EMFIS.COM - Peking 04.01.2012 (www.emfis.de) Obwohl die Analysten von Goldman Sachs jetzt mit der Ratingkeule ausholten und zahlreiche Solarwerte herabstuften, blieben die Anleger gestern locker und kauften. Sind die Chancen in der Solarbranche tatsächlich größer als die Risiken?
Goldman Sachs ließ bei seinem Rating-Update kaum ein gutes Haar an der Solarbranche: Branchenprimus Suntech Power wurde mit einem Downgrade von "Neutral" auf "Verkaufen" abgewatscht. Unterdessen senkten die Analysten das Kursziel von 5,10 auf 1,20 US-Dollar. Auch die Aktie von JinkoSolar wurde von "Neutral" auf "Verkaufen" heruntergestuft. Das Kursziel wurde dabei von 13,00 auf 3,10 US-Dollar drastisch nach unten korrigiert.
Die Aktie von Trina Solar wird von Goldman jetzt mit "Neutral" eingestuft. Bislang hatten die Analysten das Papier als Kauf empfohlen. Das Kursziel wurde von 16,00 auf 6,90 US-Dollar reduziert.
Glimpflicher davon kamen Yingli Green Energy und Hanwha SolarOne: Diese Aktien werden auch weiterhin mit "Neutral" eingestuft. Das Kursziel von Yingli wurde von 5,60 auf 4,00 US-Dollar gesenkt, während das Kursziel von Hanhwa SolarOne von 3,70 auf 1,10 US-Dollar nach unten korrigiert wurde.
Das bisherige "Verkaufen"-Rating von ReneSola wurde erneut bestätigt, bei einem Kursziel von 1,20 US-Dollar. Ursprünglich hatte Goldman einen Kurs von 2,80 US-Dollar prognostiziert.
Dennoch stieg an der Börse New York gestern der Kurs von Suntech Power Holdings Co Ltd um 6,3 Prozent auf 2,35 US-Dollar, während sich die Anteilsscheine von Yingli Green Energy um 7,1 Prozent auf 4,07 US-Dollar verteuerten. Auch Trina Solar verzeichnete einen Kursgewinn von 7,3 Prozent auf 7,17 US-Dollar.
Giga Solar erwartet Erholung
Die Zugewinne an der US-Börse waren jedoch nicht ausschließlich dem freundlichen Umfeld zuzuschreiben: Einen Hoffnungsschimmer lieferte ein Bericht des taiwanischen Branchendienstes Digitimes. Darin vertrat Chi-jen Chen, Firmenchef von Giga Solar, die Meinung, dass sich die Photovoltaik-Branche ab dem zweiten Quartal wieder erholen werde. Der taiwanische Zulieferer der Solarindustrie rechnet damit, dass sich die Nachfrage nach Silberleitpaste in diesem Jahr drastisch erhöhen wird. Leitpasten werden bei der Fertigung von Solarmodulen benötigt. Der Absatz soll 2012 unterm Strich immerhin um 10 bis 12 Prozent zulegen.
Da die Solarindustrie laut Chen seit dem vierten Quartal 2011 dabei ist, ihre Lagervorräte abzubauen, habe sich auch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage langsam wieder stabilisiert. Nach Angaben von Solarbuzz betrugen die Lagerbestände Ende 2011 etwa 7.300 Megawatt – ein Wert, der deutlich unter der bisherigen Schätzung von 8.600 Megawatt lag. Die hohen Wertberichtigungen der Lagerbestände hatten die Quartalszahlen der chinesischen Solarkonzerne zuletzt noch gravierend belastet.
Auch sonst ist die Aussicht nicht ganz so trübe, wie es zuletzt aussah. Dass die Preise für Solarprodukte auch in diesem Jahr wieder um 50 Prozent fallen werden, gilt als unwahrscheinlich. Obwohl die 15-prozentige Kürzung der Solarförderung in Deutschland den Absatz weiter belasten wird, soll die weltweite Nachfrage in diesem Jahr um 6 Prozent zulegen. Das Wachstum außerhalb Europas dürfte mit 43 Prozent überproportional ausfallen und das Minus auf dem europäischen Markt kompensieren. Allerdings rechnet Solarbuzz damit, dass die Solarindustrie ihr diesjähriges Verkaufsziel von 28.200 Megawatt um 4.900 Megawatt verfehlen wird.
Kurzfristig ist jedoch noch gehöriger Gegenwind zu erwarten: Traditionell geht im ersten Quartal witterungsbedingt die Nachfrage zurück, weswegen es nicht verwunderlich wäre, wenn die Preise und Margen in den ersten drei Monaten dieses Jahres nochmals einen Rückgang verzeichnen.
Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag "Suntech, Trina Solar, Yingli & Co: Wird Foxconn einen Preiskrieg anzetteln?" auf www.emfis.de .
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