FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Regionalbörsen in Stuttgart und München haben das Nein der EU-Kommission zur Fusion zwischen Deutscher
Börse und NYSE Euronext (
NYSE Group)kritisiert. "Gerade für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland und des europäischen Wirtschaftsraumes auf den weltweiten Finanzmärkten wären ein global ausgerichteter Terminmarkt, eine transatlantische Aktienhandelsplattform sowie ein darauf basierender, weltweit tätiger Wertpapierabwickler wichtig gewesen", sagte Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Börse Stuttgart. Die Chefin der Börse München, Christine Bortenlänger, kommentierte in einem Gastbeitrag im "Handelsblatt Online": "Die Sichtweise der EU, die Megabörse dominiere mittels ihrer Tochterunternehmen Eurex aus Frankfurt und Liffe aus London mit einem Marktanteil von 90 Prozent den europäischen Derivatehandel greift viel zu kurz. "Angesichts des stark wachsenden Finanzbereichs in den Schwellenländern von Asien bis Südamerika müsse der Wettbewerb in einem globalen Umfeld gesehen werden.
Eine große Konkurrenz für die Börsen in Frankfurt und New York sei zudem vor allem der Direkthandel zwischen den großen Investmenthäusern sowie die meist von diesen gegründeten und betriebenen außerbörslichen Handelsplätze. Im Derivatehandel etwa mache der außerbörsliche Marktanteil zwischen 80 und 90 Prozent aus. "Schon deshalb ist es kaum nachvollziehbar, wenn die EU von einer marktbeherrschenden Stellung der fusionierten Börse in diesem Bereich ausgeht", kritisiert Bortenlänger. Bortenlänger sieht im Verbot einer Fusion zwischen den Börsen Frankfurt und New York auch eine Schwächung des Finanzplatzes Deutschland. Selbst wenn sich innerhalb der transatlantischen Megabörse die Gewichte mittelfristig nach New York verschoben hätten, so Bortenlänger, hätte Frankfurt "trotzdem in der ersten Reihe mitgespielt und geholfen, europäische Standards weltweit umzusetzen".
Darüber hinaus gehe es nicht nur um die Stellung im globalen Wettbewerb, es geht auch um die Bedeutung der Börsen im Spiel der Kräfte auf den Finanzmärkten. "Eine Stärkung des Börsenhandels wäre ein dringend notwendiges und überaus zeitgemäßes Signal gewesen - auch und gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise und dem Ruf nach einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte."/ck/wiz