Die drei großen US-Automobilkonzerne legen heute vor dem US-Kongress ihre Sanierungspläne vor, mit denen sie neuerliche milliardenschwere Staatshilfen rechtfertigen wollen. Ob sich die Regierung nach bereits einer erfolgten Ablehnung vor rund zwei Wochen nun davon überzeugen lässt, bleibt abzuwarten. Unterdessen erreicht die Branchenkrise auch den japanischen Autobauer Toyota.
Die amerikanischen Automobilriesen stehen mit dem Rücken zur Wand. Am heutigen Dienstag müssen sich die drei großen Konzerne aus Detroit, General Motors, Ford und Chrysler, abermals vor dem US-Kongress einfinden und tragfähige Sanierungskonzepte vorstellen. Bereits im Vorfeld sickerten Einzelheiten der Konzernpläne durch.
Wie das "Wall Street Journal" berichtet, versucht der Branchenprimus General Motors, die Parlamentarier nun mit der Konzentration auf den Abbau von Schulden umzustimmen. Dabei sollen wohl insbesondere der Verkauf von Konzernteilen und eine damit verbundene deutliche Verschlankung des Konzerns die Regierung von der Zukunftsfähigkeit des Autobauers überzeugen. Bereits seit geraumer Zeit wird darüber spekuliert, dass sich GM von einer Reihe von Marken trennen könnte. Neben Saab stehen dabei offenbar auch Saturn und Pontiac zur Disposition. Kein Geheimnis ist, dass General Motors seine Geländewagenmarke Hummer, die als Spritfresser gilt, gern loswerden möchte. Bislang hat sich offenbar jedoch noch kein geeigneter Interessent gefunden. Mit dem neuen Konzept will sich GM einen Teil der beantragten 25 Milliarden Dollar schweren Staatshilfen sichern.
Konkurrent Ford setzt unterdessen offenbar auf eine andere Strategie. Angaben des "Wall Street Journal" zufolge will der Autobauer mit einem Umweltkonzept punkten. Demnach plane man, die Entwicklung von Fahrzeugen mit hybriden und elektrischen Antrieben voranzutreiben. Bereits zum Wochenstart hatte Ford-Chef Alan Mulally erklärt, sein Unternehmen wolle bis 2011 unter anderem einen batteriebetriebenen Transporter auf den Markt bringen. Ein Jahr später sei dann ein Elektroauto geplant, das an haushaltsüblichen Steckdosen aufgeladen werden könne. Zudem stehen auch bei Ford diverse Konzerntöchter zum Verkauf. Am Montag hatte das Unternehmen die Veräußerung der schwedischen Tochter Volvo erwogen.
Für den dritten im Bunde, Chrysler, brachte das "Wall Street Journal" in Erfahrung, dass der Kongress von der Notwendigkeit des Kapitalzuschusses überzeugt werden soll. Zudem plant der Konzern offenbar nach der Trennung von Daimler, Allianzen mit ausländischen Automobilkonkurrenten und sucht weiterhin einen starken Partner.
Dieser dürfte indes nicht leicht zu finden sein, denn weltweit bekommen nahezu alle Autobauer die Folgen der Branchenschwäche und der abflauenden Konjunktur zu spüren. Selbst der bislang erfolgsverwöhnte japanische Branchenprimus Toyota muss nun die Reißleine ziehen. Der Konzern vermeldete am Dienstag erstmals konkrete Maßnahmen, mit denen die Folgen der Absatzkrise eingedämmt werden sollen. Demnach will Toyota die Produktion seines Luxuswagens Lexus in zwei japanischen Werken über Weihnachten deutlich drosseln. Auch bei seinen Managern tritt der Konzern kräftig auf die Kostenbremse: Etwa 8.500 Führungskräften sollen die Gehaltzuschläge gekürzt werden. Um rund zehn Prozent will Toyota die Bonuszahlungen kappen. Mit seinen Maßnahmen schließt sich der Konzern dem Vorbild zahlreicher Konkurrenten an, die bereits in den vergangenen Tagen und Wochen Produktionskürzungen und Kostensparmaßnahmen bekannt gegeben hatten.
Die internationalen Autobauer sind durch die weltweite Absatzkrise zum Handeln gezwungen. Die anstehende Entscheidung im US-Kongress über milliardenschwere Beihilfen für die großen Drei aus Detroit könnte auch für andere Länder Vorbildcharakter haben. Zudem sind eine Reihe ausländischer Töchter der US-Konzerne auf die Zahlungsfähigkeit der Konzernmütter angewiesen. In Deutschland hatte erst kürzlich die GM-Tochter Opel bei der Bundesregierung wegen einer Bürgschaft angeklopft, über die Kanzlerin Angela Merkel bis Weihnachten entscheiden will.