27.06.2013 15:22
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Schiedsgericht verurteilt Gazprom zu Kompensationszahlung an RWE

   Von Hendrik Varnholt

   Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE kann russisches Erdgas künftig zu günstigeren Konditionen beziehen. Nach dem Urteil eines Schiedsgerichts muss der russische Gasmonopolist Gazprom dem deutschen Versorger zudem eine Kompensation für Zahlungen seit Mai 2010 gewähren. RWE hatte das Gericht im Streit um die Bindung des Gaspreises an den Ölpreis angerufen.

   Wie der Konzern mitteilte, haben die Richter mit dem nun zugestellten Urteil "die Preisklausel des Vertrags auch unter Einführung einer Gasmarktindexierung umgestellt". Die Konditionen dürften sich damit stärker als bislang an dem jüngst stark gesunkenen Spotpreis für Gas orientieren.

   Wie RWE weiter mitteilte, prüft der DAX-Konzern "derzeit im Detail den Schiedsspruch und den Einfluss auf die Prognose für das Gesamtjahr". Über die finanziellen Auswirkungen der Entscheidung will das Unternehmen "kurzfristig informieren".

   RWE hatte im Geschäft mit russischem Gas zuletzt drauflegen müssen. Angesichts der Konditionen zahle der Versorger mehr als er seinen Kunden berechnen könne, berichtete das Unternehmen noch im Frühjahr. Die Rahmenbedingungen im internationalen Gashandel nämlich haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert: Auf dem Spotmarkt sinken die Preise, weil weiterentwickelte Fördermethoden bislang nicht erreichbare Gasvorräte an die Oberfläche bringen. Das sogenannte Fracking sorgt etwa dafür, dass die USA immer weniger Gas importieren müssen.

   Die Verträge, die europäische Versorger einst mit dem einzigen russischen Gasexporteur Gazprom schlossen, aber sehen wenig Flexibilität vor: Wenn der Ölpreis steigt, steigt nach den teils über Jahrzehnte laufenden Vereinbarungen auch der Gaspreis. Wie einige seiner Konkurrenten hat RWE das ändern wollen. Der Konzern vereinbarte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr etwa mit seinen Lieferanten Statoil aus Norwegen und GasTerra aus Dänemark günstigere Konditionen.

   Gazprom allerdings zeigte sich zunächst nicht bereit, auf die Forderungen einzugehen. Auch RWE wollte offenbar nicht von den eigenen Zielen abrücken. Dabei ist der Kontrakt mit Gazprom der größte Gasliefervertrag im Portfolio des Konzerns. Der Ausgang der Verhandlungen mit dem russischen Riesen werde "erhebliche Auswirkungen auf unsere Ertragslage" haben, schrieb RWE im Geschäftsbericht über das Jahr 2012.

   Der Versorger rief schließlich das Schiedsgericht an. Parallel liefen aber weiter Verhandlungen. RWE-Vorstandschef Peter Terium sagte schon im Mai ein Ende des Streits noch im ersten Halbjahr voraus. Wenn sich RWE und Gazprom nicht einigten, werde das Schiedsgericht entscheiden. Dazu ist es nun gekommen.

   Der RWE-Konkurrent E.ON hatte es nicht so weit kommen lassen: Der größte deutsche Energiekonzern einigte sich mit Gazprom schon im Juli des vergangenen Jahres auf veränderte Konditionen. Zu Beginn dieser Woche zeigte E.ON dem russischen Monopolisten Gazprom gleichwohl, dass er auf dem Weltmarkt nicht allein ist. Der Versorger vereinbarte mit dem kanadischen Unternehmen Pieridae Energy, voraussichtlich vom Jahr 2020 an kanadisches Gas im Wert von jährlich mehreren Milliarden Euro zu importieren. Das Gas soll verflüssigt und dann nach Europa verschifft werden.

   Die Einigung mit Gazprom hatte das E.ON-Ergebnis im vergangenen Jahr um rund 1 Milliarde Euro verbessert. Konkurrent RWE gab die eigene Prognose für das Jahr 2013 schon unter der Annahme ab, dass in dem Streit über russisches Gas ein für das Unternehmen positives Ergebnis zu erzielen ist. Der Versorger rechnete für das Gesamtjahr zuletzt dennoch mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses auf rund 5,9 Milliarden Euro, nach 6,42 Milliarden Euro im Jahr 2012. Ein Grund dafür sind die Folgen der Energiewende in Deutschland.

   Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

   DJG/hev/brb

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   June 27, 2013 08:52 ET (12:52 GMT)

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