22.11.2012 12:09
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Siemens liefert zu spät: Bahn hat für den Winter zu wenig Züge

Siemens-Lieferung verzögert
Siemens bekommt die technischen Probleme beim Bau der neuen ICE-Züge für die Deutsche Bahn nicht in den Griff.
Eigentlich sollten die ersten der bereits bezahlten Züge schon seit Monaten von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen unterwegs sein. Nun ist auch der neue Termin geplatzt: Die Übergabe werde sich über Anfang Dezember hinaus verzögern. Einen konkreten Termin gibt es nicht - die Bahn ist verärgert.

   Als Ursache nannte der Münchener DAX-Konzern nun Probleme mit der Zugsteuerung, die in den vergangenen Wochen bei Testfahrten aufgetreten seien. Bei der Bahn könnte das in den kommenden Monaten zu Problemen im Zugverkehr führen.

   Mit Beginn des Winterfahrplans am 9. Dezember gibt es keine ausreichende Reserve, wenn sich einer der ICE-Züge mal nicht als besonders winterfest erweist. Zudem ist die Verfügbarkeit der Züge generell eher knapp, da die Züge nach dem Achsenbruch eines ICE im Jahr 2008 häufiger zur Kontrolle in die Werkstatt müssen. Den Kunden könnten in einem strengen Winter deshalb erneut Verspätungen und Zugausfälle drohen.

   Entsprechend geknickt reagierte ein Bahn-Sprecher auf die Siemens-Mitteilung: "Wir sind enttäuscht und verärgert, dass wir unseren Kunden durch die erneute Lieferverzögerung von Siemens wieder keine ausreichende Fahrzeugreserve in diesem Winter bieten können", sagte der Sprecher.

   Zu möglichen Auswirkungen auf den Winterfahrplan oder zur Frage möglicher Schadenersatzforderungen wollte sich der Sprecher jedoch nicht äußern. Er stellte für Donnerstag eine ausführliche Stellungnahme der Bahn zu diesem Thema in Aussicht.

   Erste Gerüchte über die Lieferschwierigkeiten bei Siemens machten bereits im Juni vergangenen Jahres die Runde. In der Presse war schon damals von einer Verzögerung von zwei Jahren zu lesen. Dies könne die Bahn-Pläne gefährden, ab 2013 direkte ICE-Verbindungen nach London anzubieten, hieß es. Die Bahn und Siemens dementierten, zunächst. Monate später musste Siemens dann doch eingestehen, die ursprüngliche Frist nicht einhalten zu können. Zuletzt wurde noch beteuert, bis zum Winterfahrplan stünden bis zu acht voll einsatzfähige Züge zur Verfügung.

   Zu Jahresbeginn 2012 verhandelte der Münchener Konzern mit der Deutschen Bahn auch über einen Ausgleich für die Verzögerungen. Im Gespräch war die kostenlose Lieferung eines weiteren Zuges als Entschädigung oder eine Barentschädigung.

   In den Büchern von Siemens haben die Probleme beim ICE-3 bereits Spuren hinterlassen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 hatte Siemens wegen den Verzögerungen bereits knapp 70 Millionen Euro als Belastung gebucht. Ob wegen der neuerlichen Verzögerung weitere Belastungen anstehen, konnte ein Siemens-Sprecher auf Anfrage nicht sagen.

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