27.01.2013 12:00
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Deutsche Börse kocht auf Sparflamme

Sparzwang an der Börse
Deutsche Börse reagiert mit Stellenabbau auf sinkende Umsätze.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Immer schärferer Wettbewerb und wegbrechende Handels­volumina setzen die Deutsche Börse zunehmend unter Druck. Der Börsenbetreiber will deshalb am 20. Februar Details zu einem neuen Sparprogramm nennen. Nach Informationen dieser Zeitung aus Unternehmenskreisen könnte es den Abbau von einigen Hundert Stellen zur Folge haben. „Nachdem das Geschäftsjahr 2012 nicht besonders gut gelaufen ist und das Ergebnis die ­Erwartungen verfehlt hat, muss ein weiteres Effizienzsteigerungsprogramm aufgelegt werden“, heißt es in den Kreisen.

Neuauflage für Sparprogramm
Formelle Gespräche mit Aufsichtsrat und Betriebsrat habe es dazu noch nicht gegeben. Das Kontrollgremium werde sich jedoch auf ­seiner Sitzung am 19. Februar mit den Sparmaßnahmen befassen. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte diese ­Informationen nicht kommentieren. Der Börsenbetreiber hatte bereits 2010 ein Sparprogramm auf den Weg gebracht, das Einsparungen von 150 Millionen Euro bis 2013 zum Ziel hat.

Im dritten Quartal 2012 hatte die Deutsche Börse einen Gewinneinbruch vor Zinsen und Steuern um ein Viertel auf 245 Millionen Euro erlitten. Auch das Ziel, im vergangenen Jahr einen Umsatz von bis zu 2,3 Milliarden Euro zu erzielen, wurde einkassiert. Zuletzt wurden noch ­Erlöse von 1,95 Milliarden Euro prog­nostiziert. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen hat sich der Negativtrend auch im vierten Quartal unvermindert fortgesetzt. Nach vorläufigen Zahlen sind die Umsätze auf der Handelsplattform Xetra im vergangenen Jahr um fast ein Viertel zurückgegangen.

Als Gegenstrategie versucht die Börse derzeit unter anderem, neue Handelsteilnehmer beispielsweise in Asien zu gewinnen. So ist die Zertifikatebörse Scoach gerade neue Partnerschaften in China eingeganten. Wie Börsen-Aufsichtsratschef Joachim Faber am Rand des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte, würde man auch einen Erwerb der europäischen Börsen von NYSE Euronext prüfen, wenn sie im Zuge der Fusion mit der US-Derivatebörse ICE zum Verkauf angeboten würden.

Aktienkurs steigt
ICE hatte im November ein Übernahmeangebot über acht Milliarden Dollar für die New Yorker Börse NYSE Euronext vorgelegt. Dies hatte Spekulationen über weitere Zusammenschlüsse genährt, wovon offenbar auch der Aktienkurs der Deutschen Börse profitieren konnte. Zumindest hat sich seitdem der Aktienkurs deutlich positiv entwickelt. Andere Anleger spekulieren auf eine weitere Erholung der Finanzmärkte in diesem Jahr und wieder anziehende Handelsumsätze.

Dass die Deutsche Börse erneut Gegenstand eines Zusammenschlusses wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Erst Anfang 2012 hatte die EU-Kommission ihr Veto gegen den geplanten Zusammenschluss von NYSE Euronext und Deutscher Börse eingelegt, da sie eine zu starke Machtkonzentration im Derivate­handel befürchtete. Und bis die Transaktion ICE-NYSE abgeschlossen ist, wird es Jahre dauern.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum

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