Prozent in Kauf nehmen müssten, hieß es. Allenfalls im Einzelfall lägen die Abschläge darüber. Genaue Zahlen lägen nicht vor, weil die Tarife und die Laufzeiten der einzelnen Versicherungsverträge ebenso unterschiedlich seien wie die Bewertungsreserven der Versicherungen.

 

    Die gesetzliche Neuregelung hatte zu großer Unruhe unter Versicherten geführt, zumal einige Lebensversicherer ihren Kunden nahegelegt hatten, ihre Verträge vor Inkrafttreten der Reform zu kündigen. Die dabei vorgelegten Modellrechnungen seien aber von der - falschen - Annahme ausgegangen, dass die Kunden überhaupt nicht mehr an den Bewertungsreserven beteiligt würden, hieß es in Regierungskreisen. Dies habe zu großen Irritationen geführt.

 

    Bei der Auszahlung einer Lebensversicherung schlagen die garantierte Leistung, die Überschussbeteiligung und die Beteiligung an den Bewertungsreserven zu Buche. Die Bewertungsreserven machen dabei nach Angaben aus Regierungskreisen etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens aus. Einzelne Kunden mussten infolge der Neuregelung befürchten, dass ihnen mehrere tausend Euro verloren gehen - vor allem, wenn die Auszahlung in die anhaltende Niedrigzinsphase fällt.

 

    Grund ist die Tatsache, dass die Bewertungsreserven bei festverzinslichen Papieren angesichts der niedrigen Zinsen zurzeit besonders hoch sind. Denn viele Wertpapiere wurde vor Jahren zu viel höheren Zinssätzen als heute ausgegeben. Müssten die Konzerne diese Papiere heute verkaufen, um die Ansprüche von Kunden zu erfüllen, wären sie gezwungen, anschließend deutlich schlechter verzinste Papiere kaufen. Dies müsse unbedingt verhindert werden, hieß es.

 

    In der Regierung wurde darauf verwiesen, dass die ursprünglichen Gesetzespläne auf Zahlen aus dem Jahr 2011 basierten. Inzwischen habe sich die Lage aber verändert. Eine Prüfung habe ergeben, dass im Regelfall mit Abschlägen zwischen fünf und sechs Prozent gerechnet werden müsse, wenn man nicht eingreife. Die Verordnung soll nun bereits an diesem Freitag dem Bundesrat vorliegen, so dass sie zeitgleich mit dem Gesetz am 21. Dezember in Kraft treten kann.

 

    Für Kunden von Lebensversicherungen hatte es zuletzt mehrere schlechte Nachrichten gegeben. Unter anderem hatte die Bundesregierung den Garantiezins für neue Verträge auf 1,75 Prozent gesenkt. Zentrales Ziel ist es, dass die Versicherer auch ihre langfristigen Verpflichtungen an ihre Kunden noch erfüllen können./wn/DP/she

 

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

DAX steigt nach ifo-Daten kräftig -- Verizon macht Yahoo-Deal perfekt -- E.ON-Tochter Uniper plant Jobabbau -- Sartorius etwas optimistischer -- Daimler, Tesla im Fokus

Allianz will sich bei Pimco stärker einmischen. Nintendo-Aktie stürzt ab - Ernüchterung über "Pokémon Go". ifo-Geschäftsklima trübt sich nach Brexit-Votum nur leicht ein. Philips schlägt sich erneut besser als gedacht. Ryanair sieht Gewinnziel in Gefahr. SAP-Finanzchef erwartet ab 2018 deutlich höheres Gewinnwachstum.
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Die wertvollsten Marken 2016
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Wo hat man am meisten Urlaub?
Rohstoff-Performer im ersten Halbjahr 2016
DAX-Performer im ersten Halbjahr 2016
Welche deutsche Stadt ist bereit für die Zukunft?
TecDAX-Performer im ersten Halbjahr 2016
mehr Top Rankings

Umfrage

Die Bundesregierung sieht keine Auswirkungen des Putschversuchs in der Türkei auf das Flüchtlingsabkommen mit der EU. Sehen Sie das auch so?