18.01.2013 22:44
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Thyssen-Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat relativ knapp

   Von Hendrik Varnholt

   BOCHUM--Die Aktionäre des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp haben die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats ihres Unternehmens mit vergleichsweise geringen Mehrheiten entlastet. Mehrere Aktionärsvertreter hatten zuvor dazu aufgerufen, dem Aufsichtsrat und früheren Vorstandsmitgliedern die Entlastung zu verweigern.

   Für die Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme stimmten 69,16 Prozent der Anteilseigner. Nur jeweils etwas mehr als 62 Prozent der Aktionäre stimmten für die Entlastung der früheren ThyssenKrupp-Vorstände Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen. Im vergangenen Jahr hatten sämtliche Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat noch rund 95 Prozent erzielt.

   ThyssenKrupp hatte für das vergangene Geschäftsjahr einen Verlust von 5 Milliarden Euro ausgewiesen. Für das Minus waren vor allem enorme Schwierigkeiten beim Aufbau von Stahlwerken in Amerika verantwortlich. Diese Entwicklung sowie fragwürdiges Geschäftsgebaren und mögliche Schadensersatzzahlungen wegen eines Schienenkartells hatten scharfe Kritik von Aktionärsvertretern ausgelöst. Anlegerschützer und Investorenberater forderten den Rücktritt von Aufsichtsratschef Cromme.

   Die Entlastung der Gremienmitglieder ist gleichwohl keine Überraschung: Sie genießen die Rückendeckung der Krupp-Stiftung, die 25,33 Prozent der Anteile an ThyssenKrupp hält. Gegen die Stiftung sind Anträge bei Hauptversammlungen von ThyssenKrupp in der Regel nicht durchzusetzen.

   Chefaufseher Cromme verteidigte auf der Hauptversammlung die Arbeit der Aufsichtsratsmitglieder, räumte aber auch Fehler ein. Das Kontrollgremium gewährleiste "die Stabilität, die es in diesen Zeiten braucht", sagte er. Dennoch: Der Aufsichtsrat habe "zu lange vertraut". Cromme sagte: "Wir hätten früher handeln können. Aber: Wir haben gehandelt."

   Auf die schwierige Lage von ThyssenKrupp reagieren die Aufsichtsräte mit einem persönlichen Zugeständnis: Die amtierenden Mitglieder des Kontrollgremiums verzichteten auf die Hälfte ihrer festen Bezüge für das vergangene Geschäftsjahr, sagte Cromme. Er bezeichnete den Schritt als Geste der "Betroffenheit und Solidarität" mit den Aktionären. Die Anteilseigner müssen zum ersten Mal in der Geschichte von ThyssenKrupp auf eine Dividende verzichten.

   Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

   DJG/hev/raz

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   January 18, 2013 16:13 ET (21:13 GMT)

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