aktualisiert: 15.10.2012 16:56
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Asien-Experte: "Singapur will sauberes Geld“

Steuerflucht: Asien-Experte: "Singapur will sauberes Geld“ | Nachricht | finanzen.net
Steuerflucht

Der Stadtstaat gilt als neue Schweiz. Der Steuerberater und Singapur-Kenner Thomas Welte über den exotischen Finanzplatz und falsche Vorstellungen.

€uro am Sonntag

von Andreas Pilmes

Je näher das Steuerabkommen mit der Schweiz rückt, desto mehr stehen deutsche Steuerflüchtige im Verdacht, ihr Geld von den Alpen nach Singapur zu verschieben. Von zweistelligen Milliardenbeträgen ist die Rede. Die Bundesregierung strebt nun ein Auskunftsabkommen mit der dortigen Regierung an. Aber entspricht die Realität auch dem, was da behauptet wird?

Hintergründe weiß Thomas Welte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie intimer Kenner Singapurs. Er ist einer von drei Partnern der Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Autaco, zu deren Klienten auch DAX-Konzerne gehören. Welte verbringt etwa die Hälfte des Jahres in Singapur. Dort berät er unter anderem europäische Unternehmen in Sachen Asien-Expansion.

€uro am Sonntag: Herr Welte, derzeit ist viel die Rede davon, dass Singapur angeblich die Schweiz als Hort für deutsches Schwarzgeld ablöst. Wie schätzen Sie das ein?
Thomas Welte: Man sollte die Fakten betrachten. Nach dem, was bekannt ist, werden derzeit 500 Milliarden Dollar an ausländischem Vermögen in Singapur verwaltet. In der Schweiz soll rund zehnmal so viel Geld liegen. Aus meiner Sicht machen bereits diese Größenverhältnisse deutlich, dass es in Singapur im Moment gar nicht die Infrastruktur gibt, um große Geldzuflüsse aus der Schweiz bewältigen zu können. Zum anderen wird in Singapur jedes Investment auf den Verdacht der Geldwäsche penibel unter die Lupe genommen. Steuerhinterziehung wird als Vorstufe zu Geldwäsche gesehen. Singapur ist ein hoch reguliertes und in jeder Hinsicht extrem auf Sauberkeit bedachtes Land.

Wie kann Singapur verhindern, dass deutsches Schwarzgeld dorthin fließt?
Im Prinzip gar nicht. In Singapur sind die Zentralbank und die Bankenaufsicht in Form der Monetary Authority of Singapore miteinander verknüpft. Es ist so leichter, Banken zu regulieren und, wenn nötig, zu bestrafen. Die Regierung wirkt auf die Institute ein, gemäß dem sauberen Image Singapurs zu agieren.

Geschieht das auch bei ausländischen Banken?
Die Rechtsanwendungspraxis in Singapur unterscheidet nicht nach inländischen und ausländischen Instituten. Um ehrlich zu sein: Die europäischen Banken braucht man dort nicht zwingend. Also gibt es keinen Grund, Rücksicht zu nehmen.

Singapur hat bereits mit 77 Staaten Abkommen zur Doppelbesteuerung geschlossen. Es existiert aber der Vorwurf, dass diese Abkommen kaum umgesetzt werden.
Ein Doppelbesteuerungsabkommen ist ein abstrakter Regelungsrahmen, der nur den Nutzen entfaltet, den das nationale Recht zulässt. Das haben wir in der Schweiz auch lange Zeit gesehen. Wir haben ein Doppelbesteuerungsabkommen inklusive Auskunftsklauseln, aber solange sich etwas nicht nachweisbar im strafrechtlichen Rahmen bewegt hat, konnte sich die Schweiz auf ihr nationales Recht zurückziehen. So ähnlich muss man sich das in Singapur auch vorstellen. Allerdings entspricht die Verwaltung von europäischem Schwarzgeld nicht den Vorstellungen der Regierenden.

Welchen Status hat das Bankgeheimnis in Singapur?
Einen sehr hohen — im Außenverhältnis. Im Innenverhältnis muss man sich darüber im Klaren sein, dass im staatlichen Interesse liegende Informationen den lokalen Behörden gegenüber schrankenlos offenzulegen sind. Nur ein Beispiel: Schon im Falle des bloßen Verdachts, dass ein Bankguthaben mit einer kriminellen Handlung in Verbindung stehen könnte, ist das kontoführende Institut zur Spontanauskunft verpflichtet. Wer keine Auskünfte erteilt, macht sich seinerseits strafbar. Damit unterscheidet sich das Recht Singapurs zwar wiederum nicht dramatisch von dem anderer entwickelter Staaten, wohl aber von dem in der Schweiz kultivierten Verständnis des Bankgeheimnisses.

Sie beschreiben Singapurs Bedürfnis nach Sauberkeit vor allem als internes Interesse. Wurde auch schon von außen versucht, dies einzufordern, etwa vonseiten der USA, die ja recht rigide mit den Schweizer Banken umgehen?
Singapur ist ja nun mal ein sehr Amerika-freundlicher Stadtstaat. Die USA haben dort ein übergeordnetes strategisches Interesse. Ich könnte mir vorstellen, dass man dort eine etwas gelassenere Gangart einlegt, als man gegenüber der Schweiz vorgegangen ist.

Aus den Kapitalverkehrsbilanzen ist aktuell kein verstärkter Zufluss von Geldern aus der Schweiz nach Singapur ersichtlich. Wohl aber vor zwei Jahren. Ist das deutsche Schwarzgeld schon vor Ort?
Relativ betrachtet zu dem, was die deutsche Bundesregierung an Schwarzgeld im Ausland vermutet, ist das zu vernachlässigen. Das Geld, das in Singapur verwaltet wird, stammt vor allem aus Asien.

Wird das Horten und Verstecken zum Auslaufthema?
Als Besitzer von Schwarzgeld muss man stets der starken Hand, die einen greifen möchte, ein bisschen voraus sein. Dazu muss man immer wieder mal springen. Das Problem ist: Früher hatte man viel Platz dazu, heute nicht mehr. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich dieses Thema von selbst erledigt hat.

Bildquellen: iStock, OlegDoroshin / Shutterstock.com
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