aktualisiert: 10.10.2012 13:48
Bewerten
 (0)

Glencore / Xstrata: Mehr Macht, mehr Kontrolle, mehr Profit

Glencore / Xstrata: Mehr Macht, mehr Kontrolle, mehr Profit
Rohstoffaktien
Die Fusion von Glencore und Xstrata rückt näher. Warum veränderte Marktbedingungen zu großen Umwälzungen und weiteren Übernahmen in der Branche führen werden.
€uro am Sonntag

von Julia Gross, Euro am Sonntag

Unauffällig, sportlich, sagenhaft reich — und jetzt fast am Ziel seiner Wünsche: Ivan Glasenberg, Chef des Rohstoffhandelsgiganten Glencore, soll bereits seit fünf Jahren auf den Zusammenschluss mit dem Minenkonzern Xstrata hingearbeitet haben. Fast acht Monate nach dem öffentlichen Übernahmeangebot scheint nun der Weg zu einem der mächtigsten Rohstoffunternehmen der Welt frei.

Denn obwohl Glasenberg und Xstrata-Boss Mick Davis alte College-Kumpel aus Johannesburg sind, erwies sich die Fusion als zähes Unterfangen. Manchen Aktionären war der Preis zu niedrig — Glasenberg bot zunächst 2,8 und dann 3,05 Glencore-Papiere pro Xstrata-Aktie. Anderen, beispielsweise der Investmentbank BlackRock, stößt ein Bonuspaket von bis zu 175 Millionen Euro, das die Xstrata-Manager bei der Stange halten soll, übel auf.

Mit einer Aufsplittung der Abstimmung wollen Glasenberg und Davis den Knoten jetzt zerschlagen. Aktionäre können sich entweder für die Übernahme und das Bonus­paket, nur für die Übernahme oder aber gegen den Zusammenschluss aussprechen.
Londoner Broker beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass die Fusion stattfindet, mittlerweile auf 80 Prozent. Entstehen würde der viertgrößte Bergbaukonzern der Welt mit einem kombinierten Börsenwert von rund 62 Milliarden Euro: ein Gigant, der riesige Kohle- und Industrie­metallvorkommen sowie ein Handelshaus mit einzigartigem Wissen und Kontakten unter einem Dach vereint.

Kontrolle über den Markt
Glencore/Xstrata wären damit Vorreiter der Branche. Denn der fusionierte Konzern kann die gesamte Wert­schöpfungskette von der Produktion bis zum Endkunden abbilden. Das bedeutet mehr Kontrolle, mehr Macht und mehr Profit auf den weltweiten Rohstoffmärkten. Ein Ziel, das sowohl Rohstoffhändler als auch -pro­duzenten immer häufiger verfolgen.

Mit weitreichenden Folgen — die auch Chancen für Anleger bieten. „Wir werden in Zukunft mehr Übernahmen, mehr Börsengänge, mehr Anleiheemissionen und ähnliche Transaktionen in diesem Sektor sehen. Der Rohstoffhandel steht vor der größten Veränderung seit 30 Jahren“, sagt Graham Sharp, Mitbegründer des Metall- und Ölhandelshauses Trafigura und Referent der Managementberatung Oliver Wyman.

Der Grund: Die Bedingungen auf dem Rohstoffmarkt ändern sich. Der Erfolg der Handelshäuser basierte jahrzehntelang vor allem auf dem Zugang zu sonst kaum verfügbaren Informationen über Angebot, Nachfrage und logistische Möglichkeiten auf der ganzen Welt. Heute kann sich diese Informationen jeder beschaffen. Der Wettbewerb nimmt zu, auch die Größe eines Unternehmens spielt eine Rolle. Deshalb wird es immer wichtiger, mehr Teile der Produktions- und Handelskette zu kontrollieren.

„Viele Händler kaufen Rohstoffproduzenten, um ihren eigenen Nachschub zu sichern, sodass sie Lieferungen wirklich garantieren können“, erklärt George Cheveley, Portfoliomanager im Rohstoffteam von Investec Asset Management. „Außerdem ist Rohstoffhandel ex­trem kapitalintensiv. Wer physische Güter als Sicherheit bietet, bekommt günstigere Kredite als jemand, der nur über Handelsverträge verfügt.“

So kaufen die Händler Speicherflächen, Hafenterminals oder Raffinerien, um sich selbst einen größeren Spielraum zu verschaffen. Zum Beispiel übernahmen die beiden nicht börsennotierten Energie- und Metallhandelshäuser Vitol und Gunvor in diesem Jahr drei Raffinierien, Glencore kaufte vor Xstrata bereits für 4,6 Milliarden Euro den kanadischen Agrarkonzern Viterra.

Die Noble Group in Hongkong, die vor allem mit Öl, Kohle und Zucker handelt, versucht gerade, sich den australischen Eisenerzproduzenten Arrium einzuverleiben. Außerdem sucht Noble-Chef Yusuf Alireza nach Agrarproduzenten und -händlern in den USA. „Es ist schwierig, Chinas Getreide- und Maisimportpartner der Wahl zu sein, ohne selbst in einem der wichtigsten Produzentenländer, den USA, den Fuß in der Tür zu haben“, so Alireza.

