von W. Ehrensberger,
K. Schachinger und K. Szola, €uro am Sonntag
Der DAX steht nach Einschätzung führender Aktienstrategen vor dem Durchbrechen der psychologisch wichtigen 7.000er-Marke. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich der deutsche Leitindex diesem Niveau genähert, diese Woche fehlten zeitweise nur noch elf Zähler. Neben der EZB habe auch die „nochmals expansivere Geldpolitik in den USA und China“ Investoren ermutigt, sagt Commerzbank-Aktienstratege Andreas Hürkamp. Mangels renditestarker Alternativen setzen viele Anleger derzeit auf Aktien — und da erscheint Deutschland besonders attraktiv.
Hoffnung auf EZB stützt Kurse
Dabei haben die Konjunkturindikatoren zuletzt weltweit enttäuscht, und auch die Gewinnsaison für das zweite Quartal hier in Deutschland war nicht berauschend. „Zuletzt wurden für 17 der 30 DAX-Unternehmen die Gewinnerwartungen gekürzt“, so Hürkamp. Matthias Thiel von M.M. Warburg verweist auf mögliche Rückschläge, etwa durch die Verfassungsgerichtsentscheidung am 12. September zum Eurorettungsschirm ESM. Dennoch gebe es Faktoren, die den DAX stützen. Dazu zählt Thiel die Konjunkturdaten, die trotz Eintrübung noch nicht auf eine substanzielle Verschlechterung hindeuteten. „Zudem dürfte sich die Einschätzung durchsetzen, dass eine noch aktivere EZB die Risiken in der Eurozone etwas verringern wird. Dann könnte es sogar möglich sein, die Zinsen größerer Eurostaaten für einen begrenzten Zeitraum zu reduzieren“, so Thiel. Beide Faktoren könnten dazu beitragen, dass der DAX die 7.000 Punkte demnächst knackt.
Zuletzt notierte der DAX am 23. März knapp unter diesem Niveau. Analysten erwarten, dass die zuletzt starken Titel auch im zweiten Halbjahr zu den Favoriten gehören dürften. Erst vor wenigen Tagen hatte Bayer-Chef Marijn Dekkers die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Statt drei Prozent mehr Umsatz stellt Bayer nun ein Plus von vier bis fünf Prozent auf 39 bis 40 Milliarden Euro in Aussicht.
„Die defensiven Qualitäten des Pharmasektors werden von den Investoren weiterhin geschätzt“, sagt DZ-Bank-Aktienstratege Michael Kopmann. Im Sektor Haushaltswaren (unter anderem Henkel) sieht Kopmann sogar Potenzial für eine Erhöhung der Prognosen. „Die Unternehmen überzeugen mit einem attraktiven Gewinnwachstum.“
Peter Reichel, Leiter private Vermögensverwaltung bei der Berenberg-Bank, erwartet, dass der DAX seinen Vorsprung gegenüber anderen europäischen Aktienindizes auch in der zweiten Jahreshälfte behaupten wird. Seit Jahresbeginn hat der Index gut 18 Prozent zugelegt.
Für die DAX-Konzerne sprechen das wachsende Geschäft in Schwellenländern und die stabile Binnenkonjunktur. Die seit Jahresbeginn bessere Wertentwicklung von konjunkturresistenten Substanzwerten im DAX sollte sich gegenüber anderen Branchen fortsetzen. Stratege Reichel geht davon aus, „dass der DAX trotz leichter Gewinnmitnahmen im August und September bis Jahresende auf 7.300 Punkte zulegen wird“.
Neues Kaufsignal
Charttechnisch hat der DAX gute Chancen, bis an den Widerstandsbereich bei rund 7500 Punkten heranzulaufen. Das wird durch eine seit 2011 entstandene Dreiecksformation untermauert. Sie setzt sich aus dem Aufwärtstrend und dem horizontalen Widerstand bei 7.500 Zählern zusammen. Ein neues übergeordnetes Kaufsignal mit Kursziel 8.100 Punkte würde entstehen, wenn der Index nachhaltig aus dem Dreieck nach oben ausbricht.
Bildquellen: Julian Mezger