FRANKFURT (Dow Jones)--Wenn es um die wichtigste Nebensache der Welt geht, dann wird auch schon mal eine Kapitalerhöhung an der Börse mit steigenden Kursen honoriert. So zu beobachten bei der Aktie des Bezahlsenders Sky Deutschland. Die legt am Vormittag gegen 10.50 Uhr um fast 7 Prozent zu auf 2,37 Euro, nachdem das Unternehmen im Zuge eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens mit der Platzierung von rund 71 Millionen Aktien bzw. 10 Prozent seines Grundkapitals einen Bruttoerlös von rund 155 Millionen Euro erzielt hat. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um fast 70 Prozent regelrecht explodiert.
Wofür das Geld in erster Linie bestimmt ist, liegt auf der Hand. Gerade erst hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Medienrechte für die kommenden vier Jahre ausgeschrieben und der Markt setzt nun darauf, dass Sky mit der jüngsten Kapitalspritze dabei erfolgreich zum Zug kommen wird. "Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung kann Sky mitspielen bei den Bundesligarechten", kommentiert ein Händler. Die Entscheidung über die Rechtevergabe soll am 2. April feststehen.
Auch Analysten sehen Sky als eingesessenen Bezahlsender in der Favoritenrolle gegen Mitbieter wie beispielsweise die Deutsche Telekom. Sky sei als solider Marktführer unter den Bezahlfernsehanbietern gut auf die Auktion vorbereitet und habe gute Aussichten, so die DZ Bank, die die Aktie mit einem Kursziel von 3,60 Euro zum Kauf empfiehlt.
Nach Einschätzung der UBS kommen die Ausschreibungsmodalitäten für die Übertragungsrechte Sky zugute. Wie erwartet seien die Rechte auf die drei Verbreitungsarten Kabel und Satellit, IPTV und Web- und Mobile-TV aufgeteilt. Wichtig sei, dass jeder Bieter für alle Rechte auf einer Plattform bieten können aber auch für spezielle Anstoßzeiten quer über alle Plattformen. Denkbar sei auch ein Gebot für sämtliche Rechte, wobei hierfür wohl nur Sky in Frage kommen dürfte angesichts seiner Kundenbasis von zwei Millionen Abonnenten.
Günstig für Sky werten die Experten auch, dass die DFL nach diversen weiteren Kriterien frei über die Zuteilung entscheiden könne, sofern sich die Gebote nicht um mehr als 20 Prozent voneinander unterscheiden. Die DFL dürfte zudem vor allem bestrebt sein, eine Situation wie 2006 mit Unitymedia zu vermeiden - als die Rechte nach kurzer Zeit weitergegeben wurden - und mit Sky weiter zusammenarbeiten wollen. Die UBS rechnet mit einem Gebot von 303 Millionen Euro pro Jahr, verglichen mit zuletzt 275 Millionen Euro.
Kurzfristig dürfte die Aktie zwar einen positiven Impuls erfahren, eine Neubewertung werde es aber erst im April geben, wenn die Rechtevergabe klar sei, so die UBS. Die Analysten stufen die Aktie als Kauf ein und nennen als Kursziel 4,25 Euro.
Der Geldsegen wird am Markt aber nicht uneingeschränkt positiv gesehen, denn er birgt auch die Gefahr, dass Sky zu viel für die Rechte bietet, zumal das Unternehmen extrem abhängig von der Übertragung der Fußball-Bundesliga ist, um seine Kundenbasis zu erhalten bzw. auszubauen. Sollte Sky die Rechte nicht erwerben, seien daher auch stärkere Kursverluste in der Aktie zu befürchten.
Positiv wird am Markt gesehen, dass der Großaktionär News Corp die Kapitalerhöhung mitgemacht und rund 35,3 Millionen der nun angebotenen Aktien übernommen hat. Damit hält News Corp über die Tochter News Adelaide Holdings weiter 49,9 Prozent an Sky. Der Sender selbst bezeichnet die Kapitalerhöhung als Teil eines Finanzierungspakets, mit dem das weitere Wachstum gestützt werden soll. So sollen bis September 2012 insgesamt 300 Millionen Euro aufgenommen werden. Das hatte Sky bereits Anfang Februar angekündigt.
News Corp, der auch Dow Jones und damit diese Nachrichtenagentur gehört, ist an Sky Deutschland derzeit mit 49,9% beteiligt.
DJG/gos/kko
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February 10, 2012 05:05 ET (10:05 GMT)
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