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aktualisiert: 20.06.2012 15:26

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€uro am Sonntag

REISEBRANCHE BOOMT

Amerika ist urlaubsreif - Die aussichtsreichsten Hotel-Aktien

Wyndham Worldwide zu myNews hinzufügen Was ist das?



US-Hotels profitieren vom landesweiten Reisefieber
Nach Jahren der Flaute erlebt die Tourismusbranche in den USA einen neuen Boom. Reiseportale wie Expedia und Tripadvisor sind bislang die Börsenstars des Jahres. Jetzt ziehen Hotelaktien nach.

von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Wenn der durchschnittliche Amerikaner ein Hotelzimmer betritt, begutachtet er zualler­erst die Aussicht. Doch jede Regel hat ihre Ausnahmen. Reisende aus Florida etwa interessieren sich nicht die Bohne fürs Panorama. Ihre erste Handlung: Sie riegeln die Zimmertür ab. Solche und andere Kuriositäten brachte eine Umfrage der Marriott-Tochter SpringHill Suites unter 1.000 US-Verbrauchern ans Licht.

Was die Initiatoren der pünktlich zur beginnenden Urlaubssaison veröffentlichten Volksbefragung — und damit auch Analysten und Anleger — viel mehr interessieren dürfte: Die Reiselust der Amerikaner nimmt deutlich zu. 92 Prozent wollen dieses Jahr unbedingt verreisen, ob per Auto, Flugzeug, Bus oder Schiff.

Neue Aufbruchstimmung
Anders als in den Vorjahren bremsen Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz, steigende Spritpreise oder volatile Aktienmärkte die Vorfreude auf den Urlaub keineswegs. Im Gegenteil: Auf die Frage, warum sie ­einen Tapetenwechsel brauchen, nennen die Reisewilligen als Grund Nummer 1 ihren Boss. An zweiter Stelle folgen die Arbeitskollegen.

„Die Leute brauchen ihren Sommerurlaub, ob in der Umgebung oder in der Ferne“, fasst SpringHill-Managerin Callette Nielsen die neue Aufbruchstimmung unter ihren Landsleuten zusammen. „Die Menschen sehnen sich danach, dem Alltag zu entkommen.“ Nach fünfjähriger Flaute wittert die Hotelbranche Morgenluft. Jan Freitag vom Analysehaus Smith Travel Research, stuft das Gewerbe als klassischen Spätzykliker ein: „Die Branche ist ein Vorreiter, wenn es darum geht, Kosten zu senken. Wenn die Konjunktur anzieht, sind die Hotels dagegen die letzten, die zurückkehren.“ Mittlerweile liegt die Auslastung bei 63,6 Prozent, das entspricht dem langfristigen Durchschnitt.

Die Zimmerpreise zogen zuletzt auf durchschnittlich 104 Dollar pro Nacht an, das höchste Niveau seit drei Jahren. Und das dürfte erst der Anfang sein. Branchenexperte Freitag geht davon aus, dass die Übernachtungspreise bis Ende Dezember im Schnitt auf 107 Dollar klettern. In den Küstenstädten, die besonders hoch in der Gunst der Touristen ­stehen, dreht sich die Preisspirale am schnellsten. In San Francisco schnellten die Übernachtungspreise im ersten Quartal um fast zwölf Prozent hoch. „Wir gehen davon aus, dass die kommenden drei bis vier Jahre sehr gut für die Branche werden“, resümiert Freitag.

Hebel auf den Gewinn
Im Zusammenspiel mit steigenden Buchungszahlen — allein im ersten Quartal verzeichneten die Beherbergungsbetriebe ein Plus von 4,1 Prozent — ergibt sich ein gewaltiger ­Hebel auf den Gewinn. Je besser die Auslastung, desto höher klettert der Zimmerpreis. Je teurer das Zimmer, desto stärker klingelt die Kasse. Da viele Ketten in den vergangenen Jahren gerade mit Ach und Krach profitabel waren, sind die Zuwachsraten eindrucksvoll. Bei Marriott International etwa stieg der Gewinn von ­Januar bis März um 18 Prozent auf 104 Millionen Dollar an.

Angesichts der Geschäftsbelebung will Marriott-Chef Arne Sorenson die Belegschaft bis Jahresende um sechs Prozent auf 212.000 Mitarbeiter aufstocken. Das Personal sei an der Grenze der Belastbarkeit angelangt, weitere Zusatzschichten wären nicht mehr zumutbar. Denn zum wiedererwachten Urlaubsbedürfnis der Amerikaner gesellt sich dank des moderaten Wirtschaftsaufschwungs auch eine Zunahme der Geschäftsreisen. Bei der Vorlage der Quartalszahlen geriet Sorenson geradezu ins Schwärmen: „Wir sehen eine fantastische Stärke im globalen Reiseverkehr. Die Leute sind ununterbrochen unterwegs. Sie fliegen zu Besprechungen, führen Verkaufsverhandlungen und dann machen sie Urlaub mit der Familie.“

Gastgewerbe als Jobmaschine
Die Vereinten Nationen sehen im Tourismus eine der wichtigsten Stützen für die Weltwirtschaft. Nach einer langen Durststrecke gilt das ­inzwischen auch wieder für die Vereinigten Staaten. Angesichts des Aufschwungs stellte der Sektor im März 3,2 Prozent mehr Personal ein. Wenngleich keine üppigen Gehälter bezahlt werden, ist das Gastgewerbe für viele Arbeitslose eine Chance, ins Arbeitsleben zurückzukommen. 7,6 Millionen Menschen (immerhin 5,7 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer) haben nach Angaben des Reiseverbands U.S. Travel Association einen Arbeitsplatz im Tourismus. Direkt in Hotels, Motels und ­Kasinos arbeiten in den USA 1,6 Millionen Menschen.

