Skeptiker der Solarenergie beobachten schon seit mehreren Monaten mit Kopfschütteln, dass Chinas Konzerne ihre Fertigungskapazitäten ausweiten, obwohl die Nachfrage auf dem wichtigsten Absatzmarkt Europa aufgrund von Subventionskürzungen zuletzt zurückgegangen ist. Der Meldung von "DigiTimes" zufolge könnte sich dieser Expansionskurs allerdings auch als strategischer Vorteil erweisen.
Die Kapazitätserweiterungen der großen chinesischen Solarkonzerne, die von der chinesischen Regierung großzügig mit Darlehen unterstützt werden, sollen weitgehend nach Plan verlaufen. Da die Preise für Solarprodukte sinken, rechnen die großen chinesischen Unternehmen damit, dass die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte ansteigen wird.
Mit dem Preisrückgang rücke auch die Netzparität immer schneller in Reichweite. Das bedeutet, dass die eigene Erzeugung von Solarstrom genauso teuer ist, wie der Strom vom Versorger. Wenn die Netzparität erst einmal erreicht ist, dürfte das große Geschäft vor allem mit Masse gemacht werden. Die Firmen mit den größten Kapazitäten dürften auch das größte Wachstumspotenzial aufweisen. Unter diesen Voraussetzungen werden Chinas Solarkonzerne voraussichtlich einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.
Die Aktien der chinesischen Solarkonzerne legten gestern nach dieser Meldung zu: An der Spitze stand Canadian Solar mit einem Plus von 3,2 Prozent, gefolgt von Suntech Power (+ 3,0 Prozent), Trina Solar (+ 2,7 Prozent), JinkoSolar (+ 2,1 Prozent), Yingli Green Energy (+ 1,5 Prozent), LDK Solar (+ 1,5 Prozent) und JA Solar (+ 1,1 Prozent).
Auch heute notieren die meisten Werte im Plus.
Auch vom Heimatmarkt gibt es Neuigkeiten. Deutschlands außerplanmäßige Senkung der Solarförderung ist vom Tisch. Zudem ist der Preis für den Rohstoff Silizium auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen.
Weil der Zubau in der ersten Jahreshälfte nicht so hoch ausgefallen ist, wie erwartet, verzichtet die schwarz-gelbe Regierung auf die angekündigte Kürzung der Solarförderung im Juli. In einem Interview mit der Financial Times Deutschlad sagte die parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche, dass bislang nur 700 Megawatt installiert worden seien.
Hochgerechnet auf das Jahr ergibt sich daraus ein Ausbau von 2800 Megawatt. Die Solarförderung sollte erst dann gekappt werden, wenn der Zubau die Marke von 3500 Megawatt pro Jahr überstiegen hätte. Fachleute kritisieren allerdings die Entscheidung der Bundesregierung, die Kürzung auszusetzen und weisen darauf hin, dass die Zahl der Neuinstallationen derzeit wieder anzieht.
Die Solarbranche dürfte auch entlasten, dass der Preis für den Rohstoff Silizium im zweiten Quartal auf dem Spotmarkt um mehr als 33 Prozent gefallen ist, nachdem die Nachfrage in Europa gesunken ist. Derzeit wird für ein Kilogramm Silizium bei sofortiger Lieferung im Schnitt 50 bis 53 US-Dollar gezahlt. Davon profitieren dürften allerdings nur Solarkonzerne wie JinkoSolar oder Trina Solar die Silizium auch am Spotmarkt kaufen.
Bildquellen: Solarworld AG