Der internationalen Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board/FSB) strich das zweitgrößte deutsche Institut am Donnerstag von der vor einem Jahr erstmals veröffentlichten Liste der Geldhäuser, deren Zusammenbruch eine große Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft bedeuten könnte.
Die Deutsche Bank dagegen wurde in der Liste ganz nach oben gesetzt und zählt damit zu den potenziell gefährlichsten Instituten für die Stabilität des Finanzsystems. Das Gremium stufte die größten Banken anders als vor einem Jahr nicht mehr pauschal ein, sondern bildete insgesamt fünf Risikogruppen. Dabei blieb die oberste Kategorie, die potenziell 3,5 Prozentpunkte mehr Kapital als Risikopuffer vorhalten muss als nicht systemrelevante Institute, leer.
PRESTIGEVERLUST UND ERLEICHTERUNG FÜR COMMERZBANK
Die Deutsche Bank wurde zusammen mit den US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase sowie der britischen HSBC in Gruppe 4 eingestuft. Sie muss nach Empfehlung des FSB damit künftig 2,5 Prozentpunkte mehr Kapital aufbauen. Eine Kategorie tiefer rangieren die französische BNP Paribas und die britische Barclays, sie müssten 2 Prozentpunkte mehr Kapital aufnehmen.
Für die seit der Finanzkrise geschrumpfte Commerzbank bedeutet der Verlust des "Too-big-to-fail"-Status zwar einen Prestigeverlust. Sie spielt damit auch offiziell nicht mehr in der Top-Liga der Branche. Zugleich ist das aber eine große Erleichterung. Denn damit dürften künftig weniger strenge Anforderungen für sie gelten, wenn die FSB-Vorschläge auch tatsächlich umgesetzt werden. Im FSB sind die wichtigsten Notenbanken der Welt zusammengeschlossen. Das Gremium soll Vorschläge für Reformen bei der Regulierung der Finanzmärkte erarbeiten.
28 SYSTEMRELEVANTE BANKEN
Insgesamt stuft der FSB noch 28 Geldhäuser als systemrelevant ein, bisher waren es 29. Nicht mehr dazu gehören die in der Abwicklung steckende belgisch-französische Bank Dexia und die britische Lloyds. Neu hinzu gekommen sind die spanische BBVA und die britische Standard Chartered.
Die Commerzbank gab sich gelassen. Sie hatte erst zu Jahresbeginn in einem schmerzhaften Prozess ihr Eigenkapital auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA kräftig steigern müssen und dabei kräftig Risikopositionen abgebaut und die Aufgabe ganzer Geschäftsfelder angekündigt. "Wir haben bewusst in Kauf genommen, dass wir nicht mehr alle Kriterien für die Auswahl global systemrelevanter Banken erfüllen", sagte ein Sprecher. "Wir streben weiterhin an, unsere führende Position bei Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Polen zu festigen."
COMMERZBANK PLANT NEUE STRATEGIE
Die Commerzbank will in der kommenden Woche ihre neue Strategie vorlegen, wie sie künftig angesichts niedriger Zinsen und eines radikal eingedampften Geschäfts Geld verdienen will. Erst im Sommer hatte das Institut angekündigt, sich komplett aus der Gewerbeimmobilien- und Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Auch die Staatsfinanzierung wird abgewickelt. Dass sie künftig als nicht mehr systemrelevante Bank weniger Kapital vorhalten muss als viele Konkurrenten, kommt der Commerzbank dabei zupass.
BASEL (dpa-AFX)
So lief das dritte Quartal für die Banken
Platz 18: Commerzbank
Die Commerzbank schaffte im dritten Quartal wieder einen operativen Gewinn von 216 Millionen Euro, nach tiefroten Zahlen wegen Griechenland-Abschreibungen im Vorjahreszeitraum. Der Ausblick auf das Gesamtjahr bleibt aber verhalten. Das Institut muss mit milliardenschweren Sparmaßnahmen in der Krise gegensteuern.