01.02.2013 17:06
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E.ON-Mitarbeiter wollen streiken

Streik bei E.ON
Erstmals wird ein Energiekonzern bestreikt: bei E.ON sollen die unbefristeten Streiks für mehr Lohn am Montag beginnen. Die Forderungen.
Die Beschäftigten des Energiekonzerns E.ON kämpfen zum ersten Mal seit der Liberalisierung des Energiemarktes mit unbefristeten Streiks für mehr Lohn. In einer Urabstimmung über den Arbeitskampf erzielten die Gewerkschaften ver.di und IG BCE jeweils Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent. Der Energieriese setzt bei den Tarifauseinandersetzung indes weiter auf Verhandlungen.

Nach ver.di-Angaben von Freitag stimmten 91,4 Prozent der eigenen Mitglieder für den Streik. Die IG BCE bezifferte die Zustimmung unter ihren Mitgliedern auf 96,9 Prozent. Schon am Montag würden die Arbeitnehmer an einzelnen E.ON-Standorten die Arbeit niederlegen, teilte ver.di mit. Die Arbeitsniederlegungen beträfen sowohl die Energieerzeugung als auch Service- und Abrechnungsabteilungen.

Mit dem Arbeitskampf wollen ver.di und IG BCE den E.ON-Konzern zu Zugeständnissen im laufenden Tarifkonflikt zwingen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, die Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss für ein Jahr und die unbefristete Übernahme von mindestens 250 Auszubildenden im Jahr 2015. Nach Vorstellung der Arbeitnehmervertreter soll sich E.ON zudem auch in Zukunft verpflichten, bei Unternehmensausgründungen die Tarifbindung zu wahren.

Die E.ON SE hatte in der dritten Verhandlungsrunde 1,7 Prozent mehr Lohn angeboten. Die Arbeitnehmervertreter erklärten die Gespräche daraufhin Mitte Januar für gescheitert. Am Montag dieser Woche riefen sie ihre Mitglieder zur Urabstimmung auf. Die Beschäftigten ließen sich nicht länger von den Arbeitgebern hinhalten, sagte nun das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott laut einer Mitteilung.

Der DAX-Konzern zeigt sich weiter gesprächsbereit. "Wir hoffen sehr, dass wir noch vor Beginn eines möglichen Streiks an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine für beide Seiten tragbare Lösung erreichen können", sagte E.ON-Personalvorstand Regine Stachelhaus laut einer Mitteilung des Unternehmens.

E.ON hatte zuvor angesichts der Streikpläne vor einem Risiko für die Versorgungssicherheit gewarnt. Jedes Kraftwerk, das am Netz sei, sei wichtig, sagte ein Unternehmenssprecher. Zwar sei E.ON auf einen Arbeitskampf vorbereitet. Stromausfälle ließen sich trotzdem "nicht endgültig ausschließen". Die Versorgungssicherheit hänge beispielsweise auch von der Wetterlage ab. ver.di teilte mit, die Fernwärmelieferungen sollten aufrechterhalten werden. Kunden müssten nicht befürchten, dass sie im Kalten sitzen, sagte Ott. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur sagte, die Behörde behalte die Versorgungssicherheit auch vor dem Hintergrund der Tarifauseinandersetzung im Auge.

Die Streiks belasten E.ON in einer ohnehin schwierigen Zeit. Das Unternehmen leidet unter der Energiewende in Deutschland und der sinkenden Stromnachfrage in Südeuropa. Unter anderem deshalb rechnet der Konzern für das angefangene Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. E.ON prüft die Schließung konventioneller Kraftwerke und reduziert die Investitionen. Weltweit will der Konzern rund 11.000 Stellen abbauen.

Ein Streik droht auch beim Energiekonzern RWE. Die Gewerkschaften hatten die Verhandlungen mit dem E.ON-Konkurrenten am Montagabend einstweilen abgebrochen. Sie wollen am Dienstag nächster Woche über weitere Schritte beraten. Auch RWE ist von sinkenden Margen betroffen. Bei dem Unternehmen sollen rund 10.000 Stellen wegfallen.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com DJG/hev/bam Dow Jones Newswires Von Hendrik Varnholt

Bildquellen: istock/Silvia Jansen
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