05.08.2012 19:54
Bewerten
(0)

Spaniens Finanzminister sieht keinen Zeitdruck bei Hilfsantrag

   Von Jonathan House und Ilan Brat

   MADRID--Spanien steht nach Darstellung von Finanzminister Luis de Guindos zeitlich nicht unter Druck, einen Antrag auf Rettungsbeihilfe zu stellen und kann warten, bis die Details über die damit verbundenen Nebenbedingungen klar sind.

   Das Land habe rund 70 Prozent der in diesem Jahr nötigen Refinanzierung abgeschlossen, sagte de Guindos in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung ABC. Die Aussagen des Ministers bestätigen den Kursschwenk, den Regierungschef Mariano Rajoy am Freitag angedeutet hatte.

   Spanien werde warten, bis die EZB das genaue Programm zur Krisenintervention ausgearbeitet habe, das EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag angekündigt hatte, sagte de Guindos.

   "Wenn wir die Details [des Hilfsprogramms] kennen, dann haben wir auch einen genauen Ablaufplan", zitiert ihn die Zeitung. Ein Sprecher seines Ministeriums bestätigte die Aussagen. Am Freitag hatte Spaniens Ministerpräsident Rajoy die Bereitschaft erkennen lassen, für sein Land einen Hilfsantrag bei Euro-Rettungsfonds EFSF zu stellen.

   EZB-Präsident Draghi hatte am Donnerstag den Druck auf das von Rezession und hohen Zinsforderungen seiner Gläubiger geplagte Land erhöht, indem er sagte, die EZB sei bereit, ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen wieder aufzunehmen, falls eine Regierung einen entsprechenden Hilfsantrag bei einem Rettungsfonds der Eurozone stellen und sich strengen Auflagen unterwerfe.

   Die jüngsten Aussagen der beiden Kabinettsmitglieder markieren eine Kehrtwende für die konservative Regierung. Wegen der mit Rettungshilfen verbundenen harten Auflagen und aus Angst vor dem Stigma hatte Rajoy die Möglichkeit eines Rettungsantrags für Spanien bislang ausgeschlossen. Vielmehr hatte man in Madrid auf einen einseitigen Schritt der EZB gehofft, spanische Staatsanleihen zu kaufen und so den Druck der Finanzmärkte zu mildern.

   In den vergangenen Tagen hatten spanische Regierungsvertreter allerdings unter der Hand zu erkennen gegeben, dass man wohl einen Hilfsantrag stellen werde, wenn die EZB nicht von sich aus tätig werden würde. Finanziell deuten sich aktuell in Madrid zwar keine Engpässe an, doch im Oktober muss der spanische Staat in erheblichem Ausmaß Schulden ablösen. Das Land ist ferner gezwungen, seine Autonomen Regionen zu unterstützen, die zunehmend unter Liquiditätsengpässen leiden.

   Die Sorgen von Anlegern konzentrieren sich zunehmend auf die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, seit die Regierung Rajoy im Juni bei der EU einen Antrag auf bis zu 100 Milliarden Euro stellen musste, um ihre angeschlagenen Banken zu stützen.

   In dem Interview vom Sonntag kündigte Finanzminister de Guindos an, man werde ein Maßnahmenpaket für den Finanzsektor am 24. August vorlegen. Neben vielen Einzelmaßnahmen werde es dabei um die Etablierung einer Bad Bank gehen, in die die Not leidenden Kredite der Banken eingebracht werden sollen.

   Änderungen will Spanien ferner am eigenen Bankenrettungsfonds vornehmen. Auch der Verkauf komplexer Finanzprodukte solle neu geregelt werden, versprach der Minister. Die Regierung setze Reformen um, die die Europäische Union gefordert habe. Er hoffe, dass die Währungsgemeinschaft im Gegenzug alles tun werde, um die Zweifel der Finanzmärkte zu zerstreuen, so dass die Refinanzierungskosten Spaniens wieder auf ein vernünftiges Maß sänken.

   "Wenn die Maschinerie der EU funktioniert und die Zweifel über den Euro verfliegen", sagte der Minister, dann könne Spanien allein in den nächsten beiden Jahren 12 Milliarden Euro an Zinszahlungen sparen. "Wir können nicht zulassen, dass Teile der Einsparungen, die wir erzielen und die zum Teil auf erheblichen Opfern der Bürger basieren, von Zinszahlungen auf unsere Schulden aufgefressen werden", sagte de Guindos.

