von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag
Euro am Sonntag: Herr Selent, im ersten Quartal hat Fuchs Petrolub, trotz höherer Rohstoffkosten beim Betriebsergebnis ein Plus von 7,6 Prozent auf 72,5 Millionen geschafft. Rohstoffkosten machen etwa 50 Prozent des Umsatzes aus. Wie viel Spielraum bleibt für Preiserhöhungen?
Alexander Selent: Die Preise bei Rohstoffen sind deutlich gestiegen und bleiben auf hohem Niveau. Die Abschwächung des Euro zum Dollar erhöht die Kosten zusätzlich. Wir sind deshalb dabei unsere Preise weltweit anzupassen.
Werden die Preiserhöhungen schwieriger durchzusetzen sein, als die bisherigen Anpassungen?
Nein. Wir haben die Preise 2012 noch nicht erhöht und haben es im vergangenen Jahr nur im zweiten und dritten Quartal getan. Auch damals hatten sich die Rohstoffe schnell verteuert. Das ist eine transparente Entwicklung, die unsere Kunden nachvollziehen können. Die Preise für Basisöle sind zum Beispiel zweistellig gestiegen.
Werden Sie die Preise entsprechend, also etwa um 20 bis 30 Prozent, erhöhen?
Die Größenordnung ist zu hoch gegriffen. Es ist schwierig, eine Pauschalangabe zu machen, da das Produktportfolio heterogen ist.
Wie stark spüren Ihre europäischen Kunden die Euro-Schuldenkrise?
Das Bild ist geteilt. In Osteuropa, mit den Schwerpunkten Polen, Ukraine und Russland ist die Nachfrage weiter stark. Gleiches gilt für den deutschen Inlandsmarkt. In Spanien, Italien, aber auch in Frankreich ist die Nachfrage jedoch seit April schwächer.
Den höchsten Umsatzanteil macht Fuchs in der Automobilbranche. Können Sie die Schwächen im europäischen Automarkt durch die Stärke der deutschen Hersteller überkompensieren?
Ja. Der deutsche Automarkt zeigt sich noch in guter Verfassung. Etwa 80 Prozent der in Deutschland produzierten Autos werden exportiert, 60 Prozent bleiben in Europa. Über alle Kundensegmente hatten wir im ersten Quartal elf Prozent Wachstum. Für das Gesamtjahr gehen wir deshalb davon aus, dass wir das durchschnittliche Tempo der vergangenen Jahre, fünf Prozent jährliches Umsatzwachstum, halten werden.
Ist die Lage in den nächstgrößeren Kundensparten Maschinenbau und Stahl ähnlich gut wie im Autosektor?
Bisher ja. Insgesamt ist der Auftragsbestand bei Kunden aus dem Maschinenbau und aus dem Stahlsektor weiter hoch. Allerdings waren die Zuwächse zuletzt verhalten, vor allem in den südlichen Ländern der Euro-Zone.
Wie weit sind die Überlegungen bei Fuchs in Bezug auf ein Zerbrechen des Euro?
Wir können nur mit Szenarien und Wahrscheinlichkeiten arbeiten, obwohl wir dem Euro gegenüber positiv eingestellt sind. Generell sind wir jedoch der Meinung, dass der Konzern für ein mögliches Scheitern der Gemeinschaftswährung gut gerüstet ist. Fuchs Petrolub ist schuldenfrei, hat 67 Prozent Eigenkapitalquote, eine hohe Profitabilität, ausreichend Cash-Reserven und eine geringe Anlageintensität, der Anteil des Betriebskapitals am Umsatz ist also gering. Dazu kommt, dass wir in unserem globalen Netzwerk jeweils lokal mit produzierenden, einkaufenden und verkaufenden Einheiten stark präsent sind.
Nordamerika bringt etwa 17 des Umsatzes, dennoch ist Fuchs Petrolubs Anteil am US-Schmierstoffmarkt gering. Wie kommt Fuchs in den USA voran?
Die zweistelligen, hohen Wachstumsraten aus dem vergangenen Jahr haben sich bisheute fortgesetzt. Aktuell kommen wir dort insgesamt auf einen niedrigen Marktanteil. Amerika und China sind die beiden größten Schmierstoffmärkte weltweit. Es gibt also noch ausreichend Potenzial für Zuwächse.
Zudem dürfte der US-Markt auch bei Wachstum durch Zukäufe viel bieten?
Weil sich Fuchs auf profitable Nischen in Branchen und bei Produkten fokussiert, liegt das Potenzial bei Zukäufen für uns vor allem in den reifen Märkten, wie eben in den USA. Allerdings sind die Mehrheit der potenziellen Ziele Unternehmen inFamilienbesitz. Übernahmen lassen sich deshalb schwer planen oder voraussagen.
Wie groß sind die potenziellen Ziele?
Der Umsatz der Unternehmen liegt zwischen 20 und 50 Millionen Euro. Gemessen an der Stärke unserer Bilanz könnten wir allerdings wesentlich größere Übernahmen stemmen.
Fuchs-Petrolub-Vorstandschef Stefan Fuchs sagte vor kurzem, dass Finanzinvestoren wieder verstärkt auf Einkaufstour sind.
