von Lars Winter, €uro am Sonntag
Schnäppchenjäger, die in der jetzigen Krise Ausschau nach günstigen Depotkandidaten halten, sollten sich die Aktie des österreichischen Automobilzulieferers Polytec ganz weit oben auf die Watchlist setzen. Die Aktie ist fundamental attraktiv bewertet, obendrein läuft das operative Geschäft dank Autoboom weiter auf Hochtouren.
Im ersten Halbjahr legte der Umsatz wegen der anhaltend hohen Nachfrage aus der europäischen Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie um fast elf Prozent auf 405 Millionen Euro zu. Die Österreicher, die hauptsächlich Plastikverkleidungen für Autos und Kabinenteile für Lastwagen herstellen, konnten mit diesem Wachstum selbst optimistische Analystenschätzungen noch toppen.
Noch kräftiger bergauf ging es beim Gewinn. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verdiente die Firma mit Sitz in Hörsching bei Linz im ersten Semester gut 40 Millionen Euro und damit 141 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode 2010. Auch unter dem Strich blieb mit einem Gewinn von 1,14 Euro je Aktie zum Halbjahr noch mehr in der Kasse als im gesamten Vorjahr. Dass es bei Polytec zurzeit so blendend läuft, liegt zum einen an der positiven Branchenentwicklung. Zum anderen geht ein Großteil des jetzigen Aufschwungs aber auf Managementleistungen der Vergangenheit zurück.
Nachdem sich das Unternehmen im Jahr 2008 bei der kostspieligen Übernahme des Breisgauer Kunststoffspezialisten Peguform verhoben hatte und ein Jahr später am finanziellen Abgrund stand, gelang Firmengründer und Vorstandschef Friedrich Huemer im Vorjahr durch harte Sanierungsmaßnahmen eine beeindruckende Wende. 2010 explodierten Umsatz und Gewinn, zudem wurde die Bilanz nach und nach von Altlasten befreit. Durch den Verkauf des Segments Interior an Toyota verwandelten sich die Nettofinanzverbindlichkeiten, die 2010 noch bei fast 27 Millionen Euro lagen, in ein Guthaben von über 20 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt jetzt wieder bei beruhigenden 40 Prozent.

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Der Verkauf der margenschwachen Sparte kostet das Unternehmen künftig zwar mehr als 300 Millionen Euro Umsatz, im Gegenzug verbessert sich jedoch die Rentabilität spürbar. Schon zum Halbjahr wurde die Ebitda-Marge auf über acht Prozent fast verdoppelt.
Im Gesamtjahr will Polytec auf Wachstumskurs bleiben. Für 2011 stellte das Management jüngst einen Umsatz von rund 620 Millionen Euro in Aussicht, der Betriebsgewinn soll weiter überproportional wachsen.
Analyst Björn Voss von Warburg Research schätzt, dass Polytec 2011 einen Nettogewinn von 1,85 Euro je Aktie einfahren kann. Damit wäre die Aktie auf aktuellem Niveau mit einem KGV von unter vier ein echtes Schnäppchen. Ein Manko ist das Chartbild, das sich durch den Marktcrash deutlich eingetrübt hat. Wenn sich die Lage an den Börsen wieder beruhigt, sollten spekulative Anleger allerdings rasch zugreifen.
Polytec
Charttechnisch angeschlagen
Die Marktkorrektur macht auch vor Polytec nicht halt. Nach dem Fall unter die Marke von sieben Euro winken Kaufgelegenheiten.
Kurs aktuell: 6,34 Euro
Kursziel: 11,00 Euro
Stop-Loss: 5,50 Euro
Bildquellen: KUKA Roboter GmbH