BASEL (dpa-AFX) - Der schweizerische Pharmakonzern Roche hat das öffentliche Angebot für den Kauf aller ausstehenden
Aktien von Genentech zum Preis von 86,50 US-Dollar je Titel in bar unterbreitet. Das Angebot ende am 12. März 2009 um 24.00 Uhr New York Zeit, falls das Angebot nicht verlängert werde, teilte Roche am Montag in Basel mit. Das öffentliche Kaufangebot folgt auf dessen Ankündigung am 30. Januar 2009 und ersetzt die am 21. Juli 2008 von Roche unterbreitete Offerte zur Übernahme aller ausstehenden Genentech-Aktien zu 89,00
Dollar je Titel in bar im Rahmen eines vereinbarten Zusammenschlusses.
Diese Offerte sei vom Ausschuss des Genentech-Verwaltungsrates am 13. August 2008 abgelehnt worden, teilte Roche weiter mit. Angesichts des fehlenden Fortschritts in den Gesprächen, mit dem US-Biotechkonzern eine Vereinbarung zu treffen, unterbreite Roche den Genentech-Aktionären direkt ein Kaufangebot. Roche besitzt derzeit rund 55,8 Prozent aller ausstehenden Aktien von Genentech.
ÜBERNAHMEANGEBOT WÜRDE 42,1 MILLIARDEN US-DOLLAR KOSTEN
Das nun veröffentlichte Übernahmeangebot kostet Roche 42,1 Milliarden Dollar, wie Ende Januar ein Roche-Sprecher auf Anfrage der schweizerischen dpa-AFX Partneragentur AWP sagte. Die Transaktion soll weiterhin mit eigenen Mitteln, Geldmarktanleihen, Obligationen und Bankkrediten finanziert werden. "Wir sind zuversichtlich, die Finanzierung der Genentech-Übernahme sichern zu können", hatte Roche-Finanzvorstand Erich Hunziker am 4. Februar in einer Telefonkonferenz zum Jahresabschluss gesagt. Dabei käme Roche zu gute, dass das Unternehmen praktisch keine Schulden habe. Fremdkapital soll dabei in einem ersten Schritt am Bondmarkt aufgenommen werden, wie es Ende Januar hieß. Roche-Chef Severin Schwan rechnet bereits im ersten Jahr der Übernahme mit einem Beitrag von Genentech zum Kerngewinn, wie er Anfang Februar sagte. "Wir haben zwar unsere Vorgehensweise betreffend der Transaktion geändert - unsere Pläne, wie wir die beiden Unternehmen zusammenführen wollen, bleiben aber unverändert", wird Franz B. Humer, Verwaltungsratspräsident der Roche-Gruppe, in der Medienmitteilung zitiert. "Wir werden die notwendigen Massnahmen ergreifen, um die spezielle forschungsorientierte Innovationskultur von Genentech zu erhalten", so Humer weiter.
SQUEEZE-OUT MÖGLICH
Roche wolle mit den bestehenden Spitzenkräften den Ansatz von Genentech, neue Medikamente zu erforschen und zu entwickeln, weiterverfolgen. Entsprechend werde die Forschung und frühe Entwicklung von Genentech innerhalb der Roche-Gruppe als unabhängiges Forschungszentrum weitergeführt. Hingegen werde die US-Vertriebsorganisation von Roche Pharma von Nutley an den Genentech-Standort in South San Francisco verlagert. Auch werde die Einheit künftig unter dem Namen Genentech auftreten, um die Bekanntheit von Genentech im Markt zu nutzen. Das öffentliche Kaufangebot von Roche sei unter anderem von folgenden Bedingungen abhängig: einer unverzichtbaren Bedingung, dass mindestens die Mehrheit der von den Minderheitsaktionären gehaltenen Aktien im öffentlichen Übernahmeangebot angedient werden, und dass Roche über genügend finanzielle Mittel verfügt zum Erwerb aller von den Minderheitsaktionären gehaltenen Aktien und aller Aktien, die aufgrund der Ausübung ausstehender Optionen ausgegeben werden können, einschließlich aller damit verbundenen Kosten und Auslagen, hieß es weiter. Wenn Roche nach Abschluss des öffentlichen Übernahmeangebots 90 Prozent oder mehr der Genentech-Aktien besitzt, werde Roche eine Fusion (Squeeze out) mit Genentech anstreben, so die Mitteilung./rt/AWP/he