2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entfallen auf die Branche — Tendenz steigend. Als Verstärker des Booms wirkt die niedrige Zahl von Neueröffnungen in den vergangenen Jahren, eine Folge der geplatzten US-Immobilienblase, erklärt Analyst Freitag: „Die Banken sind bei neuen Projekten mit Finanzierungszusagen sehr zurückhaltend.“ Gewinner sind Ketten, die auch nach fünf mageren Jahren noch genug Geld in der Hinterhand haben, um jetzt expandieren zu können. 15.000 neue Zimmer will Marriott bis Ende Dezember in den USA für die Gäste hergerichtet haben.

Solch imposante Expansionsplä­ne verschlingen noch nicht einmal Unsummen, denn die Gebäude befinden sich in der Regel in der Hand von Immobiliengesellschaften, sprich Real Estate Investment Trusts, kurz REITs. Selbst namhafte Ketten wie InterContinental verwalten die Häuser häufig gegen eine Franchise­gebühr. Lediglich Traditionshäuser wie das St. Regis in New York, wo ­Salvador Dalí und Marlene Dietrich phasenweise lebten, geben die Ketten nicht aus der Hand.

Dass die Zeichen wieder auf Wachstum stehen, zeigen die Pläne der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, die den Börsengang ihrer Tochter Hilton vorbereitet. Insider rechnen spätestens im nächsten Jahr mit der Erstnotiz. Zum Hilton-Imperium zählen renommierte Paläste wie das Hawaiian Village oder das Waldorf Astoria in New York. Blackstone-Chef Stephen Schwarzman hatte die Ikone im Jahr 2007 auf dem Höhepunkt des Booms für 26 Milliarden Dollar erworben. Der Manager dürfte alles daran setzen, Hilton trotz des hohen Kaufpreises mit Gewinn abzustoßen.

Wachstum in der Nische
Was den Luxushotels zugute kommt, ist der Trend zu immer ausgefalleneren Hochzeiten und Familienfeiern. „Wir sind voll ausgelastet, es ist extrem. Die Leute buchen wie verrückt“, erklärt Harlan DeBell, der mit seiner Schwester Kara eine Agentur für Romantikreisen betreibt. DeBell verzeichnete in diesem Jahr bereits Buchungen für 40 Hochzeiten und über 100 Flitterwochen. Hoch im Kurs stehen bei Frischvermählten Hawaii und die Karibik. Eine Trauung mit 200 geladenen Gästen im Wert von mehreren Millionen Dollar war auch dabei.

Investor-Info

Marriott International
Luxustempel in Familienhand

Die größte börsennotierte US-Kette ist eine luxuriöse Adresse mit 3.700 Objekten in 73 Ländern. Im laufenden Jahr will Vorstandschef Arne Sorenson durch Aktienrückkäufe und Dividenden eine Milliarde Dollar an die Anleger zurückführen. Zwar ist die Dividendenrendite mit 1,3 Prozent nicht edel, dafür besteht Erhöhungspotenzial. Der 80-jährige Sohn des Gründers, Willard Marriott, wacht als Verwaltungsratsvorsitzender über die Gruppe.

Intercontinental Hotels
Erstklassige Dividende

Die Briten betreiben 4.500 Hotels in 100 Ländern mit 660.000 Zimmern. Im ersten Quartal stieg der Gewinn um fünf Prozent, getragen von den wichtigsten Märkten USA und China. Die Olympischen Spiele in London dürften das Wachstum beschleunigen. Der geplante Verkauf des New Yorker Flaggschiffs InterContinental Barclay könnte 300 Millionen Dollar in die Kasse spülen. Das KGV ist mit 12 günstig, die Dividendenrendite mit 3,4 Prozent erstklassig.

Wyndham Worldwide
Kurs auf Südamerika

Die Gruppe aus New Jersey managt 7.150 Hotels mit 609.000 Zimmern in 65 Ländern. Ramada, Days Inn, Planet Hollywood und Super 8 heißen die Kern­marken, die hauptsächlich das Mittelklassesegment ­abdecken. Führend ist die Timesharing-Sparte. 70 Prozent des Umsatzes stammen aus den USA. Das Management will nun Südamerika aufrollen. Voriges Jahr zog der Umsatz von 3,8 auf 4,2 Milliarden an, der Überschuss von 379 auf 417 Millionen Dollar.

Starwood Hotels
Angesagt, aber teuer

Zur Starwood-Gruppe zählen The Royal Hawaiian, St. Regis, W Hotels, Westin, Aloft oder Le Meridien. Das Imperium erstreckt sich auf 1103 Adressen in 100 Ländern. An Bord sind 154 000 Beschäftigte. Mit einem cleveren Konzept spricht das Management Kun­den aller Altersklassen an, vom Topmanager bis hin zum Jungspund, der im hippen W Hotel absteigt. Mit einem KGV von 22 ist die Aktie aber ausgereizt.

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