23.01.2013 11:00
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Solargeschäft brennt Milliardenloch in Bosch-Bilanz

Solareinstieg als Albtraum
Für den Technologieriesen Bosch entpuppt sich der Einstieg in die krisengeschüttelte Solarbranche als finanzieller Alptraum.
Die von 2008 an teuer aufgebaute Sparte für die Sonnenenergie brachte dem weltgrößten Autozulieferer allein im abgelaufenen Jahr gut eine Milliarde Euro Verlust, wie Bosch-Chef Volkmar Denner zu den am Mittwoch in Stuttgart vorgelegten Zahlen sagte. Das in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin generell unter Druck stehende gesamte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Denner kündigte eisernes Sparen an.

 Er sagte: "2013 wird für uns ein hartes Jahr der Kosten- und Prozessarbeit." Erste entscheidende Schritte habe Bosch mit den Vertretern der Arbeitnehmerschaft schon im Dezember abgestimmt. Dazu zählten Regeln für eine flexiblere Reduzierung von Arbeitszeit und Einkommen im Falle spürbarer Auftragseinbrüche. Der Bosch-Chef klagte: "Die Reaktionszeiten sind heute einfach zu lang." Der Konzern kündigte an, dass "die Strukturen in Europa überprüft" gehörten.

    Alle Standorte müssten daher Vorschläge zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit einbringen. Konkrete Sparvorgaben gebe es jedoch nicht. Hintergrund ist nach Denners Worten die längere Aussicht auf allenfalls schwaches Wachstum im Kernmarkt Europa mit permanenter konjunktureller Unsicherheit. Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel sagte, er rechne für 2013 in Deutschland nicht mit einer wachsenden Bosch-Mitarbeiterzahl. Auch global sei bei der aktuell rund 306 200 Menschen umfassenden Bosch-Belegschaft nur ein leichtes Plus drin.

 Zur Zukunft des Geldfressers Solar - dem zentralen Treiber hinter der verhagelten Konzernbilanz - sagte Denner nur: "Im Moment ist es noch zu früh, über das Thema abschließend zu sprechen." Bosch müsse da zunächst erst etwas "abschließen". Welche Szenarien - etwa Verkauf, Einstieg eines Partners oder gar die Schließung - infrage kämen, ließ der seit Mitte 2012 amtierende Unternehmenslenker offen.

    2012 brachte die Solartochter neben einem operativen Verlust von etwa 450 Millionen Euro abermals ungeplante Sonderabschreibungen von rund 600 Millionen Euro. 2011 hatten die Schwaben 560 Millionen und 2009 schon 425 Millionen Euro abgeschrieben. Rein buchhalterisch maß Bosch seiner Solarsparte Ende 2012 keinen ideellen Geschäftswert mehr zu, wie Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer einräumte. Absehbar traut Bosch dem Geschäftsmodell daher laut Bilanz kein Potenzial zu.

Europas Solarbranche kämpft seit längerem mit Billigkonkurrenz aus Fernost. Ruinöser Preisverfall prägt den Markt - laut Bosch gab es in den zwei vergangenen Jahren jeweils 40 Prozent Minus. Die zugehörigen Fixkosten wie für Personal, Einkauf oder Herstellungprozesse seien bei weitem nicht im selben Maße beweglich. Siemens hatte angesichts ähnlicher Probleme sein Solargeschäft vor kurzem komplett aufgegeben. Bosch hatte sein Erfurter Solarwerk zum Jahresende 2012 dichtgemacht.

 Manager Denner glaubt aber unabhängig von dem Milliardenverlust im eigenen Haus an die langfristigen Möglichkeiten der Sonnenkraft: "Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass die Energieerzeugung aus Licht für die Menschheit von enormer Bedeutung sein wird." Bosch steht damit vor der Kardinalfrage, wie das Wissen rund um die Technik im Konzern gehalten werden kann, gleichzeitig aber die anhaltende Geldvernichtung und die damit verbundene Querfinanzierung endet.

   Details zu den noch ungeprüften und damit vorläufigen Zahlen will Bosch im Frühling präsentieren. Dann wird auch der Gewinn unter dem Strich mitgeteilt. Das Sorgenkind Solar ändert nichts daran, dass Bosch als solide durchfinanziert gilt. Etwa 12 Milliarden Euro lägen auf der hohen Kante, sagte Asenkerschbaumer. Und Denner bekräftigte, dass Deutschlands Patentrekordler nicht bei Forschung und Entwicklung (F&E) geize: 4,5 Milliarden Euro für 2012 entsprechen sieben Prozent plus.

    STUTTGART (dpa-AFX)

Solarpleiten: Diese Unternehmen haben die Krise nicht überlebt:

 

Platz 11: Solon

Solon wurde 1996 gegründet und galt schnell als Berlins Vorzeigefirma. Ende 2011 dann das Ende: Die Aktie stürzte massiv ab, als der Konzern Insolvenz anmeldete. Im März wurde der Konzern durch den indischen Konkurrenten Microsol übernommen.

Bildquellen: Bosch

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