   Bei der traditionellen Halbjahrespressekonferenz am Freitag hatte Regierungschef Rajoy angedeutet, dass er erwäge, einen Hilfsantrag für sein Land zu stellen, wenn er mehr Informationen über das Vorhaben der EZB habe, die Finanzmärkte zu beruhigen.

   EZB-Präsident Draghi hatte am Donnerstag erklärt, man werde im Detail ausarbeiten, wie die Anleihekäufe von statten gehen sollten und in den nächsten Wochen weitere Anti-Krisen-Maßnahmen ergreifen. "Danach werden wir in Abhängigkeit von den Umständen die eine oder andere Entscheidung treffen", sagte Rajoy am Tag danach.

   Am letzten Handelstag der Woche war die Rendite auf zweijährige spanische Schulden um 0,88 Prozentpunkte auf 3,378 Prozent gefallen, kurzfristige italienische Schuldtitel rentierten nach Angaben von Tradeweb bei 3,11 Prozent und damit 0,54 Prozentpunkte niedriger als noch am Donnerstag. Das war das tiefste Niveau seit Mitte Mai für Spanien und seit Ende März für Italien.

   Bei langfristigeren Schulden waren Marktteilnehmer weniger optimistisch: Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen von Spanien lagen bei knapp unter 7 Prozent - ein Niveau, ab dem aus Sicht von Experten ein Staat beginnt, seinen Zugang zum Finanzmarkt insgesamt zu verlieren.

   Die Rally bei den Kurzläufern sollte jedoch hinreichend sein, Ängste vor einem sofortigen Verlust des Marktzugangs von Spanien und Italien zu zerstreuen. Hier waren die Renditen zuletzt stärker gestiegen als bei entsprechenden Anleihen Griechenlands, Portugals und Irlands, kurz bevor diese Länder das Handtuch warfen und Rettungsanträge stellten.

   Kontakt zu den Autoren: konjunktur.de@dowjones.com

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   DJG/WSJ/hab

   (END) Dow Jones Newswires

   August 05, 2012 13:24 ET (17:24 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 01 24 PM EDT 08-05-12

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die Top 5 der Medizin- und Pharmakonzerne mit großen Wachstumschancen!

Aktien aus dem Medizin- und Pharmabereich gehören neben den hochtechnologischen Konzernen wohl zu den schwierigsten Wertpapieren, die man an der Börse spielen kann. Die meisten Unternehmen, die auf diesem Feld unterwegs sind, bleiben über Jahre hin unprofitabel. Wir stellen im aktuellen Anlegermagazin fünf Aktien vor, bei denen große Wachstumschancen lauern könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX vorbörslich rot -- Asiens Börsen schwächer -- adidas verdoppelt Gewinnprognose -- Linde bestätigt Jahresziel -- Amazon-Gewinn bricht ein -- Credit Suisse, BNP Paribas, UBS im Fokus

Inflation in Japan stabilisiert sich auf niedrigem Niveau weiter. Siltronic steigert Gewinn deutlich - Erhöhte Prognose bekräftigt. Santander verdient wie erwartet deutlich mehr. Nemetschek bleibt beim Ergebnisausblick vorsichtig. Intel verdoppelt Gewinn - Jahresziele angehoben.

Top-Rankings

KW 29: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
KW 29: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

E-Autos: Kein Zwang zum Tesla-Kauf
Diese Tesla-Konkurrenten sind auf dem Vormarsch und billiger als der Model 3
So schnitten die DAX-Werte im ersten Halbjahr 2017 ab
Tops und Flops
BlackRock Beteiligungen
In diese Unternehmen investiert der Fondsgigant
Die reichsten Länder der EU
Das sind die reichsten Länder der EU
Jobs mit Zukunft und hohem Gehalt
Hier wird man auch künftig noch gut bezahlt
mehr Top Rankings

Umfrage

Wenn morgen Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt mit finanzen.net-Account verknüpfen

Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Amazon906866
CommerzbankCBK100
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BASFBASF11
Porsche Holding SE VzPAH003
Facebook Inc.A1JWVX
Apple Inc.865985
Nordex AGA0D655
Allianz840400
TeslaA1CX3T
BMW AG519000
BayerBAY001
E.ON SEENAG99