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17.08.2011 17:00

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Aktienclub: Das sind die großen Chancen

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Investmentclubs: Gemeinsam Aktien kaufen
Seit 2008 setzt ein Uelzener Aktienklub auf Werte mit Substanz. Den jüngsten Kursrutsch nutzen die Niedersachsen zum Nachkaufen.

von Andreas Hohenadl, €uro am Sonntag

Bei Torsten Arends lässt der jüngste Kurssturz an den Börsen den Blutdruck gewaltig steigen. Zwar dürfte das den meisten Anlegern so gehen, doch bei Arends ist es nicht schiere Verzweiflung, sondern die verlockende Aussicht, jetzt noch billiger unterbewertete Aktien einsammeln zu können. Der 36-Jährige ist überzeugter Value-Investor und Vorsitzender des An­lageausschusses beim Niedersächsischen Aktienclub (NDAC).

„Das sind die großen Chancen, die man als Anleger hat“, sagt er, „durch die Panik anderer noch günstiger an gute Titel zu kommen.“ Nachkaufen, wenn die Kurse fallen – diesen Grundsatz des großen Vorbilds Warren Buffett beherzigt der NDAC bei seiner Anlage in Substanzwerte. An prominenter Stelle des Klubpros­pekts prangt ein Satz des US-Superinvestors: „Reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind.“

Bereits seit 1999 legen die Mitglieder des Niedersächsischen Aktien­clubs, der seinen Sitz in Uelzen hat, in einem Gemeinschaftsdepot an. Die Einführung der Abgeltungsteuer ver­anlasste sie, dieses 2008 in einen Fonds zu überführen: den NDAC­invest. Dessen Aufstellung bestimmt Arends entscheidend mit. Und beweist dabei ein gutes Händchen. So arbeitete sich der Fonds in diesem Jahr in der Fondsstatistik von €uro am Sonntag bereits auf Platz 1 von über 400 Fonds in seiner Kategorie vor. Und auch im jüngsten Kurssturz verlor das Depot knapp zehn Prozent weniger als der deutsche Leitindex. „Wenn wir nicht DAX-Aktien beigemischt hätten, wären die Verluste noch deutlich geringer gewesen“, sagt Arends.

Denn hauptsächlich durchforsten die Niedersachsen auf der Suche nach Value-Aktien das Universum der deutschen Nebenwerte. Dort finden sie Unternehmen, die in Nischen­märkten überdurchschnittlich wachsen, aber häufig nicht auf dem Radar der Analysten erscheinen. Vom Küchenmöbelhersteller Alno bis zum rheinland-pfälzischen Groß- und Einzelhändler Wasgau AG reicht die Spanne der Nebenwerte im Depot. „Bevor wir eine Aktie kaufen, ana­lysieren wir die Unternehmen ein­gehend“, sagt Arends. „Wir durchforsten die Bilanzen und schauen, was eine Firma wirklich wert ist.“

Dass sich der NDAC vorwiegend auf kleinere und mittelgroße deutsche Werte konzentriert, hat nach Aussage Arends’ auch damit zu tun, dass die Klubmitglieder näher an die­sen Unternehmen dran seien als an irgendwelchen internationalen Großkonzernen. So erhalte der Anlageausschuss neben der Beratung durch den Mannheimer Vermögensverwalter Ralf Bake immer wieder auch hilfreiche Tipps und Einschätzungen aus den Reihen der Mitglieder.

„Zu vielen Unternehmen, die wir für eine Investition in Betracht ziehen, bekommen wir auf den Klubtreffen Kommentare von Mitgliedern, die sich in den betreffenden Branchen gut auskennen.“ Diese könnten aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen oft sehr genau einschätzen, ob ein neues Produkt oder eine neue Strategie eines Unternehmens Aussicht auf Erfolg habe. „Solche Expertise in den eigenen Reihen ist wertvoller als mancher Research-Bericht von Analystenseite“, sagt Arends. Gerade der gegenseitige Austausch sei einer der großen Vorteile von Investmentklubs, erklärt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Bei einem klassischen Investmentklub steht immer auch der Lerneffekt beim gemeinsamen Anlegen im Vordergrund.“ Rund 6.400 Klubs gibt es hierzulan­de, um die sich die DSW als Dachverband kümmert (siehe Investor-Info).