Weil Finanzinvestoren davon ausgehen, dass sich Kaufpreise über die starken Mittelzuflüsse, also die Cashflows, der Schmierstoffspezialisten relativ schnell refinanzieren lassen, sind sie wieder bereit Preise zu bezahlen, die aus unser Erfahrung oftmals zu hoch sind.
Ein üblicher Maßstab für Preise bei Firmenübernahmen ist das Vielfache des Umsatzes. Wo liegt aus Ihrer Sicht das Limit für einen guten Preis?
Das hängt natürlich vom Einzelfall ab. Bei mehr als dem 1,5-fachen des Umsatzes dürfte es nach unserer Erfahrung schwer werden, den Preis mit den gewünschten Margen zu refinanzieren.
Wird Fuchs in absehbarer Zeit eher die Präsenz in seinen drei größten Segmenten Automobil, Maschinenbau und Stahl stärken, oder weiter differenzieren?
Wir sind als größter konzernunabhängiger Schmierstoffhersteller schon heute im fast jedem Industriesegment vertreten. Bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz liegt unser Marktanteil über alle Branchen allerdings bei nur zwei Prozent. Platz für Wachstum in alle Richtungen ist also ausreichend vorhanden.
Aktuell kommen 57 Prozent des Fuchs Petrolub Umsatzes aus Europa, während im globalen Schmierstoffmarkt der Raum Asien-Pazifik den größten Anteil einnimmt. Ist das ein Handicap?
Nein. Wir haben den Anteil unseres Asiengeschäfts während der vergangenen zehn Jahre von 15 auf 25 Prozent ausgebaut. Wir gehen davon aus, dass es bei den bisherigen zweistelligen jährlichen Wachstumsraten bleiben wird. Allerdings wachsen wir in den Schwellenländern, und das gilt auch für Asien, nicht über Zukäufe sondern aus eigener Kraft.
Warum?
Weil die Märkte für Nischenprodukte und damit auch die entsprechenden Firmen in aufstrebenden Volkswirtschaften noch wenig präsent sind.
Fuchs Petrolubs Eigenkapitalrendite liegt seit Jahren über 30 Prozent, die Eigenkapitalquote bei 67 Prozent. Damit hat Fuchs im Vergleich zur Konkurrenz ein Luxus-Problem.
Und ein wertvolles Gut. Die hohe Eigenkapitalquote ist in den aktuell sehr volatilen Zeiten wichtig. Im Interesse einer kontinuierlichen Dividendenpolitik halten wir es außerdem bis auf weiteres für zweckmäßig auf Fremdkapital zu verzichten. Die Unabhängigkeit von Banken ist gerade in diesen Zeiten äußerst wichtig.
Wäre der Kauf des Joint-Venture-Anteils der saudi-arabischen Alhamrani Group, zwei Drittel, der auf 400 bis 600 Millionen Dollar geschätzt wird, eine Option für eine rentable Investition?
Bisher liegt uns kein Angebot der Alhamrani Group vor. Deshalb kann ich dazu nichts sagen.
Bei einer Ausschüttungsquote von 38 Prozent sehen Sie Fuchs „auf Augenhöhe mit DAX-Konzernen“ sagten Sie einmal. Viel Spielraum für eine höhere Ausschüttung gibt es dann wohl nicht?
Doch. Die Ausschüttungsquote ist lediglich eine Orientierung. Unser Ziel ist eine kontinuierlich aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Wir sind seit 25 Jahren an der Börse und haben jedes Jahr Dividende gezahlt. Im Durchschnitt haben wir die Dividenden in diesem Zeitraum jährlich um zehn Prozent erhöht.
In Bezug auf Aktienrückkäufe die sich Fuchs Petrolub dank einer starken Bilanz leisten könnte, bleiben sie jedoch skeptisch?
Wir haben uns dieses Instrument von den Aktionären zwar genehmigen lassen. Weil durch Aktienrückkäufe der Anteil der frei handelbaren Aktien, der freefloat verringert wird, werden wir das Instrument nur unter besonderen Umständen einsetzen.
Fuchs Petrolub gehört zu den erfolgreichsten Firmen im MDAX. Ist der Aufstieg in den DAX ein Thema?
Wegen der verschiedenen Wertpapiere, Stamm- und Vorzugsaktien ist der Weg dahin sehr lang. Es gibt für uns keinen Anlass die Struktur der Anteilscheine zu ändern. Der mögliche DAX-Aufstieg ist deshalb bestenfalls ein sehr langfristiges Szenario.
Die Aktie
Investment für Börsenfüchse
Während der 25-jährigen Börsenhistorie hat Fuchs Petrolub die Dividende im Schnitt jährlich um zehn Prozent gesteigert. Die Aktie ist eines der besten Langfristinvestments im MDAX. Die Profitabilität ist mit mehr als 30 Prozent Eigenkapitalrendite hoch. Mit sieben Prozent Umsatzwachstum auf 1,78 Milliarden Euro Umsatz und gut neun Prozent Plus beim Nettogewinn auf 200 Millionen Euro erwarten Analysten für 2012 erneut Rekordzahlen.