aktualisiert: 12.06.2013 18:58
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RWE: Und plötzlich ist der Stecker raus

Sorgen der Versorger
Wegen der dauerhaft niedrigen Großhandelspreise für Strom drohen dem Energieriesen RWE zweistellige Gewinnrückgänge. Auch die Dividende wackelt.
€uro am Sonntag

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Stoische Miene, der oberste Sanierer des RWE-Konzerns bleibt cool. Von seinem Ärger lässt ­Peter Terium nichts nach außen dringen. Der geplante milliardenschwere Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea verzögert sich erheblich.

Die Nachricht, dass der zweitgrößte deutsche Energieversorger damit beim Umbau des Unternehmens auf eine wohl schon eingeplante Summe verzichten muss, packte Terium im Quartalsbericht in einen schlichten Satz: „Mit einer Transaktion im laufenden Jahr rechnen wir nicht.“ Der Unternehmenswert der RWE-Tochter, die Terium vor einigen Monaten ins Schaufenster stellte, wird auf fünf Milliarden Euro taxiert.

Ökostrom kostet Nerven
Lediglich Finanzchef Bernhard Günther ließ zur Verschiebung des Dea-Verkaufs auf das nächste Jahr in einer Telefonkonferenz Dampf ab. RWE sei in einer schwierigen Lage. Die Großhandelspreise für Strom fallen weiter, während sich die Auslastung der Gas- und Kohlekraftwerke durch die höhere Einspeisung von Ökostrom verschlechtert. Mit 40 Euro pro Megawatt ist Strom im Großhandel so günstig wie vor acht Jahren.

Ein Ende des Preisverfalls ist nicht in Sicht. Der Strommarkt in Deutschland werde mindestens für die nächsten fünf Jahre durch erhebliche Überkapazitäten geprägt sein, schätzt Lawson Steel, Branchenexperte der Berenberg Bank. Immerhin hat RWE die Stromproduktion für 2013 zu Preisen von durchschnittlich 53 Euro pro Megawatt vollständig verkauft, schätzt Steel. Für das nächste Jahr seien demnach 70 Prozent weg — zu lediglich 52 Euro. Für 2015 bekam die RWE für ihre vorab auf dem Spotmarkt verkauften 40 Prozent nur 49 Euro pro Megawatt.

Doch wer weiß, wie sich die Preise auf dem Spotmarkt noch entwickeln. Sinken sie weiter, könnten die bisherigen Abschlüsse für RWE noch Gold wert sein. Ähnlich wie es das Arsenal von Kohlekraftwerken ist. Die Meiler, die der Umwelt nicht unbedingt guttun, produzieren auch wegen der extrem niedrigen Preise für CO2-Emissionsrechte güns­tiger als Gaskraftwerke. Die Nummer 2 steht damit besser da als Branchen­primus Eon, der stark auf Gaskraftwerke gesetzt hat.

RWE bestätigte seine Jahresprognose. 2013 sind neun Milliarden Euro operativer Gewinn angepeilt, im Vorjahr waren es noch 9,3 Milliarden Euro. Klar ist jedoch, dass das Potenzial für Gewinn­steigerungen stark begrenzt ist. 20 bis 30 Prozent der Anlagen liefern jetzt schon im laufenden Betrieb keine positiven Mittelzuflüsse — sie verbrennen also Geld. RWE nimmt die Kraftwerke, soweit möglich, vom Netz, wenn sie die Konzernkasse belasten.

Dividende unter Druck
Zwar erwarten die meisten Analysten, dass die Strompreise langfristig wieder steigen, doch es gibt auch andere Meinungen. Billiger Strom für die Industrie werde den Nettogewinn von RWE in den kommenden zwei Jahren jährlich um mehr als 20 Prozent verringern, sagt ­Berenberg-Mann Steel.

Ein solches Szenario birgt Risiken für Anleger. Denn das Management hat wenig Möglichkeiten, sich noch stärker gegen Gewinnrückgänge wegen sinkender Preise abzusichern. Bis 2015 will der Konzern zwar eine Milliarde Euro sparen. Hier liegt der Versorger aber schon im Plan. Zudem will Terium die Verschuldung vom 3,7-Fachen auf das Dreifache des operativen Gewinns drücken.

Das Finanzpolster des Energieversorgers ist bislang komfortabel: 3,1 Milliarden Euro Cash, lange Zeiträume für die Rückzahlung der Verbindlichkeiten, guter Zugang zum Anleihemarkt. Der Berenberg-Analyst erwartet gleichwohl für 2014 und 2015, dass die Dividende um jeweils mehr als 30 Prozent gekürzt wird. Kleiner Lichtblick: Für 2013 dürfte die Gewinnausschüttung demnach noch sicher sein. Beim heutigen Kurs würde die Dividendenrendite für 2014 und 2015 von sieben auf fünf und vier Prozent sinken. Rückschläge wie die Verzögerung beim Verkauf der Tochter Dea erhöhen das Risiko, dass das Management tatsächlich an die Dividenden ran muss. 

Bildquellen: rwe
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