von Lars Winter, Euro am Sonntag
Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud. Auch bei der eingeleiteten Energiewende in Deutschland gibt es Verlierer wie Eon, die unter dem angekündigten Atomausstieg leiden, und Gewinner wie 2G Bio-Energietechnik, die vom Richtungswechsel der Energiepolitik nachhaltig profitieren.
Die Firma mit Sitz im nordrhein-westfälischen Heek ist hierzulande einer der führenden Hersteller von Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen. Der Marktanteil im Bereich dieser sogenannten Blockheizkraftwerke, mit deren Hilfe gleichzeitig elektrischer Strom und Wärme erzeugt werden können, liegt bei gut 20 Prozent. Den Großteil des Umsatzes erzielt das Unternehmen im Inland, ein kleiner Rest verteilt sich auf Europa, Japan und Nordamerika.
Das Brot-und-Butter-Geschäft im Heimatmarkt ist momentan durchaus vorteilhaft, denn die Prognosen für die hiesige Stromerzeugung durch alternative Energieträger wie Blockheizkraftwerke sind nach wie vor gut. Hierzulande wird bis zum Jahr 2020 allein für Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen eine Verdoppelung des Anteils an der gesamten Stromerzeugung auf 25 Prozent erwartet. Dank der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das Anfang 2012 in Kraft treten soll, bleiben – entgegen der anfänglich befürchteten Einschnitte – selbst Förderprogramme für Biogasanlagen attraktiv und dürften deshalb den Absatz nachhaltig ankurbeln. Entsprechend optimistisch fallen die Wachstumsprognosen von Analysten für 2G aus.
Stephan Wulf von Warburg Research schätzt, dass die Firma im laufenden Jahr den Umsatz um 54 Prozent auf 142 Millionen Euro steigern wird. Bei Margen von elf Prozent soll dann unter dem Strich ein Nettogewinn von 2,33 Euro je Aktie in den Büchern stehen.
Damit wäre der Titel momentan mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter neun sehr attraktiv bewertet. Der Börsenwert von 90 Millionen Euro liegt obendrein deutlich unter dem angepeilten Jahresumsatz. Dank der geringen Nettoverschuldung ist zudem das Verhältnis von Unternehmenswert zu Betriebsgewinn (Enterprise Value/Ebitda) mit fünf günstig. Analyst Wulf hält bei dieser Bewertungsrelation eher das Neunfache für angemessen.
Im kommenden Jahr kann sich das Wachstum von 2G zwar durch Vorzieheffekte bei Biogasanlagen verlangsamen, glaubt Wulf. Entgegen seiner ursprünglichen Annahme eines Umsatzrückgangs rechnet der Experte aufgrund der verbesserten Marktbedingungen in Deutschland nun aber mit einem Erlösanstieg von über neun Prozent. Wegen der voraussichtlich steigenden Marge soll der Nettogewinn 2012 zudem überproportional auf 2,73 Euro je Aktie zulegen, wodurch sich das KGV auf günstige sieben verringern würde.
Spekulative Anleger, die indirekt vom Energiewandel profitieren wollen, nutzen bei 2G Bio-Energietechnik schwache Tage mit Kursen unter 20 Euro zum Einstieg.
Fazit: Der Marktcrash hat auch die 2G-Aktie nicht verschont. Der Kursverlust fiel aber relativ moderat aus. Ein gutes Zeichen.
WKN: A0HL8N
Kursziel: 28,00 Euro
Stopp-Kurs: 15,80 Euro
Bildquellen: Herbert Stolz/Schmack Biogas AG