China im Wandel
China spielt auch eine wichtige Rolle bei den Überlegungen von Rohstoffproduzenten, die sich weiter diversifizieren wollen. Das Land ist seit vielen Jahren Hauptabnehmer von Stahl und Industriemetallen. Der Konjunkturrückgang hat die Nachfrage aber stark gedämpft. Selbst wenn sich die Wirtschaft den Prognosen zufolge 2013 erholt: Die Regierung propagiert im neuen Fünfjahresplan eine weniger ressourcenintensive konsum- und serviceorientierte Wirtschaft.

Deswegen wird Chinas Rohstoffhunger nicht von heute auf morgen vergehen. Die Urbanisierung ist erst zu etwa 50 Prozent abgeschlossen. Es bleibt also genug Bedarf, um der Minenbranche mittelfristig ein an­gemessenes Wachstum zu ermöglichen. Nur die Rückkehr zu zweistelligen Zuwachsraten ist zweifelhaft. Rohstoffprognosen von Morgan Stanley etwa besagen, dass für die durchschnittliche Nachfrage in den kommenden fünf Jahren mit einstelligen Wachstumsraten im mittleren Bereich zu rechnen ist.

Angepasste Strategie
Trotzdem müssen die Bergbaukonzerne auf die Veränderungen ­reagieren. Sie verzichten beispielsweise auf die Erschließung wenig rentabler Standorte und suchen nach anderen Gewinnquellen. „Gerade die Entstehung eines so großen Unternehmens wie Glencore/Xstrata zwingt alle anderen Wett­bewerber, die eigene Strategie und Struktur zu überprüfen“, sagt George Cheveley von Investec. „BHP Billiton etwa verlagert sein Interesse auf Rohstoffe, die in der Mitte oder am Ende des Superzyklus an Bedeutung gewinnen — wie Kali, Kupfer oder Energie —, um sich Chinas Bedürfnissen anzupassen.“

Das Rennen um die attraktivsten Übernahmeziele läuft. Glencore-Boss Ivan Glasenberg hat sich durch den Xstrata-Deal einen Vorsprung erkämpft. Doch die Konkurrenz wird ihn nicht zu weit davonziehen lassen.

Bildquellen: Glencore
Artikel empfehlen?
  • Relevant7
  • Alle8
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Produktion gesteigertGlencore erzielt GewinnwachstumDer schweizerisch-britische Bergbaukonzern Glencore stemmt sich gegen den allgemeinen Rückgang der Rohstoffpreise.
09:38 Uhr
Glencore plans $1bn share buyback (EN, Financial Times)
08:32 Uhr
Glencore Swings To Profit (EN, The Wall Street Journal Deutschland)
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

RSS Feed

Analysen zu Glencore plc

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
15.08.2014Glencore NeutralUBS AG
14.08.2014Glencore NeutralCredit Suisse Group
14.08.2014Glencore NeutralJP Morgan Chase & Co.
13.08.2014Glencore NeutralUBS AG
13.08.2014Glencore NeutralGoldman Sachs Group Inc.
08.08.2014Glencore overweightHSBC
24.07.2014Glencore buyJefferies & Company Inc.
18.07.2014Glencore buyCitigroup Corp.
02.07.2014Glencore buyDeutsche Bank AG
17.06.2014Glencore buySociété Générale Group S.A. (SG)
15.08.2014Glencore NeutralUBS AG
14.08.2014Glencore NeutralCredit Suisse Group
14.08.2014Glencore NeutralJP Morgan Chase & Co.
13.08.2014Glencore NeutralUBS AG
13.08.2014Glencore NeutralGoldman Sachs Group Inc.
07.06.2013Glencore verkaufenNomura
23.05.2013Glencore verkaufenNomura
17.01.2012Glencore reduceNomura
15.06.2011Glencore reduceNomura
31.05.2011Glencore International reduceNomura
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Glencore plc nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

Heute im Fokus

DAX gibt nach -- Apple-Aktie schließt auf Rekordhoch -- Steve Ballmer verlässt Microsoft -- BMW könnte sich auf Stahl besinnen

Iliad sucht Schulterschluss mit Tech-Riesen für Gebot für T-Mobile US. Glencore steigert Gewinn. Heineken verdient operativ deutlich mehr. Bundesrechnungshof äußert wohl Kritik an Merkels Energiewende. Gül: Außenminister Davutoglu wird neuer türkischer Regierungschef. Zwölf japanische Autozulieferer müssen in China Rekordstrafe zahlen.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?

Welcher Nationaltrainer verdient am meisten?

In welchen Disziplinen ist Deutschland Weltspitze?

Wer ist die reichste erfundene Gestalt?

Wer kickt am besten?

mehr Top Rankings
Laut Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wirken befristete Jobs wie die Anti-Baby-Pille. Sind Sie auch dieser Meinung?
Abstimmen
Direkt zu den Ergebnissen