von der Redaktion Euro am Sonntag
Wenn die „Bild“-Zeitung Anlagetipps gibt, sollten Börsianer besser Vorsicht walten lassen. Als mahnendes Beispiel gilt die Zeit des Neuen Marktes. Kurz vor dem Platzen der Hightech-Blase im Jahr 2000 standen im Springer-Flaggschiff beinahe täglich Aktienempfehlungen. Jetzt bläst „Bild“ wieder zum Einstieg. Diesmal allerdings in eine hochspekulative Anleihe aus Griechenland: „Das irre Zocker-Papier der Eurokrise“, titelt das Boulevardblatt und geht mit gutem Zockerbeispiel voran. Ins „Bild“-Depot aufgenommen wurden gleich zwei heiße Griechenland-Anleihen – ein Kurzläufer mit Fälligkeit im März 2012 und ein Bond mit Laufzeit bis Mai 2013. Bleibt zu hoffen, dass die Zockerei am Ende gut ausgeht, denn mögliche Gewinne will „Bild“ spenden.
AWD-Gründer Carsten Maschmeyer schlägt schon wieder zu. Nachdem sich Maschmeyer bereits an den Marseille-Kliniken und GCI Industries beteiligt hatte, stieg er nun über sein Family Office Paladin mit über fünf Prozent bei der Firma AEG Power Solutions ein, deren Muttergesellschaft 3W Power an der Börse gelistet ist. Der Spezialist für Leistungselektronik stellt unter anderem Stromwandler und Industrieladegeräte her und setzt etwa 400 Millionen Euro im Jahr um. Maschmeyer überzeugte nach unseren Informationen das Management von AEG Power, welches sich nach seiner Einschätzung durch eine harte Restrukturierung in einer schwierigeren Marktphase bewiesen habe. Zudem sei die Aktie im Zuge der negativen Solarmeldungen zu Unrecht abgestraft worden. Das operative Geschäft entwickle sich nach wie vor positiv. Rund soll es auch bei den Mifa-Fahrradwerken laufen, bei denen sich Maschmeyer ebenfalls eingekauft hat. Branchenkenner rechnen dort mit einem sehr guten Auftragsbestand, speziell im Bereich Elektrofahrräder.
Apropos Elektrobikes: Auch beim Cloppenburger Fahrradhersteller Derby Cycle brummt das Geschäft. Das abgelaufene Geschäftsjahr 2010/11 (30. September) schloss die Firma mit einem Rekordumsatz von 235 Millionen Euro (36 Prozent über Vorjahr) ab. Auch beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte der Fahrradspezialist mit einem Anstieg von über zwölf Prozent auf fast 20 Millionen Euro neue Höchstwerte erreichen.

Hier gehts zum aktuellen Heft
Im laufenden Jahr soll sich der operative Aufschwung nahtlos fortsetzen. Finanzvorstand Uwe Bögershausen gab im Gespräch mit unserer Redaktion eine Prognose von bis zu 270 Millionen Euro Umsatz und eine Ebit-Marge von sieben bis acht Prozent als erste operative Zielmarken aus. Derby Cycle ist mittlerweile zu 92 Prozent im Besitz der niederländischen Pon Holding, die sich darüber hinaus über Optionen den indirekten Zugriff auf weitere fünf Prozent der Anteile von Derby Cycle-Chef Mathias Seidler gesichert hat. Im Umlauf sind demnach noch knapp 2,5 Prozent der Aktien. Eine Zwangsabfindung der freien Aktionäre per Squeeze-out ist durchaus wahrscheinlich, womöglich gibt es dann auch einen preislichen Aufschlag. Allerdings ist für eine solche Spekulation Geduld erforderlich.
Bildquellen: Julian Mezger