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08.06.2012 20:19

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Spanien bittet trotz internationalem Druck nicht um Hilfe


   FRANKFURT/MADRID (Dow Jones)--Die Angst vor einem Übergreifen der spanischen Bankenkrise auf andere Länder des Euroraums oder sogar andere Wirtschaftsräume hat zu einer paradoxen Situation geführt: Alle wollen dass Spanien geholfen wird, aber Spanien will sich nicht helfen lassen. Vor dem Wochenende ist der Druck auf die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums noch mal gestiegen.

   Worum es geht: Spaniens Banken leiden unter einer Rezession und dem anhaltenden Rückgang der Immobilienpreise. Immer mehr Kredite werden notleidend, immer höher wird der Kapitalbedarf der Banken. Wie hoch genau er ist, das weiß man noch nicht. Sicher scheint aber, das Spanien diese Last nicht alleine stemmen kann, denn schon jetzt zahlt das Land für zehnjährige Kredite mehr als 6 Prozent Zinsen. Zudem hat die Ratingagentur Fitch eben erst die Bonitätsnoten des Landes um drei Schritte gesenkt.

   Um die Ermittelung des genauen Mittelbedarfs der Kreditinstitute bemühen sich derzeit zwei Expertenteams. Eines arbeitet für den Internationalen Währungsfonds und will seine Ergebnisse am Montag präsentieren. Das andere unter Beteiligung von Roland Berger wurde von der EU-Kommission angeheuert und soll bis 21. Juni liefern. Schätzungen liegen zwischen 37 und 60 Milliarden Euro.

   Bevor genauere Ergebnisse vorliegen, das hat die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria klar gemacht, wird Spanien nicht um Hilfe der europäischen Partner bitten. Allerdings ist die Höhe der zu leistenden Hilfe nicht der einzige noch zu klärende Punkt. Auch die Art und Weise ist noch heiß umstritten. So wäre es Spanien selbst am liebsten, der im Juli an den Start gehende Euro-Rettungsfonds ESM würde die Hilfen direkt an die Banken zahlen.

   Das aber wollen einige Geberländer, vor allem Deutschland, nicht. Sie wollen in Verhandlungen über die Hilfskonditionen nur mit dem spanischen Staat reden. Spanien dagegen möchte sich vom Makel eines Hilfsempfängers am liebsten völlig frei halten und spielt auf Zeit. Das macht andere, schwache Länder wegen der sich andeutenden Ansteckungseffekte - höhere Anleiherenditen - nervös.

   So forderte der Portugiese Vitor Constancio, seines Zeichens Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), die spanische Regierung dazu auf, die Finanzmärkte endlich durch entschlossenes Handeln zu beruhigen. "Die Diskussionen (zwischen EU und Spanien) gehen weiter und die spanische Regierung muss eine Entscheidung treffen", sagte der Portugiese in Lissabon. Er fügte hinzu: "Eine schnelle Antwort ist notwendig. Die Banken müssen rekapitalisiert werden, und das Problem muss schnell gelöst werden, um die Märkte zu beruhigen."

   Nach Angaben informierter Personen in Brüssel stehen Experten der Eurozone-Finanzministerien bereit, zur Not auch am Wochenende über ein spanisches Hilfsersuchen zu beraten. Offiziell wird das allerdings sowohl von europäischer als auch von spanischer Seite dementiert. So verwies Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Entscheidungshoheit Spaniens über einen Antrag auf EU-Hilfen und sagte: "Das ist bisher nicht geschehen, und deswegen wird Deutschland hier auch keinerlei Druck oder irgendetwas ausüben."

   Inzwischen wird die europäische Zögerlichkeit auch US-Präsident Barack Obama zu bunt. Es gebe "bestimmte Schritte" die Europa jetzt sofort machen können, um einer Verschlimmerung der Lage vorzubeugen, sagte Obama in Washington.

   -Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,

   Hans.Bentzien@dowjones.com

   (Gabriele Steinhauser, Beate Preuschoff, Jared A. Favole und David Roman)

   DJG/hab

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   June 08, 2012 13:48 ET (17:48 GMT)

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