28.11.2012 08:24
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Haniel will Beteiligungen an METRO und Celesio senken

Schuldentilgung geplant
Stephan Gemkow, der neue Chef des Familienkonzerns Haniel, macht Ernst mit dem Schuldenabbau: Die Duisburger wollen Anteile an ihren beiden wichtigsten Beteiligungen Metro und Celesio verkaufen.
Zusammen mit der geplanten Veräußerung weiterer Randaktivitäten wie etwa Immobilien im Volumen von rund 150 Millionen Euro soll die Verschuldung "deutlich" unter zwei Milliarden Euro gesenkt werden. Derzeit drücken Haniel Verbindlichkeiten von 2,4 Milliarden Euro.

   Bei den Anteilsverkäufen von Metro und Celesio handelt es sich zunächst nur um kleinere Anteile. Beide Unternehmenbeteiligungen sollen weiter Ankerinvestitionen bei Haniel bleiben. Haniel sei vom Wertpotenzial beider Unternehmen überzeugt, sagte Gemkow. Der Konzern werde weiterhin einen wesentlichen strategischen Einfluss auf beide Unternehmen haben und seine Interessen auch zukünftig verfolgen. Die anderen Geschäftsbereiche CWS-boco, ELG und der Büroversender Takkt seien dagegen nicht Teil des Maßnahmenkataloges.

   Zunächst ist der Pharmahändler Celesio an der Reihe: Hier will Haniel in einem beschleunigten Bookbuilding 7,9 Millionen Aktien bei institutionellen Anlegern platzieren. Damit würde der Anteil an den Stuttgartern von derzeit 54,64 Prozent auf 50,01 Prozent sinken - eine symbolisch wichtige Schwelle. Das Paket hätte zu aktuellen Kursen einen Wert von knapp 100 Millionen Euro. Danach hat Haniel eine Haltepflicht von sechs Monaten vereinbart, innerhalb der sie keine weiteren Aktien verkaufen wird. "Mit Blick auf das gegenwärtig stabile Marktumfeld sowie die Attraktivität des Investments sind wir zuversichtlich, die Celesio-Aktien sehr gut platzieren zu können", sagte Gemkow. Ein Celesio-Sprecher erklärte, für das Unternehmen ändere sich nichts. Haniel bleibe ein wichtiger Ankerinvestor.

   In den kommenden 18 Monaten sollen zudem 4,24 Prozent an dem Handelskonzern Metro veräußert werden, wodurch die Beteiligung auf 30,01 Prozent sinken würde. Im Angebot wären demnach rund 13,7 Millionen Aktien, die aktuell mehr als 300 Millionen Euro wert sind. Metro wollte sich dazu nicht äußern. Haniel bleibt auch hier weiter größter Einzelaktionär. Derzeit sind die Stimmrechte des Ruhrkonzerns zusammen mit denen der Familie Schmidt-Ruthenbeck gepoolt.

   "Für Haniel ist dies ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur bereits angekündigten deutlichen Reduktion der Nettofinanzschulden auf Holdingebene", erläuterte Gemkow. Bereits zu seinem Amtsantritt hatte er deutlich gemacht, dass die Schuldentilgung zu seinen wichtigsten Prioritäten gehöre.

   Der frühere Chef Jürgen Kluge hatte bereits die Abhängigkeit von Metro und Celesio reduzieren und in neue, wachstumsträchtige Geschäftsfelder investieren wollen. Mit einer Verschuldung von 2,4 Milliarden Euro kann Haniel sich jedoch nicht bewegen. Um handlungsfähig zu werden, müsste die Verschuldung in der Holding unter zwei Milliarden Euro liegen, hatte er bei seinem Abschied im Mai gesagt.

   Über einen Verkauf von Anteilen an Celesio und Metro wird bereits seit Jahren immer wieder spekuliert. Haniel hatte zuletzt nicht viel Freude an ihren wichtigsten Beteiligungen. Managementquerelen und falsche strategische Entscheidungen haben bei beiden Unternehmen für sinkende Gewinne und erodierende Aktienkurse gesorgt. Für Haniel ein doppeltes Problem: Zum einen gingen die Ergebnisbeiträge und die Dividenden zurück, zum anderen sank der Wert ihres Portfolios so erheblich, dass Ratingagenturen die Bonität Haniels zurückstuften. Die Aktien haben in den vergangenen Jahren erheblich an Wert verloren: So lag der Aktienkurs bei Celesio zu Hochzeiten bei mehr als 55 Euro, bei Metro lag der Kurs in seinen besten Zeiten bei 127 Euro.

   Beide Unternehmen befinden sich nach einem Chefwechsel aktuell in einem tiefgreifenden Umbau: Celesio-Chef Markus Pinger konzentriert den Stuttgarter Konzern wieder auf das Kerngeschäft Pharmahandel und Apotheken, Randbeteiligungen wurden mit Verlust verkauft. Die von Pinger eingeleitete Restrukturierung bei Celesio soll den Abwärtstrend beim Ergebnis stoppen. Einschnitte im öffentlichen Gesundheitswesen und mehrfache Abschreibungen belasteten den Konzern seit Jahren. Das Kerngeschäft wurde zudem über die von seinem Vorgänger Fritz Oesterle vorangetriebene Expansion in neue Geschäftsfelder vernachlässigt.

   Auch der Handelskonzern Metro sollte unter seinem zu Jahresbeginn angetretenen Chef Olaf Koch neu durchstarten: Er wollte den Konzern wieder auf nachhaltiges Wachstum trimmen, mit den Geschäftslinien Cash&Carry und Media Saturn als Kerngeschäft. Bislang ist das Konzept jedoch nicht wirklich vorangekommen. Schuld daran ist auch die europäische Schuldenkrise. Die Konsumflaute verdirbt das Geschäft. Bei Metro wartet Haniel zudem schon seit längerem auf den noch von Koch-Vorgänger Eckhard Cordes angekündigten Verkauf von Kaufhof oder Real, der schon längst Geld in die Kasse der Duisburger hätte spülen sollen. Bei Real könnte es womöglich noch bis Jahresende eine Entscheidung geben: Dann will Koch erklären, ob Real als Ganzes oder in Teilen verkauft wird oder im Konzern verbleibt. Am Auslandsgeschäft soll der französische Einzelhandelskonzern Auchan interessiert sein.

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