18.05.2013 12:00

Senden
SCHWELENDE SCHULDENKRISE

DAX: Sorgen um Europa bremsen die Rekordfahrt


Die Rekordjagd des DAX könnte in den kommenden Monaten ins Stocken kommen. Experten sehen nur noch wenig Luft nach oben.

Ende des Jahres rechnen die 14 von dpa-AFX befragten Experten beim deutschen Leitindex mit einem Stand von 8.550 Punkten. Damit sehen die Analysten nach der jüngsten Rally nur noch wenig Luft nach oben. Vor allem die weiter schwelende Schuldenkrise in der Eurozone dürfte auf die Stimmung drücken. Dem steht vor allem die anhaltende Geldflut der Notenbanken gegenüber. "Die geldpolitische Happy Hour geht weiter - und wird die Anleger weiter an die Aktienbörse treiben, weil sich dort das Geld im Vergleich zu Zinsvermögen noch gewinnbringend anlegen lässt", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank.

    Zudem stehen die meisten deutschen Unternehmen glänzend da und sind daher nach Einschätzung vieler Experten trotz der Kursgewinne noch nicht überbewertet. Halver hatte wie einige andere der befragten Experten sein Kursziel für den Dax im Laufe dieses Jahres angehoben und damit der überraschend guten Stimmung am Aktienmarkt Rechnung getragen. Halver sieht den Leitindex Ende des Jahres bei 8.800 Punkten. Positiv sei, dass der geldpolitische Zuckerrausch die Märkte nicht mehr alleine treibt: "In den USA und in den Schwellenländer stehen die Zeichen auf wirtschaftliche Erholung, davon profitiert auch die deutsche Exportindustrie."

    Gleichwohl könne von Euphorie am Aktienmarkt derzeit keine Rede sein, ergänzte Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Stimmungsumfragen zeigten vielmehr ein gehöriges Maß an gesunder Skepsis. Die Anleger müssten sich erst an Indexstände oberhalb der Marke von 8.000 Punkten gewöhnen. In diese Regionen war der Dax zuvor lediglich in den Jahren 2000 und 2007 vorgestoßen. Beide Male stürzte er aber jäh ab. Anfang des vergangenen Jahrzehnts platzte die Dotcom-Blase und beim zweiten Mal stoppte die heraufziehende Finanzkrise den Höhenflug.

    Doch die Situation von damals sei nicht mit der aktuellen Lage vergleichbar, sind sich die befragten Experten einig. "Viele Marktteilnehmer sehen die Aktienmärkte bei Dividendenrenditen von gut drei Prozent in Deutschland und etwa vier Prozent in Europa eben als einen der wenigen Märkte an, die nicht überbewertet sind", sagte DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Das liege insbesondere daran, dass die Gewinne der Unternehmen trotz des herausfordernden konjunkturellen Umfeldes angestiegen seien.

    Kritiker halten dem entgegen, dass die Unternehmensgewinne in Zukunft durchaus sinken könnten. "Die Bereinigung der globalen Finanzkrise kostet Wachstum", sagte etwa Analyst Manfred Jaisfeld von der National-Bank. Auch Halver warnt: "In Europa ist die politische Eurokrise noch nicht vorbei. In einigen angeschlagenen Ländern wie Italien lassen die Reformbemühungen nach. Und Staaten wie Frankreich kommen wirtschaftlich nicht in Fahrt." Beides könnte die Märkte belasten.

    Weitere Risiken, die aber schwerer zu greifen seien, liegen dem LBBW-Experten Burkert zufolge in politischen Entwicklungen vor allem im Nahen Osten. Sollte sich der syrische Bürgerkrieg zu einem regionalen Konflikt mit Rückwirkungen auf die Ölversorgung auswachsen, so wäre der Bereich prognostizierbarer Dax-Stände verlassen. Aktuell jedoch überwiegt bei den befragten Experten der Optimismus. Selbst der größte Skeptiker, Chefvolkswirt Jürgen Pfister von der BayernLB, liegt mit seiner Prognose eines Dax-Endstandes von 7.900 Punkten noch knapp vier Prozent über dem Schlusskurs des Leitindex Ende 2012./hossb/la/fat/zb

    --- Von Sarah Bruder und Lutz Alexander, dpa-AFX ---

Übersicht über Dax-Ziele Ende 2013 in Punkten

^ DWS 9.000 MB Fund Advisory 9.000 Baader Bank 8.800 HSBC Global Asset Management 8.800 NordLB 8.775   Bremer Landesbank 8.700 DekaBank 8.600 M.M. Warburg 8.550 Commerzbank 8.500 Landesbank Baden-Württemberg 8.500 National-Bank 8.500 Landesbank Hessen-Thüringen 8.200 Unicredit 8.000 BayernLB 7.900°

(dpa-AFX)

Bildquellen: Andrey Burmakin / Shutterstock.com

Weitere Links:

Kommentare zu diesem Artikel

seppvideo schrieb:
20.05.2013 05:56:28

tja...alles sicher berechtigt und wahr...aber wer will das schon hören...gerade jetzt wo alles so schön läuft - bis zum crash, dumm gelaufen...

jessica.blecheimer@e schrieb:
18.05.2013 14:59:28

der syrische bürgerkrieg ist schon zum regionalen konflikt mutiert, mann darf nicht vergessen das der konflikt sich mitlerweile über zwei jahre hinzieht und somit langsam eine rückwirkung auf die ölversorgung auswächst.

Kommentar hinzufügen

ANZEIGE

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

ANZEIGE

Die 5 beliebtesten Top-Rankings






Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig hat mit einer Forderung nach einer Sonderabgabe für Straßen für Aufsehen gesorgt.
Wenn so endlich die deutschen Straßen und Brücken saniert werden, wäre eine solche Abgabe zu unterstützen.
Die Regierung sollte endlich lernen, mit den bestehenden Einnahmen auszukommen.
Eine solche Abgabe berücksichtig weder den Umfang der Straßennutzung noch die finanzielle Situation des einzelnen Autofahrers und wäre deshalb ungerecht.
Abstimmen