31.01.2013 16:41
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Deutsche Bank will nach Milliardenverlust Kernkapitalquote erhöhen

Skandale und Konzernumbau
Das kam nicht nur für Analysten überraschend: Deutschlands größtes Bankhaus hat das vierte Quartal mit einem milliardenschweren Verlust beendet. Die Aktie hält sich im Plus.
Das neue Deutsche Bank-Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen zieht die Reißleine. Die vielen Skandale und juristischen Baustellen sowie der Konzernumbau drücken die Bank tief ins Minus. Die beiden seit Mitte 2012 amtierenden Nachfolger von Josef Ackermann bewerteten die Risiken aus den Rechtsstreitigkeiten um eine Milliarde Euro höher als zuletzt. Zudem belastete der Abbau von Risiken das Ergebnis mit 1,9 Milliarden Euro. Alles in allem führte das im vierten Quartal unter dem Strich zu einem Verlust von fast 2,2 Milliarden Euro und damit deutlich mehr als Experten erwartet hatten.

     "Dies ist die umfassendste Umgestaltung der Deutschen Bank in der jüngeren Zeit", sagten Fitschen und Jain am Donnerstag in Frankfurt. Die beiden Manager, die seit Jahren im Haus sind, kämpfen verzweifelt gegen die Schatten der Vergangenheit. Sie haben dem Institut, das weltweit zu den aggressivsten Investmentbanken der Welt zählt, einen tiefgreifenden Kulturwandel verordnet. Dieser drückt sich zum Beispiel in deutlich niedrigeren Boni für Händler und Investmentbanker aus. Die Aktie legte zum Handelsstart um mehr als zwei Prozent zu. Investoren honorierten offenbar, dass Jain und Fitschen reinen Tisch machen wollen. Zudem wird die solide Kapitalausstattung gelobt. Aktuell lässt der Anteilsschein die Tageshöchstkurse aber derzeit bereits hinter sich

 KEINE DETAILS ZU JURISTISCHEN BAUSTELLEN - UNVERÄNDERTE DIVIDENDE

   Die Bank nannte keine Details zu den juristischen Auseinandersetzungen, sondern sprach nur von "Aufwendungen für signifikante Rechtsstreitigkeiten". Diese beliefen sich auf eine Milliarde Euro im vierten Quartal. Damit erhöhte sich der Puffer für mögliche Strafzahlungen auf 1,8 Milliarden Euro. Der deutsche Branchenprimus kämpft an vielen Fronten: Im Skandal um Manipulationen des Referenzzinses Libor ist das letzte Wort zur Rolle der Deutschen Bank nicht gesprochen. Noch läuft eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin. Konkurrenten wie die UBS zahlten in dem Fall ein Milliardenbußgeld.

    Im Prozess um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns dürfen sich die Erben des Medienunternehmers nach einem Urteil des Oberlandesgericht (OLG) München vom Dezember Hoffnung auf Schadenersatz in mindestens dreistelliger Millionenhöhe machen. Allerdings rechnen Beobachter damit, dass der Dauerstreit erneut vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landen wird.

    Trotz des dicken Minus im vierten Quartal erzielte die Bank im Gesamtjahr 2012 noch einen Gewinn. Dieser brach jedoch unter dem Strich um 85 Prozent auf 611 Millionen Euro ein. Neben Rechtsstreitigkeiten und den Abschreibungen belastete der Stellenabbau das Ergebnis. Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie ausschütten. Jain zeigte sich zudem erneut zuversichtlich, die erhöhten Kapitalanforderungen der Aufsichtsbehörden aus eigener Kraft erfüllen zu können. 

OPERATIVES GESCHÄFT LÄUFT HALBWEGS RUND

    Beim Blick auf das laufende Jahr blieb Jain zurückhaltend, immerhin sei die Lage besser als noch vor kurzem zu erwarten. Ungeachtet des immensen Verlustes lief das operative Geschäft auch zum Jahresende halbwegs rund. Die Erträge im Kerngeschäft legten im vierten Quartal um acht Prozent auf 7,9 Milliarden Euro zu. Zudem konnte die Bank die Risikovorsorge zurückfahren. Die anderen Kosten stiegen jedoch wegen des Stellenabbaus deutlich, so dass auch der bereinigte Gewinn vor Steuern um ein Fünftel auf 978 Millionen Euro zurückging.

     Das Führungsduo hatte im September das Ziel ausgegeben, die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro zu drücken. 2.000 Stellen fallen weg. Das Management stimmte auf weitere Stellenstreichungen ein, ohne Zahlen zu nennen. Auch das Thema Boni steht auf dem Prüfstand. Am Donnerstag teilte die Bank mit, die variable Vergütung für das Jahr 2012 habe sich auf einen Anteil von neun Prozent an den Erträgen verringert - "das niedrigste Niveau seit vielen Jahren". Zudem müssen nach Informationen aus Betriebsratskreisen 12.000 bis 15.000 außertarifliche Mitarbeiter in Deutschland auf Gehaltssteigerungen verzichten.

Nach Vorlage der Bilanz erklärte Co-Chef Anshu Jain, dass bis Ende März die Kernkapitalquote auf 8,5 Prozent steigen soll. Bislang hatte sich die Deutsche Bank 8,0 Prozent als Ziel gesetzt. Das Volumen der Geschäfte mit Risiko solle jetzt um mindestens 100 Milliarden Euro abgebaut werden - das sind zehn Milliarden mehr als zuletzt angepeilt.

   "Dies erlaubt uns, die Lücke zwischen der Deutschen Bank und der durchschnittlichen Kapitalausstattung unserer Wettbewerber entscheidend zu verkleinern", sagte er. Analysten und Experten bemängeln immer wieder die vergleichsweise geringe Kapitalausstattung der größten deutschen Bank. Einige von ihnen rechen damit, dass das Institut neue Aktien ausgeben muss, um die neuen Vorgaben zu erfüllen. Die Bank selbst hatte immer wieder betont, dies ohne Kapitalerhöhung schaffen zu wollen.

FRANKFURT (dpa-AFX)

Systemrelevant: Die 28 gefährlichsten Banken

 

Platz 28: Wells Fargo

Die Hypothekenzahlen boomen. Ein Vorteil für die Großbank Wells Fargo. In diesem Ranking der gefährlichsten Banken belegt das amerikanische Unternehmen den letzten Platz. Dennoch kann die Bank großen Einfluss auf die Weltwirschaft nehmen.

Quelle: Financial Stability Board/FSB Bild: Wells Fargo

Bildquellen: Deutsche Bank AG

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