von Petra Maier, €uro am Sonntag
Der Deal ist unter Dach und Fach. Vergangene Woche kaufte Linde für 590 Millionen Euro die europäische Homecare-Sparte des US-Konkurrenten Air Products. Homecare steht für sämtliche Dienstleistungen bei der Behandlung von Patienten mit Beatmungstherapien außerhalb von Krankenhäusern.
Es war keineswegs ein Schnäppchen. Doch erstens ist es für Linde ein wichtiger strategischer Zukauf, und zweitens können es sich die Münchner locker leisten. Der hohe Cashflow des Unternehmens spült regelmäßig viel Geld in die Kassen.
Mit dem Air-Products-Deal wird Linde zu einem der führenden Anbieter Europas. Es ist ein stabiles und äußerst profitables Geschäft, das nicht zuletzt von der demografischen Entwicklung profitiert. Experten gehen von einem jährlichen Wachstum zwischen sechs und acht Prozent aus. Linde selbst rechnet bereits im ersten Jahr mit einem positiven Ergebnisbeitrag.
Das Stammgeschäft mit Industriegasen ist konjunkturanfällig, aber selbst in einer harten Rezession verdient Linde noch ordentlich. Das bewies das Unternehmen im Horrorjahr 2009. Trotz eines zweistelligen Umsatzeinbruchs erzielte Linde eine operative Marge von 21 Prozent und den bis dahin höchsten Cashflow in Höhe von zwei Milliarden Euro. Darin zeigt sich die Finanzkraft des Konzerns. Er könnte drei Deals dieser Art allein aus dem Cashflow finanzieren.
Die Aktie von Linde hat sich von ihrem Einbruch auf 95 Euro im September gut erholt. Charttechnisch befindet sie sich sowohl in einem kurz- als auch in einem langfristigen Aufwärtstrend. Das Allzeithoch war im Sommer 2011 bei 127 Euro erreicht worden. Bei der guten Nachrichtenlage sollten die Anteilscheine dieses Hoch wieder ansteuern, vielleicht sogar übertreffen. Die Kursziele der Analysten für diesen defensiven Wert liegen in einer Bandbreite von 129 bis 140 Euro.
Das Kurspotenzial kann mit einem konservativen Optionsschein genutzt werden. Der Vorteil liegt im wesentlich geringeren Kapitaleinsatz. Aus der Vielzahl der angebotenen klassischen Calls haben wir einen defensiven ausgesucht, der bereits im Geld notiert und ein geringes Aufgeld aufweist. Der geringe Zeitwertverlust gemessen am Aufgeld lässt der Aktie Spielraum für kleine Schwankungen, ohne hohe Auswirkungen auf den Wert des Calls. Der Hebel ist mit 3,6 trotzdem noch attraktiv. Erreicht die Linde-Aktie bis Ende März das 130-Euro-Ziel, gewinnt der Call 36 Prozent.
Call auf Linde
Emittent Citigroup
ISIN DE 000 CT2 820 2
Laufzeit 14.1.2013
Bezugsverhältnis 0,1
Basispreis variabel 98,00 €
Omega 3,6
Hebel 4,06
Aufgeld p. a. in % 3,69
Totalverlustwahrscheinlichkeit 34,97
Bildquellen: Linde Gas