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11.12.2011 09:00

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TISCHGESPRÄCHE

Geld drucken ist besser als bankrott gehen

Deutsche Bank zu myNews hinzufügen Was ist das?



Gelddrucken besser als Zahlungsunfähigkeit
Acht Topmanager diskutieren auf Einladung des Mandarin-Oriental-Hotels über die Rettung Europas.

von W. Ehrensberger, €uro am Sonntag

Eine weitere Runde in der Bankenkonsolidierung hält Credit-Suisse-Berater und Ex-McKinsey-Deutschland-Chef Herbert Henzler für unerlässlich, damit die Kreditinstitute ihre angespannte Lage in den Griff bekommen und ihre Kapitalbasis stabilisieren. „Wir müssen uns auch von Eigenkapital-Renditezielen von 25 Prozent in diesem Gewerbe verabschieden“, sagte Henzler beim Tischgespräch von €uro und €uro am Sonntag im Münchner Mandarin-Oriental-Hotel, zu dem Finanzen-Verlagschef Frank-B. Werner und Mandarin Oriental-­Direktor Lars Wagner eingeladen hatten. Künftig seien nur noch Renditen von acht bis zwölf Prozent vorstellbar, so Henzler. „Die jüngsten Äußerungen des künftigen Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen von zehn bis 15 Prozent gehen also in die richtige Richtung.“

Im Verlauf des Abends kam immer wieder die Forderung auf, die Notenpresse anzuwerfen, um der Lage Herr zu werden. „Wachstum ohne neue Schulden gibt es nicht. Die Notenbanken müssen jetzt 1,5 Billionen Euro drucken“, verlangte Eckart Langen v.d. Goltz, Chef der PSM Vermögensverwaltung.

„Davon werden die Staaten nicht untergehen, es wird auch keine Währungsreform geben. Geld drucken ist besser als bankrott zu gehen, sonst bekommen wir erst recht die große Krise.“ Die US-Notenbank habe 2008 US-Staatsanleihen von 2,5 Billionen Dollar gekauft, ohne dass eine Geldschwemme entstanden sei. „Der Weltuntergang wird nicht stattfinden. Wir werden neue Chancen bekommen.“


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Daran glaubt auch Peter Stockhorst, Chef des Direktversicherers Cosmos Direkt: „Als Lebensversicherer haben wir großen Anlage­bedarf. Wenn Banken sich aus soliden Geschäftsfeldern mangels Kapital zurückziehen, dann ergeben sich für sicherheitsorientierte Investoren neue Anlagemöglichkeiten.“ Jörg Utecht, Vorstand beim Immo­finanzierer Interhyp, schätzt deutsche Immobilien im internationalen Vergleich immer noch günstig ein, ebenso die Bau­finanzierung.

Bank-Schilling-Inhaber Hubert-Ralph Schmitt sieht im Übrigen in der Inflation das geringere Übel. „In den 70er-Jahren haben wir gut mit sieben, acht Prozent gelebt, das geht auch jetzt. Deutsche Stabilitätskultur ist in Europa nicht mehr gefragt. Den Preis müssen wir für den Euro erbringen.“

Für eine offensivere Notenbank-­Politik spricht sich auch Aareal-Bank-Chef Wolf Schumacher aus: „Die EZB muss mehr Staatspapiere kaufen. An Eurobonds führt kein Weg vorbei – verbunden mit klarer Sanktionierung.“ Für Schuldenländer wie Griechenland schlägt Schumacher einen Marshallplan vor – und rennt damit bei Stavros Kostantinidis, dem Chef der deutsch-griechischen Wirtschaftsvereinigung in München, offene Türen ein. Die Spargesetze in Griechenland träfen einfache Leute. Deshalb sei 2012 in Athen mit weiter um sich greifenden Unruhen zu rechnen.

„Deutsches Krisengejammere“
Warner-Bros.-Geschäftsführerin Sylvia Rothblum erkennt im „Gejammere über die Krise eine typisch deutsche Diskussion“. Deutschland sei gut aufgestellt bei Technologie und Innovation und biete exzellente Grundversorgung, etwa an Schulen. „In New York wäre das ein Eldorado. Ich kann nur davor warnen, die Krise heraufzubeschwören.“


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