Der NDAC mit seinen rund 1.000 Mitgliedern hat die Grenzen eines klassischen Investmentklubs allerdings bereits gesprengt. In einem solchen entscheide jedes Mitglied bei jeder Investition mit, sagt Tüngler – im Gegensatz zum NDAC, wo ein Anlageausschuss agiere und dafür eine Vergütung erhalte. „Die großen Klubs, zu denen auch die Niedersachsen zählen, gehen schon mehr in Richtung Vermögensverwaltung.“

Das sei keinesfalls negativ, erklärt Tüngler. Denn für Menschen, die wissen wollen, wie Anlageentscheidungen getroffen werden, seien diese Investmentklubs sehr gut geeignet. So legt auch der NDAC großen Wert auf die Information seiner Mitglieder. In den Depotberichten sind nicht nur die Top-10-Werte, sondern alle Einzelpositionen des Fonds aufgelistet. Daneben gibt es regelmäßige Newsletter und Mitgliedertreffen sowie die Möglichkeit, gemeinsam jene Unternehmen zu besuchen, in die investiert wird.

Denn wie bei vielen kleinen Anlegerklubs ist auch beim NDAC nach wie vor die „Förderung der Wertpapierkultur in Deutschland“ erklärtes Ziel. Mit ihr steht es nach den vielen Krisen im zurückliegenden Jahrzehnt nicht zum Besten. Dennoch seien gerade in den vergangenen Jahren wieder verstärkt Investmentklubs gegründet worden, sagt DSW-Mann Tüngler. „In unsicheren Zeiten ist so ein Zusammenschluss ein Rettungsanker für viele Anleger.“

Das deckt sich mit den Erfahrun­gen von NDAC-Chef Arends. Zwar seien die Mitglieder seit der Finanzkrise des Jahres 2008 verunsichert, aber ihre Zahl sei relativ konstant geblieben. Dazu tragen sicherlich auch die Anlageerfolge im gemeinsamen Depot bei.

Eine der unentdeckten Perlen, die der NDAC frühzeitig aufstöberte, war der Containerhafenbetreiber Eurokai. 2002 und 2003, als die Branche an der Börse noch überhaupt nicht en vogue war, baute der Aktienclub dort eine Position auf. „Die Kons­truktion des Unternehmens als Holding war für viele Anleger zu komplex“, so Arends. „Kaum einer machte sich die Mühe, die Bilanz zu analysieren.“ Die Niedersachsen schon. Sie stiegen bei einem Kurs von unter fünf Euro in die Aktie ein. 2007 verkauften sie den größten Teil der Position zu Notierungen über 60 Euro.

Zwar kletterte die Eurokai-Aktie danach noch auf über 100 Euro. Doch das ficht Arends nicht an. „Wir waren damals der Ansicht, dass die Aktie ihre angemessene Bewertung erreicht hatte“, sagt er. „Alles andere wäre Zockerei gewesen.“ Aktuell werden die Anteilscheine von Eurokai zu rund 25 Euro gehandelt.

