von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag
Kurz nach dem SHW-Börsenstart am 7. Juli vergangenen Jahres eskalierte die Euroschuldenkrise, an den Märkten gerieten die Kurse massiv unter Druck. Auch die Aktie des Parkettneulings kam kräftig unter die Räder. „Wir hatten mit dem 7. Juli gerade noch das letzte Fenster für einen Börsengang im Jahr 2011 erwischt“, glaubt Vorstandschef Wolfgang Krause.
Sicherheit habe ihm in dieser Zeit gegeben, sagt Krause rückblickend, dass sich frühzeitig eine stabile Aktionärsstruktur aus überwiegend langfristig orientierten institutionellen Investoren gebildet habe. „Außerdem hatten wir Vertrauen in die seit Jahren positive Entwicklung unseres Unternehmens.“ Diesen Schwung habe man ins Jahr 2012
hinüberretten können. Seitdem
geht es mit SHW an der Börse steil bergauf.
Potenzial längst nicht ausgereizt
Analysten wie Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe glauben, dass das Potenzial des wenig bekannten schwäbischen Herstellers noch längst nicht ausgereizt ist. „SHW stellt Pumpen und Motorenkomponenten her, die Kraftstoffverbrauch, Energiekosten und Kohlenstoffdioxidemissionen deutlich senken, was gerade bei hohen Benzinpreisen immer wichtiger wird“, sagt Ludwig. Zu den Hauptkunden zählen heute schon BMW, Volkswagen, Daimler. Die eben bestätigten Prognosen für das laufende Geschäftsjahr (365 bis 390 Millionen Euro Umsatz nach 360 Millionen im Vorjahr) hält Ludwig für untertrieben.
Wurzeln bis ins Jahr 1365
Gegenüber €uro am Sonntag kündigte Vorstandschef Krause jetzt nicht nur weitere mögliche Zukäufe im Volumen von 50 bis 100 Millionen Euro sowie die Expanison in Wachstumsmärkte wie China und Indien an. Erstmals deutete der Vorstand auch an, dass man bereit sei, sich vom zweiten, kleineren Unternehmensbereich, der Bremsscheibensparte, zu trennen, wenn sich die Ertragsqualität nicht bessere. „Bei Pumpen und Komponenten ist die Vorsteuermarge nahezu zweistellig, bei Bremsscheiben lag sie im ersten Quartal bei 2,7 Prozent“, sagt Finanzchef Oliver Albrecht. „Wir versuchen die Marge gerade durch Investitionen und einen verbesserten Produktmix zu steigern. Gelingt es nicht, mittelfristig wieder auf sechs Prozent zu kommen, ist eine Trennung von dieser Sparte ein Option.“
Der heutige SHW-Konzern ging aus der 1921 gegründeten Schwäbischen Hüttenwerke GmbH hervor, deren Wurzeln in der Erzverhüttung bis ins Jahr 1365 zurückreichen.
Schwerpunkt beim Börsengang seien institutionelle Anleger gewesen, erläutert Krause. Die eigenen Renditeziele — 25 Prozent auf das eingesetzte Kapital — werde man dieses Jahr schaffen. Im ersten Quartal lag SHW bei 28,3 Prozent — das ist ein branchenweiter Topwert. Der Hauptversammlung am Dienstag wird eine Dividende von einem Euro vorgeschlagen. Das entspricht einer Dividendenrendite von knapp vier Prozent und einer Ausschüttungsquote von 34 Prozent. Grundsätzlich wolle man auch künftig 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns ausschütten.
Konkurrent folgt an die Börse
Gemessen an Umsatz, Anzahl freier Aktionäre und Marktkapitalisierung, gehört SHW zum Kreis der Indexaufstiegskandidaten. „Unser Ziel ist es, eines Tages in den SDAX aufgenommen zu werden“, sagt Albrecht. Mit Interesse habe man registriert, dass gerade die Rheinmetall-Sparte Kolbenschmidt Pierburg (KSPG) ebenfalls an die Börse will. „KSPG ist unser Hauptwettbewerber im Bereich Ölpumpen. Wir haben dort einen Marktanteil in Europa von 25 bis 30 Prozent, KSPG liegt mit 20 bis 25 Prozent etwas hinter uns. Wir sehen den KSPG-Börsengang auch als Bestätigung unserer eigenen Börsenstory.“
Investor-Info
Die Aktie
Immer noch günstig
Seit Jahresbeginn sprang die Aktie von 18 auf fast 30 Euro, dabei ist sie mit einem KGV von sieben noch immer günstig. Analysten haben ihre Kursziele auf 35 bis 40 Euro angehoben. Der SHW-Umsatz
soll 2012 über dem Branchentrend auf 365 bis 390 (Vorjahr: 360) Millionen Euro wachsen, der Gewinn prozentual noch stärker. Die Firma profitiert von hohen Benzinpreisen und sieht angesichts sprudelnder Aufträge sein Wachstum auf Jahre gesichert.
WKN: A1JBPV
Kursziel: 38,00 Euro
Stopp: 24,50 Euro
Bildquellen: Keystone