15.09.2012 17:00
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Prinzip Hoffnung für Irland

Strukturelle Reformen
Als erster der europäischen Krisenstaaten könnte es Irland schaffen, finanziell und wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Doch noch gilt es, Probleme zu bewältigen.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Die Grüne Insel ist für Pferde momentan kein Paradies. 20.000 dieser Vierbeiner irren hungernd durch Irland, schätzen Tierschützer. Ihre Besitzer haben sie einfach ausgesetzt, da der Unterhalt zu teuer ist. Solche Auswüchse zeigen die schwierige Situation, in der sich viele Iren befinden. Fast 15 Prozent sind arbeitslos. Der Partystimmung in der Wirtschaft zwischen 1995 und 2008 folgte der große Kater. Der Immobilienmarkt ist die Wurzel allen Übels. Millionen Iren zahlen Hypothekenkredite ab, die nur zu einem Drittel durch Vermögenswerte gedeckt sind. Von der Spitze 2007 fielen die Häuserpreise um 53 Prozent.

Doch langsam scheint sich der Immobilienmarkt zu stabilisieren. In Dublin gingen die Preise seit Dezember 2011 nur noch um 1,5 Prozent zurück. Die Mieten in der Hauptstadt zogen sogar leicht an, nachdem sie jahrelang gesunken waren.

Während der Konsum und die Investitionstätigkeit darben, brummt der Export. Die Branchen Chemie, Pharma, Medizintechnik und IT expandieren. Mehr als 1000 Multis haben ihren Standort auf der Grünen Insel. Neben dem günstigen Körperschaftsteuersatz von 12,5 Prozent schätzen sie solide ausgebildete Arbeitskräfte, eine gute Infrastruktur und die englische Sprache. Hauptsächlich der Export ist dafür verantwortlich, dass die Wirtschaft 2011 um 1,4 Prozent wuchs.

Dieses Jahr wird nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, 2013 sollen es wieder 1,4 Prozent sein. Die irische Regierung hofft, ab 2014 wieder jährliche Wachstumsraten von über drei Prozent zu erzielen. Mit den dann sprudelnden Steuereinnahmen soll bis 2015 das Haushaltsdefizit von voraussichtlich 8,6 für 2012 auf drei Prozent gesenkt und die hohe Staatsverschuldung von derzeit 109 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lang- sam zurückgefahren werden.

Hart im Nehmen
Ziel ist es, unabhängig von Zuwendungen des Rettungsschirms EFSF zu werden. Unter den schlüpfte Irland 2010. Der Staat wird von einem Hilfsprogramm von EFSF und dem Internationalen Währungsfonds IWF mit 85 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Länderanalyst Alexander Kalb von der Bayern LB hält die Ziele für realisierbar. Die irische Regierung setzte schon früh ein extrem hartes Sparprogramm durch, das — anders als in Südeuropa — nicht zu Massenprotesten führte. Bedingt durch ihre leidvolle Geschichte sind die Iren hart im Nehmen. „Die strukturellen Reformen verbesserten spürbar die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft“, so Kalb. Zudem sei diese flexibel und unternehmerfreundlich.

Johannes Rudolph von HSBC Trinkaus glaubt dagegen nicht, dass das Land allein durch den Export die Krise überwinden kann. „Irland wird seine niedrigen Unternehmensteuern von 12,5 auf 20 oder 25 Prozent erhöhen müssen, um den Haushalt zu konsolidieren.“ Die Kunst liege darin, die Steuern gerade so weit anzuheben, dass Investoren nicht in andere Niedrigsteuerländer abwanderten.

Kalb sieht die Gefahr, dass eine sich eintrübende Weltkonjunktur das durch Exporte getragene zarte Pflänzchen Aufschwung wieder abwürgt. Weitere Risiken schlummerten im Bankensektor, dessen Kapitalbedarf nach wie vor unklar sei.

Der IWF lobt im jüngsten Bericht die Reformen, bezeichnet die Erholung aber als fragil. Anleger sind dagegen optimistisch. Im Juli und August konnte Irland erstmals seit dem Beitritt zum Rettungsschirm wieder Anleihen im Wert von 4,2 Milliarden Euro am freien Kapitalmarkt zu Renditen von etwa sechs Prozent platzieren. Noch vor einem Jahr lagen die Renditen bei 14 Prozent.

Seit Auflage haben die Kurse angezogen. Spekulative Anleger engagieren sich mit der 2017 fälligen Irland-Anleihe (ISIN: IE00B8DLLB38) mit 4,9 Prozent Rendite. Der Aktienindex MSCI Ireland läuft seit Januar seitwärts. Mit dem Commerzbank-Zertifikat (ISIN: DE000CB78YX7), setzen Anleger auf den Ausbruch nach oben. Das Barometer enthält mit Ryan Air, Elan, CRH und Kerry Group nur vier Bluechips. Lediglich risikobereite Anleger sollten zugreifen. Sie sind in prominenter Gesellschaft. Michael Hasenstab, renommierter Manager des Templeton Global Bond Fund, ist größter privater Gläubiger des Landes — er investierte massiv in irische Bonds.

Bildquellen: Joe Gough / Shutterstock.com
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