05.02.2013 14:24
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Die positiven Seiten der Fiskalklippe

Stockstreet-Kolumne
Es ist so viel über die Fiskalklippe und die Schuldenobergrenze in den USA geschrieben wurden. Eigentlich, so sollte man meinen, muss man dem nichts mehr hinzufügen.
von Jochen Steffens, Chefredakteur des Steffens Daily

Ich will es dennoch tun. Hintergrund ist, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2012 zum ersten Mal seit dem zweiten Quartal 2009 wieder geschrumpft ist, und zwar um 0,1 Prozent.

Als Begründung für diesen Rückgang wird angegeben, dass die Unternehmen sich angesichts der Sorge um die Fiskalklippe mit ihren Investitionen sehr zurückgehalten haben. Aber auch die Tatsache, dass aufgrund der nahenden Schuldenobergrenze viele staatliche Stellen ihre Ausgaben zurückfahren mussten, wirkte sich natürlich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus.

Doch ist das alles wirklich schlecht?
Was machen die Kurse, wenn die Anleger ein schlechteres Wirtschaftswachstum erwarten? Genau, sie werden fallen, oder je nach Situation zumindest nicht mehr so stark steigen. Und so hängt die Kursentwicklung der US-Indizes in den vergangenen Monaten mit eben dieser Fiskalklippe zusammen. Zwar sind die Kurse gestiegen, doch fragen wir einmal andersherum: Wo wäre die Jahresendrally wohl gelandet, wenn es diese Fiskalklippe nicht gegeben hätte? Richtig, sie wäre wahrscheinlich in eine klare Übertreibung übergegangen.

Alles, nur keine Blasen
Nun resultierten all die großen Problem und Krisen der vergangenen 12 bis 15 Jahre aus einer extremen Blasenbildung in den verschiedenen Bereichen: Angefangen mit der großen Aktienmarktblase bis in das Jahr 2000 über den US-Immobilienmarkt, die Kreditvergabe und Derivate, etc. Und jede dieser Blasen, beziehungsweise ihr Platzen, hat die grundlegende Situation eigentlich nur verschlimmert.

Das bedeutet, eigentlich wäre es gut, eine weitere Blasenbildung im Aktienmarkt zu vermeiden. Insbesondere wenn die Allzeithochs überwunden werden, könnten die Märkte jedoch in eine Übertreibungsphase geraten. Die Gefahr wäre, dass nach der dadurch entstehenden neuen Blase ein weiterer, noch größerer Crash die Märkte ereilt (Stichwort: Crack-UpBoom). Denn fast immer folgt einer Blase der Crash. Das will eigentlich niemand.

Tatsächlich wäre demnach ein langsamer, aber nachhaltiger Kursanstieg, welcher über alle Branchen hinweg geht, für eine langfristige wirtschaftliche Entwicklung besser. Doch wie soll man eine Rally aufhalten? Schließlich gibt es viele gute Gründe, die für Aktien sprechen:

In gewisser Weise sind sie ein Inflations- und Krisenschutz. Zudem sind die meisten anderen Anlageklassen mittlerweile überteuert. Und genügend Liquidität für eine Aktienrally ist ebenfalls vorhanden.

Die Kursbremse
Aus diesem Blickwinkel wäre es doch geradezu perfekt, wenn ein Politikum die Rally verhindern würde, das zweifellos in der Lage wäre, die US-Wirtschaft negativ zu beeinträchtigen. Dann müsste es nur noch lange genug anhalten, damit die Wirkung nicht zu schnell verpufft.

Und da gibt es zurzeit etwas, nämlich die Fiskalklippe und die Schuldenobergrenze. Beide Szenarien sind geeignet, bei einer Eskalation, die Börsen in Bedrängnis zu bringen. Durch das ständige Verschieben der Termine hält die für die Börsen belastende Stimmung auch weiter an. Schließlich müssen die Anleger immer wieder damit rechnen, dass es doch noch zu einer Eskalation und der damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwächung kommen würde.

Die positiven Seiten der Fiskalklippe
Fazit: Mittlerweile zeigt sich, dass diese extrem nervigen Streitereien zwischen der Parteien in den USA um die fiskalischen Probleme auch etwas Gutes haben: Solange dieser Streit nicht eskaliert, also die USA von eben dieser Klippe stürzen, hilft er, eine Übertreibung zu vermeiden, und das wiederum ist gut. Und so sehe ich die Entwicklung in den USA mit etwas anderen Augen. So sehr ich mir als Trader kurzfristig einen starken Anstieg wünschen würde, so sehr ist mir bewusst, dass ein allmählicher, nachhaltiger Anstieg vor allem für Langfristinvestoren wesentlich besser ist. Denn die wirklich großen Gewinne werden nun mal in den großen Jahrhundertrallys gemacht…

Über den Autor
Jochen Steffens arbeitet seit vielen Jahren als freier Wirtschaftsjournalist für viele renommierte Börsenpublikationen. Unter www.stockstreet.de gibt er den Steffens-Daily und weitere Börsenbriefe heraus.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Odua Images / Shutterstock.com
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