Das Prinzip des Value-Investing schließt mit ein, sich auch wieder von einer Aktie zu trennen, wenn die ­Unterbewertung abgebaut ist. Auch wenn dies einigen Mitgliedern nicht gefällt, wie der NDAC-Chef berichtet. „Zu denen sage ich immer: Verliebe dich nie in eine Aktie. Das kann gefährlich sein.“ Dreh- und Angelpunkt für ein Investment ist stets der innere Wert. So auch im Fall der Immobilienfonds, die sich im Depot befinden. Der NDAC­invest hält Anteile des Morgan Stanley P2 Value, des Kanam US-Grundinvest sowie des Degi Inter­national. Bei diesen Offenen Immofonds ist die Anteilsrücknahme aktuell wegen fehlender Liquidität ausgesetzt. Die Niedersach­sen kauften die Fondsanteile erst nach der Schließung mit einem Abschlag auf den jeweiligen Verkehrswert. Sie wollen davon profitieren, wenn nach einer Wiedereröffnung oder erfolgten Abwicklung höhere Erlöse zu erzielen sind, als die Fondsanteile an der Börse gekostet haben. „Es handelt sich vom Chance-Risiko-Verhältnis um Investments, die unseren Ak­tienanlagen vergleichbar sind, deren Wertentwicklungen vom Aktienmarkt aber ein Stück weit abgekoppelt sind und somit auch der Diversifizierung dienen“, erklärt Arends.

Für eine breite Aufstellung des Depots sorgen daneben auch Gesellschaften wie GBK Beteiligungen. Die operiert als Private-Equity-Investorin unter dem Dach der Hannover ­Finanz und hält langfristig Betei­ligungen an deutschen Mittelständlern. Auch bei diesem Investment war der Abschlag auf den inneren Wert der Grund für die Aufnahme.

Eine günstige Bewertung bewegt die Uelzener auch, vereinzelt in DAX-Werte zu investieren. So befinden sich unter den zehn größten Werten im Portfolio unter anderem Aktien der Deutschen Bank sowie der Deutschen Telekom. „Sie waren vor eini­ger Zeit so günstig, dass wir eingestiegen sind“, sagt Arends.

Natürlich benötigt diese rein fundamentale Sicht Durchhaltewillen. Vor allem, wenn die Märkte auf breiter Front einbrechen und günstige Aktien noch mal viel günstiger werden. Doch statt sich Absicherungsstrategien zu überlegen, kaufen die Niedersachsen dann lieber noch mal nach.

Investor-Info

Investmentklubs
Anlegen in der Gemeinschaft

In Deutschland gibt es derzeit rund 6.400 Investmentklubs, die unter dem Dach der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) versammelt sind. „Im Schnitt haben diese Klubs 27 oder 28 Mitglieder“, ­erklärt Marc Tüngler, Geschäftsführer bei der DSW. Ein Investmentklub im klassischen Sinn muss nach Definition der DSW drei Voraussetzungen erfüllen: „Er darf maximal 50 Mitglieder haben, nicht über mehr als 500.000 Euro an Einlagen verfügen, und die Geschäftsführung darf keine Vergütung erhalten.“ Das treffe für die großen Investmentklubs nicht (mehr) zu. Zu ihnen zählt neben dem Niedersächsischen Aktienclub etwa der Hanseatische HAC, der Münchner MIC oder der Kölner ACC. Insgesamt sind rund 220.000 Deutsche Mitglied in einem Investmentklub. Allein in nichtprofessionellen Klubs liegen insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Euro in den Depots. Das durchschnittliche Depotvolumen beträgt nach Angaben der DSW 175.000 Euro. Anleger, die sich über ­einen Investmentklub in ihrer Nähe informieren möchten oder selbst einen gründen wollen, wenden sich am besten an die DSW (www.dsw-info.de, Tel. 02 11/66 97-32).

NDACinvest-Aktienfonds
Suche nach günstigen Werten

Der Niedersächsische Aktienclub sucht gezielt nach unter­bewerteten Substanzwerten. Im Fondsdepot befinden sich überwiegend deutsche Titel, meist von kleinen oder mittleren Unternehmen. Rund 35 Werte sind normalerweise im Portfolio vertreten. Auch einige DAX-Titel sind beigemischt. Sie zogen die Performance im jüngsten Kurssturz am stärksten nach unten. In der Vergangenheit war der Fonds, der mit sieben Millionen Euro Anlagevermögen relativ klein ist, recht schwankungsarm. Vor dem Einstieg Bodenbildung an den Märkten abwarten.

Bildquellen: Julian Mezger

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