von Sven Parplies, Euro am Sonntag
Wohin nur mit dem Geld? Allein die DAX-Konzerne haben im ersten Halbjahr netto mehr als 30 Milliarden Euro verdient. Aktienmarktexperten erwarten, dass überschüssige Reserven in den kommenden Monaten nicht nur in Dividenden und Übernahmen investiert werden, sondern nach langer Zeit auch wieder verstärkt in Aktienrückkäufe.
„Die Zeit ist reif“, urteilt die Schweizer Investmentbank UBS. Die starke Umsatz- und Gewinnentwicklung sowie Forschritte beim Schuldenabbau versetzten eine immer größer werdende Gruppe von Unternehmen in die Lage, eigene Aktien zu kaufen. Bereits bis Ende Juli waren laut Berechnung des Datendienstes Dealogic europaweit Rückkäufe mit einem Volumen von rund 22 Milliarden Euro angekündigt worden – fast siebenmal so viel wie im selben Zeitraum des Vorjahres.
Das spektakulärste Programm in Europa kommt bislang von Nestlé. Zehn Milliarden Franken will der Nahrungsmittelgigant allein 2010 für eigene Aktien ausgeben, der französische Handelskonzern Carrefour hat eine Investition von 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Unter den DAX-Konzernen sticht die Munich Re mit einem Zielvolumen von einer Milliarde Euro hervor.
Meist werden bei Rückkäufen die Aktien eingezogen und vernichtet. Dadurch wird das Angebot verknappt. Wichtige Bewertungskennziffern wie der Gewinn je Aktie werden attraktiver und sollen die verbliebenen Papiere für Investoren anziehender machen. Anders als bei Dividenden, bei denen Investoren auf eine kontinuierliche Entwicklung über viele Jahren vertrauen, sind Rückkäufe meist zeitlich begrenzt.
In Deutschland waren Konzerne bei Rückkäufen im europäischen Vergleich meist eher zurückhaltend. Selbst in der Boomphase des Jahres 2007, als das Rückkaufvolumen in Europa einen Rekordwert erreichte, waren nur acht Unternehmen aus dem deutschen Leitindex aktiv.
Wenige DAX-Konzerne sind auch jetzt aktiv: Im August hat die Deutsche Telekom mit Rückkäufen begonnen. Bis Ende des Jahres wollen die Bonner 400 Millionen Euro investieren. Das dürfte – je nach Kurswert – etwa einem Prozent des Grundkapitals entsprechen. Zu den besonders aktiven Rückkäufern zählt die Munich Re. Seit November 2006 haben die Münchner für rund fünf Milliarden Euro eigene Aktien gekauft.
Viele Konzerne hatten mit der Eskalation der Finanzkrise ihre Rückkaufprogramme gestoppt, um Schulden abzubauen und Barreserven zu halten. So auch BASF. Der Chemiekonzern hatte von 1999 bis 2008 fast 30 Prozent seiner ausstehenden Aktien eingesammelt. Rückkäufe gehören aber weiter zu den „Prioritäten der Kapitalverwendung“, heißt es aus dem Konzern.

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Die Deutsche Börse hatte ihre Rückkäufe nach Aufwendungen von 1,9 Milliarden Euro ebenfalls im Jahr 2008 auslaufen lassen. Ähnlich ist die Situation bei Siemens. Die Münchner hatten 2007 angekündigt, sie wollten bis zu zehn Milliarden Euro in Rückkäufe investieren. Tatsächlich umgesetzt wurden nur vier Milliarden. Das Programm läuft Ende des Monats aus. Eine Fortführung sei „derzeit nicht geplant“.
Die Deutsche Bank hat von 2002 bis Mai 2010 insgesamt 246 Millionen eigene Aktien im Wert von 15,8 Milliarden Euro gekauft, einen Teil davon allerdings als Vergütung an Mitarbeiter übertragen.
Neue Programme traut die UBS unter anderem dem Pharmakonzern AstraZeneca zu. Die Briten haben ihr Rückkaufprogramm gerade von einer auf zwei Milliarden Euro aufgestockt.
Angesichts der starken Cashentwicklung des Konzerns hält die UBS eine weitere Aufstockung auf drei Milliarden Euro für das laufende Jahr und weitere drei Milliarden im kommenden Jahr für möglich. GlaxoSmithKline, Unilever und ABB seien finanziell ebenfalls so gut aufgestellt, dass sie im kommenden Jahr größere Rückkaufprogramme starten könnten. Das wiederum dürfte den Aktien der entsprechenden Unternehmen neue Kursfantasie eröffnen.