von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag
Wenn alles gut geht, wird es die größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens im Ausland: Für 15,1 Milliarden Dollar will der Öl- und Gaskonzern CNOOC seinen kanadischen Konkurrenten Nexen (ISIN: CA 653 34H 102 9) übernehmen. Der Konzern bietet 27,50 Dollar je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 61 Prozent. Der Verwaltungsrat von Nexen hat der Offerte bereits zugestimmt. Das Nexen-Management hat seinen Aktionären die Annahme des Angebots empfohlen. Nun müssen die kanadischen Kartellbehörden über den Megadeal entscheiden. Die Chancen für eine Genehmigung stehen gut, da ein Großteil der Öl- und Gasvorräte von Nexen im Ausland lagert. Auch Anleger gehen offenbar vom Gelingen des Geschäfts aus: Die Nexen-Aktie legte nach Bekanntwerden der Pläne um die Hälfte zu.
CNOOC bekäme mit der Übernahme nicht nur Energielagerstätten in Kanada, der britischen Nordsee, im Golf von Mexiko und vor der Küste Nigerias, sondern auch Zugang zu wichtigem Know-how. Insbesondere im Bereich Fördertechniken haben die Chinesen Aufholbedarf. Wollen sie die Ressourcen im eigenen Land erschließen, sind diese Technologien unersetzlich.
Hinzu kommt, dass sich CNOOC auf seinem Heimatmarkt einen heftigen Wettbewerb mit anderen chinesischen Energiekonzernen liefert, allen voran Sinopec und Petrochina. Von den drei Konzernen ist CNOOC bislang der kleinste. Gelingt die Übernahme, könnte er zu Sinopec und Petrochina aufschließen. Schon seit Längerem weitet das Unternehmen seine Kapazitäten aus. 2005 übernahm es 16,7 Prozent des Ölsandentwicklers MEG Energy. Im November folgte der Kauf von Opti Canada für zwei Milliarden Dollar.
Auch CNOOCs Konkurrenten expandieren ins Ausland: Sinopec teilte vergangene Woche mit, die Nordsee-Anteile des kanadischen Talisman-Energy-Konzerns übernehmen zu wollen. Petrochina führt gemeinsam mit African Petroleum Erkundungen durch, um sich Rohstoffvorkommen zu sichern.
Die Auslandsaktivitäten chinesischer Firmen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, vor allem im Rohstoffsektor. Seit der Finanzkrise kaufen sich chinesische Firmen verstärkt weltweit ein. Dank staatlicher Dollarreserven in Billionenhöhe haben die Konzerne das nötige Kapital, das anderen Unternehmen für die Realisierung solcher Pläne zurzeit fehlt.
Die grössten Auslandsinvestments chinesischer Unternehmen (pdf)
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