SCHWARZENBERG (dpa-AFX) - Der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook setzt im kommenden Winter in Deutschland verstärkt auf Fernreisen, Luxusangebote, eine größere Hotelauswahl und ausgeweitete Frühbucherrabatte. Für die Veranstaltermarken Thomas Cook und Neckermann Reisen kündigte Deutschland-Chef Peter Fankhauser am Montag das "größte Fernreiseprogramm aller Zeiten" an. Die Preise blieben im Schnitt stabil, sagte der Manager von Europas zweitgrößtem Reisekonzern bei der Vorstellung der Winterkataloge 2012/2013 am Montag im österreichischen Schwarzenberg. Für die Fernreiseziele steigen sie um etwa drei Prozent. Grund sei die derzeitige Schwäche des Euro.
Außerdem sind deutlich mehr Hotels über die Veranstalter des Konzerns zu buchen, die nicht im Katalog stehen. So gebe es für die Wintersaison allein in Spanien und Portugal mehr als 1.000 zusätzliche Häuser, die online und über die Reisebürosysteme buchbar seien, sagte Fankhauser. Das Unternehmen will so verhindern, dass immer mehr Urlauber ihre Reise im Internet an den Veranstaltern vorbei buchen und sagt damit den Buchungsportalen den Kampf an.
Außerdem gibt es deutlich mehr Rabatte für Frühbucher. Thomas Cook will sich gerade in diesem hart umkämpften Markt damit weitere Wettbewerbsvorteile sichern. Rund 30 Prozent der Reisen für den Winter würden bereits im Juli und August gebucht, sagte Touristik-Geschäftsführer Michael Tenzer. Der Wettbewerb sei in jedem Monat hart, aber besonders in dieser Phase. Gleichzeitig werden die Angebote an Luxusreisen ausgeweitet, für die Tenzer weiterhin eine wachsende Nachfrage sieht.
Bei den Buchungen für die laufende Sommersaison habe sich das Fernstreckensegment hervorragend entwickelt, sagte Fankhauser. Dort sei ein zweistelliges Wachstum zu verzeichnen. Insgesamt liegen die Buchungen der Eurokrise zum Trotz für den Sommer zwei Prozent über dem Vorjahr, der Umsatz habe sogar um drei Prozent zugelegt.
Fankhauser erinnerte an die "anstrengenden sechs Monate" nach der Vorstellung der Sommerkataloge im vergangenen Oktober. Damals habe so mancher an der Zukunft von Thomas Cook als Unternehmen gezweifelt.
Der britische Konzern, zu dem in Deutschland unter anderem die Veranstalter Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours und die Fluglinie Condor gehören, war in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/2012 tief in die roten Zahlen gestürzt. Im saisonbedingt ohnehin schwachen Winterhalbjahr stand unter dem Strich ein Verlust von 594 Millionen britischen Pfund. Das war fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor und mehr als der Rekordverlust aus dem gesamten Geschäftsjahr 2010/2011.
Inzwischen hat sich das Unternehmen mit den Banken darauf geeinigt, die Schulden von 1,4 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) erst bis Mai 2015 zurückzahlen zu müssen. Es sei gelungen, wieder eine langfristige Perspektive zu schaffen, sagte Fankhauser in Schwarzenberg. Nun könne man sich wieder auf die Hauptaufgabe konzentrieren, Reisen zu verkaufen. Das Deutschlandgeschäft gilt als positive Ausnahme im Konzern. Die positive Entwicklung aus dem Vorjahr habe sich im laufenden Geschäftsjahr fortgesetzt, sagte Fankhauser./ah/DP/stw