12.11.2012 17:13
Bewerten
 (1)

Demografie: Sterben die Aktionäre aus?

Roland Klaus-Kolumne

Roland Klaus
In der vergangenen Woche habe ich Ihnen gezeigt, dass sich die demografische Entwicklung in den Industrieländern negativ auf die Gewinne der Unternehmen auswirken dürfte.
Doch es gibt noch einen zweiten wichtigen Aspekt, wenn es darum geht, die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Aktienmärkte einzuschätzen: Wie wirkt sich die Alterung auf die Bewertung der Aktienmärkte aus? Oder plakativer gefragt: Sterben die Aktionäre aus?

Zu dieser Frage gibt es eine interessante Untersuchung des kalifornischen Ablegers der amerikanischen Notenbank. Die FED aus San Francisco kommt zu dem Schluss: In der Vergangenheit gab es einen verblüffend engen Zusammenhang zwischen dem Kurs- Gewinn-Verhältnis von amerikanischen Aktien und der Entwicklung der geburtenstarken Jahrgänge. Je mehr Amerikaner sich in dem Alter von 40 bis 49 befanden, in dem die Aktienanlage verbreitet ist, desto höher war das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das amerikanische Aktien aufwiesen.

Fakt ist aber, dass die Babyboomer nun aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Damit verschiebt sich das Verhältnis deutlich zugunsten der Älteren. In der Grafik äußert sich das in einem sinkenden M/O-Ratio, der roten Linie. Darin wird die Zahl der 40-49-Jährigen („M“ wie „middle age“) zu den 60-69-Jährigen („O“ wie „old“) ins Verhältnis gesetzt. Je höher die Linie, desto mehr aktienaffine Amerikaner mittleren Alters gibt es im Verhältnis zu den Alten. Seit etwa dem Jahr 2000 fällt diese Linie jedoch und wird dies auch bis Anfang des nächsten Jahrzehnts noch tun.

Die blaue Linie stellt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des amerikanischen Aktienmarktes dar. Man erkennt auf den ersten Blick, dass beide Linien seit mehr als 50 Jahren einen hohen Gleichlauf aufweisen.

Auf dieser Basis malen die Forscher nun ein ziemlich düsteres Bild für die Zukunft. Ihre Gleichung lautet: Mehr Alte gleich niedrigeres KGV für Aktien. Konkret kommen sie zu der Prognose, dass das durchschnittliche KGV von 15 in 2010 auf nur noch 8,3 in 2025 sinken könnte. Bei gleichbleibenden Gewinnen würde das also fast eine Halbierung der Aktienkurse bedeuten. Selbst wenn die Unternehmen es schaffen sollten, ihre Gewinne zu verdoppeln, würden die Kurse lediglich stagnieren.

Greifen wir jedoch zurück auf die Untersuchungen von Harry Dent, die ich ihnen in der vergangenen Woche gezeigt habe, so sehen wir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die realen Unternehmensgewinne der US-Wirtschaft stark steigen, eher gering ist. Ganz im Gegenteil ergeben sich aus der demografischen Entwicklung der USA und auch Europa eher sinkende Gewinnprognosen.

Zu sehen ist also, dass zwei völlig unterschiedliche Betrachtungsweisen der Aktienmärkte zu einem verblüffend einheitlichen Ergebnis kommen. Aus Sicht der Demografie steht den Aktienmärkten ein schwieriges Jahrzehnt bevor – sowohl aus Sicht der Unternehmensgewinne als auch unter dem Aspekt der Bewertungen. Von einem „Crash der Demografie“ zu sprechen, mag etwas übertrieben sein. Aber die Untersuchungen machen deutlich, dass der breite Aktienmarkt aller Voraussicht nach nicht der Zufluchtsort für den erfolgreichen Vermögensaufbau eines privaten Investors sein wird.

In meinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ zeige ich deshalb einige Möglichkeiten auf, wie man trotz der heraufziehenden demografischen Bedrohungen an den Aktienmärkten profitieren kann. Denn wie bei allen Gefahren gibt es auch entsprechende Chancen. In diesem Fall bestehen sie darin, jene Unternehmen und Branchen auszuwählen, die von der Demografie profitieren.

Roland Klaus arbeitet als freier Autor in Frankfurt/Main und ist aktiver Investor. Für den amerikanischen Finanzsender CNBC und den deutschen Nachrichtenkanal N24 berichtete er von 2004 bis 2009 von der Frankfurter Börse. Bekannt wurde er durch seine fast zehnjährige Tätigkeit als Moderator und Börsenreporter für die Telebörse auf n-tv. In seinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ entwirft er eine Analyse der Schuldenkrise und liefert Ratschläge, wie man sich auf die entstehenden Risiken einstellen kann. Sie erreichen Ihn unter www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Unterschätzte Aktienperlen
Peter Lynch wurde als Fondsmanager des Magellan Fonds zu einer Legende. Er erzielte im Zeitraum 1977 bis 1990 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,2%. Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Lynch setzte auf einfache und verständliche Geschäftsmodelle und bevorzugt dann, wenn sie für die meisten anderen Börsianer als langweilig erschienen. In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden drei Unternehmen vorgestellt, die solche unterschätzte Aktienperlen sein könnten.

Heute im Fokus

DAX tiefrot -- Deutsche-Bank-Kunden ziehen wohl Einlagen in Milliardenhöhe ab -- Chinesen wollen offenbar OSRAM übernehmen -- QUALCOMM will NXP kaufen

Zerschlagung von Wells Fargo gefordert. Tesla: Autopilot schuldlos an Unfall auf deutscher Autobahn. Monopolkommission erwartet lange Prüfung von Bayers Monsanto-Kauf. Fed-Chefin: Ankauf von Aktien und Bonds könnte bei Abschwung helfen. va-Q-tec schlägt Aktien in der Mitte der Preisspanne los.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Lohnt sich die Rente
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Umfrage

Kanzlerin Merkel will der Deutschen Bank im Streit mit der US-Justiz nicht helfen. Was halten Sie von dieser Einstellung?