Sie sind nicht sehr bekannt und doch unverzichtbar: Als unabhängige Berater und Prüfer unterstützen sie Industrieunternehmen, Software-Entwickler und Systemintegratoren von Entwicklungsbeginn bis zur Einführung einer Software dabei, fehlerfreie Anwendungen und Systeme nach bewährten Verfahren zu entwickeln. Sie bedienen damit eine wachsende Nachfrage, die weltweit Milliarden von Euro wert ist.
Rudolf van Megen, Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters SQS, beziffert diesen Wert auf 75 Milliarden US-Dollar weltweit; der europäische Markt ist ihm zufolge 30 Milliarden US-Dollar wert. Noch werden allerdings 80 Prozent der Tests von den Unternehmen durchgeführt, die Software selbst entwickeln und einsetzen. Nur 20 Prozent – das entspricht in Europa etwa 6 Milliarden US-Dollar – entfallen auf externe Dienstleister, ein Drittel davon auf reine Spezialanbieter die sich ausschließlich mit dem Testen beschäftigen. Van Megen weiß, wovon er spricht: Die von ihm geführte SQS Software Quality Systems AG bezeichnet sich selbst als größter unabhängiger Spezialanbieter für Software-Tests; das Unternehmen hält derzeit einen zehnprozentigen Anteil am europäischen Markt für ausgelagerte Software-Tests. Das Kölner Unternehmen hat seinen Umsatz in den vergangenen sieben Jahren auf zuletzt 162,9 Millionen Euro vervierfacht – ein Ende des Wachstums ist vorerst noch nicht in Sicht: Marktforscher gehen davon aus, dass der Software-Test-Markt bis 2013 um jährlich fünf Prozent wachsen wird.
„Wir haben gute Chancen, unseren Marktanteil künftig auszuweiten. Testen ist business-critical, aber nicht strategisch, es spielt also keine Rolle, ob externe Dienstleister testen oder das Unternehmen selbst testet. Und der Spezialist kann das besser; daher spricht vieles für die Auslagerung“, meint van Megen. Tilo Linz, Vorsitzender des Software-Tester-Branchenverbands „German Testing Board“ (GTB) ergänzt: „Spezialisierte Dienstleister bieten erstens messbar mehr Effizienz, und sind zweitens unabhängig, da sie die fragliche Software ja nicht mitentwickeln – sie prüfen also kritischer.“
Beide Unternehmenschefs sind von „Managed Services“ als einem der großen Themen der Zukunft überzeugt. Hierbei übernehmen die externen Software-Tester über einen längeren Zeitraum fest definierte Services von ihren Kunden in eigener Verantwortung. „Wir sehen im Markt Konsolidierung, Konzentration und Spezialisierung. Bei den größeren Deals – Managed Services – werden zukünftig vor allem große Anbieter wie SQS die Nase vorn haben“, sagt van Megen.
Rudolf van Megen und Tilo Linz sind beide im GTB und damit auch in der Tester-Ausbildung engagiert. Der Branchenverband, in dem zahlreiche Testdienstleister organisiert sind, erarbeitet Standards für die Tester-Ausbildung, nimmt Prüfungen ab und vergibt „Certified-Tester“-Zertifikate. „Gute Mitarbeiter im Bereich Software-Testung bekommt man nur, wenn man auch einen Karrierepfad aufzeigen kann. Dazu braucht es einzelne Qualifizierungsschritte – genau das bietet das GTB", sagt Rudolf van Megen. Das Test-Schema habe gerade in solchen Branchen hohes Renommee, sagt Tilo Linz, in denen Systeme gebaut werden, die viel Software enthalten und Software-Fehler potentiell hohen Schaden anrichten könnten. Dazu gehören die Automobilindustrie, die Medizintechnik, die Luftfahrt und auch die Finanzbranche. Steigende Prüfungsanmeldungen in diesen Branchen ließen sich als Hinweis darauf Werten, dass die dort tätigen Unternehmen die Bedeutung von Spezialisten für das Testen erkannt hätten, so Linz: „Ein weiterer Hinweis auf die günstige Entwicklung des Markts für entsprechende Dienstleister“.
Über das German Testing Board (GTB)
Ziel des GTB ist es, das Testen von Software zu professionalisieren. Mittlerweile wurden in Deutschland bereits mehr als 17.700 Studenten und Arbeitnehmer zum ISTQB® Certified-Tester ausgebildet. Das GTB erarbeitet hierfür die deutschen Lehrpläne und die dazugehörigen Prüfungsfragen.