Schuld sind zusätzliche Abschreibungen der australischen Tochter Leighton, teure Ex-Manager sowie Wertberichtigungen in Griechenland und Chile.
HOCHTIEF zieht damit ein Strich unter ein verkorkstes Jahr und hofft auf bessere Zeiten.
"Wir schließen damit ein Jahr ab, in dem wir viele Veränderungen und Altlasten verarbeitet haben. Das ist im Konzernabschluss sichtbar", sagte Vorstandsvorsitzender Frank Stieler. Für die weitere Entwicklung zeigte er sich zuversichtlich. Alle Hochtief-Bereiche hätten sich im vierten Quartal operativ stark entwickelt und Auftragseingänge von 9 Milliarden Euro erzielt. Damit erhöhte sich das Auftragspolster per Ende Dezember auf rund 48 Milliarden Euro.
Hochtief Americas und Hochtief Europe etwa hätten zudem 2011 mit einem verbesserten Ergebnis vor Steuern abgeschlossen. Auch Leighton scheint in die Spur zurückzufinden. Das Unternehmen hat eine Reihe von Aufträgen gewonnen, heute meldete Leighton einen Kontrakt über 260 Millionen australische Dollar zusammen mit einem belgischen Partner.
2012 soll Hochtief wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Operativ - ohne das Sondereffekte das Ergebnis verzerren - geht der Konzern von einem leicht niedrigeren Niveau im Vergleich zum Rekordjahr 2010 aus. Damals hatte der vom spanischen Bauriesen ACS kontrollierte MDAX-Konzern einen Vorsteuergewinn von rund 757 Millionen Euro und einen Konzerngewinn von 288 Millionen Euro erzielt.
Im vergangenen Jahr hatte Hochtief hingegen eine Menge zu verdauen: Die mehrheitliche Übernahme durch den ungeliebten spanischen Baukonzern ACS oder den reihenweisen Abgang wichtiger Köpfe im Management. Auch geschäftlich lief es nach dem Rekordgewinn 2010 plötzlich nicht mehr rund: Die Vorzeige-Tochter Leighton verhob sich mit zwei Milliardenprojekten und sorgte für rote Zahlen bei der Konzernmutter. Und zuletzt verschob sich der Verkauf der lukrativen Flughafenbeteiligungen erneut.
Als sei das nicht genug, haben die Essener nun neue schlechte Nachrichten parat: Der Nettoverlust wird 2011 mit rund 160 Millionen Euro rund 60 Millionen höher ausfallen als im November prognostiziert. Den Vorsteuerverlust erwartet Hochtief nun bei rund 130 Millionen Euro - anstatt eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages.
Vor allem Leighton entpuppte sich als Ärgernis: So mussten die Australier im Januar erneut Abschreibungen vornehmen: Für die Tochter in Dubai sowie die Betreibergesellschaft BrisConnections. Diese belasteten das Hochtief-Ergebnis vor Steuern mit umgerechnet 89 Millionen Euro. Im vierten Quartal belasteten zudem Wertberichtigungen auf Mautstraßenprojekte in Griechenland und Chile mit rund 90 Millionen Euro. In dem hochverschuldeten Griechenland etwa betreibt Hochtief über ein Konsortium zwei Mautstraßen, deren Erlöse hinter den Erwartungen zurückbleiben, da viele Griechen die Maut nicht zahlen.
Auch der Exodus im Management kostet Hochtief viel Geld: Der Gesamtbetrag für Aufwendungen durch ausgeübte Sonderkündigungsrechte ehemaliger Vorstandsmitglieder aufgrund der mehrheitlichen Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS stieg im Schlussquartal um etwa 19 Millionen auf rund 35 Millionen Euro. Zuletzt hatte Martin Rohr zum Jahresende den Konzern verlassen. Vorher waren bereits der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratköter, Konzernfinanzvostand Burkhard Lohr sowie Concessions-Chef Peter Noe gegangen.
Die Aktie von Hochtief verlor zu Handelsbeginn gut 3% auf 49,43 Euro. Marktteilnehmer zeigten sich überrascht von der erneuten Gewinnwarnung. Zumindest die Kosten für die Manager-Abfindungen hätten im vergangenen November, als Hochtief zum ersten Mal vor Verlusten warnte, eigentlich bekannt sein müssen, monierten die Analysten von equinet. Die Erklärungen für die erneute Gewinnwarnung seien für sie daher nicht völlig nachzuvollziehen. Auf mittlere Sicht blieben die Analysten jedoch optimistisch.
Im laufenden Jahr steht auch wieder der Verkauf der Flughafenbeteiligungen von Hochtief auf der Agenda. "Unsere strategische Absicht ist es, uns von der ganzen Sparte zu trennen", sagte Vorstandsvorsitzender Stieler der Rheinischen Post. "Ein Paket im Milliardenwert ist derzeit für jeden Investor eine komplexe Finanzierungsaufgabe", erklärte der Manager die Verzögerungen. Aber das Interesse sei da.
Eigentlich wollte der MDAX-Konzern die Sparte bereits im vergangenen Jahr verkaufen. Zum Verkauf stehen Minderheitsanteile an den Flughäfen in Düsseldorf, Hamburg, Athen, Budapest, Tirana und Sydney. Schwieriger sei in der aktuellen Situation auch der geplante Verkauf der Immobilien-Tochter Aurelis. "Bei Aurelis können wir entweder die ganze Gesellschaft oder einzelne Grundstücke verkaufen", so Stieler.
Sollten sich die geplanten Verkäufe der Töchter verzögern, fehlten aber keine Mittel für Investitionen: "Wir haben im vierten Quartal 2011 vorzeitig unsere Kreditlinie über zwei Milliarden Euro erneuert und auch Aurelis hat jüngst noch 700 Millionen Euro an den Kapitalmärkten aufgenommen." An Geld für Investitionen - auch international - fehlt es Hochtief damit nicht.
ESSEN (Dow Jones