05.11.2012 07:11
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Schleppende IWF-Reform erzürnt Schwellenländer

   Von Susann Kreutzmann

   MEXIKO-STADT--Beim G20-Finanzministertreffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt droht die seit Jahren geforderte Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) erneut in den Hintergrund zu geraten. Sie soll aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien mehr Macht in dem Fonds geben. Der Gipfel in Mexiko-Stadt ist noch nicht einmal richtig in Fahrt gekommen, aber schon am Sonntag zeichnete sich ab, dass Europäer und Amerikaner Themen wie die Euro-Krise für dringlicher halten.

   "Wir sind tief besorgt über die schleppende Umsetzung der Reform", betonte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega im Vorfeld der Gespräche. Auch das deutsche Finanzministerium glaubt nicht daran, dass es in den nächsten Tagen einen entscheidenden Fortschritt geben wird.

   Im Jahr 2010 hatten sich die G20-Staaten darauf geeinigt, Schwellenländern entsprechend ihrem steigenden Einfluss auf die Weltwirtschaft künftig mehr Mitsprache im IWF einzuräumen. Industrieländer sollen in dem Fonds rund 6 Prozentpunkte ihres Stimmengewichts an große aufstrebende Volkswirtschaften abgeben. Zudem sollen die Europäer auf zwei ihrer acht Sitze im IWF-Führungsgremium verzichten.

   Aber bis heute bleibt die Quoten- und Strukturreform ein Versprechen: Erst 70 Prozent der Mitglieder haben das Abkommen unterzeichnet. 85 Prozent müssten es aber sein, damit das Vorhaben in Kraft treten kann. Viele Staaten - darunter auch Deutschland - haben es auch ratifiziert. Aber vor allem die USA blockieren. Sie haben das Reformpapier bislang nicht einmal unterzeichnet, und Beobachter sagen, das dürfte sich auch nach der Präsidentschaftswahl kaum ändern.

   Frustriert über die Hängepartie setzte Mexiko als Ausrichter des diesjährigen Gipfels das Thema erneut auf die Tagesordnung. Das Land will Druck machen und vorankommen bei der Quotenneuregelung. Ein Durchbruch aber gilt als unwahrscheinlich: "Die Mexikaner versuchen einen kleinen Fortschritt zu erreichen, aber eine endgültige Entscheidung wird es nicht geben", sagte ein Delegationsmitglied am Rande des Treffens. Auch das deutsche Finanzministerium erwartet lediglich eine Diskussion über die IWF-Reform, aber keine Einigung.

   Ein weiteres heikles Thema bei den G20-Finanzministern in Mexiko-Stadt werden die Hilfszahlungen an Griechenland sein. Die Schwellenländer fragen zunehmend, ob es tatsächlich Aufgabe des IWF sein soll, Dauerhelfer in der seit mehr als vier Jahren schwelenden Euro-Krise zu sein.

   Denn die Misere in Griechenland schwächt auch andernorts die Konjunktur. Vor allem in Brasilien wurde das Wachstum ausgebremst. 2010 katapultierte noch ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent das Land auf Platz sieben der weltweit größten Volkswirtschaften. 2012 dagegen dürfte der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit weniger als 2 Prozent enttäuschend ausfallen. Auch für China ist die Dekade des gigantischen Wachstums vorbei. In diesem Jahr soll das Wirtschaftswachstum unter die magische Acht-Prozent-Marke fallen. Allein Gastgeber Mexiko konnte der weltweiten Krise bislang einigermaßen trotzen. In diesem Jahr soll das mexikanische BIP um 3,6 Prozent steigen nach 3,9 Prozent im Vorjahr.

   Die Euro-Retter sollen endlich liefern, finden viele Schwellenländer. Schon beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der G20-Länder im mexikanischen Los Cabos im Juni hatten die Europäer zügige Rettungspläne für taumelnde Länder des gemeinsamen Währungsraumes versprochen. Ein Zeitplan für die Bildung einer Bankenunion wurde vereinbart und der permanente Rettungsschirm ESM in Gang gesetzt. Aus Sicht der Schwellenländer ist das aber viel zu wenig. Sie sehen in der Euro-Dauerkrise die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft.

   Kontakt zur Autorin: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/WSJ/chg

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

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   November 05, 2012 00:41 ET (05:41 GMT)

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