Die Gewerkschaft der Flugbegleiter UFO verhandelt in diesen Stunden an einem unbekannten Ort mit Vertretern der Deutschen
Lufthansa über höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Da sich die Gewerkschaft schon vorab die Zustimmung ihrer Mitglieder für Streikmaßnahmen eingeholt hat, kann es sehr kurzfristig zum Streik kommen. Der Lufthansa bliebe dann nur wenig Zeit, die Auswirkungen auf den Flugverkehr zu begrenzen. Es wäre der erste flächendeckende Streik des Kabinenpersonals.
Dabei hat die Gewerkschaft UFO mit einer ungewöhnlichen Maßnahme schon eine veritable Drohkulisse für den Fall des Scheiterns der Gespräche aufgebaut. Die überwiegende Mehrheit der Kabinenbegleiter stimmte während der laufenden Verhandlungsrunden für einen Arbeitskampf, sollten die Gespräche an diesem Donnerstag kein für sie befriedigendes Ergebnis erbringen. Üblicherweise verhandeln Tarifpartner erst einmal eine geraume Zeit. Erst wenn die Gespräche wirklich scheitern, rufen Gewerkschaften ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung auf - und geben der Gegenseite damit Zeit, während der Abstimmung Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Es wäre der erste flächendeckende und längere Streik der Flugbegleiter der Deutschen Lufthansa. "Das war nie nötig", erklärt Nicoley Baublies, Verhandlungsführer der Gewerkschaft. Ein Streik der Flugbegleiter sei ein "unheimlich scharfes Schwert", das die Airline sehr treffe. Allein die Ankündigung eines Arbeitskampfes verunsichere Fluggäste und verhindere Buchungen. Wenn Flugbegleiter ihre Arbeit niederlegen würden, wirbele der gesamte Flugplan durcheinander und es laufe oft erst Tage nach dem Streik wieder alles rund.
Die Flugbegleiter hatten zuletzt im Jahr 2009 einige Stunden in Berlin und Frankfurt gestreikt. Rund 50 Flüge fielen aus, weitere verspäteten sich. Für Baublies sind solche Aktionen "empfindliche Nadelstiche mit großer Wirkung". Lufthansa beklagte damals nach eigenen Angaben einen Schaden von 50 Millionen Euro.
Nach außen hin versprechen beide Seiten vor den Verhandlungen Kompromissbereitschaft. Aber UFO sei vor allem enttäuscht darüber, dass der Vorstand der Kranichlinie bis heute die Forderungen der Beschäftigten abgelehnt und selbst keine konkreten Angebote vorgelegt habe, sagte Baublies. Die Airline setzt derweil auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Wir müssen uns einigen", sagte ein Sprecher der Lufthansa lapidar. Am Donnerstag soll endlich ein konkretes Angebot vorgelegt werden. Dennoch stellen sich beide Seiten auf eine lange Verhandlungsrunde ein, die bis in die Nacht dauern könnte. Unabhängig vom Ausgang will UFO am Freitag um 13 Uhr in einer Pressekonferenz erklären, wie es weiter gehen soll. Da die Flugbegleiter ihren Ausstand nicht ankündigen müssen, könnten schon am Wochenende die ersten Maschinen am Boden bleiben
Die Verhandlungen zwischen Lufthansa und UFO sind äußerst zäh. Die Gewerkschaft forderte bereits im April für rund 18.000 Lufthansa-Flugbegleiter 5 Prozent mehr Gehalt. Außerdem verlangen die Arbeitnehmer eine Gewinnbeteiligung in Jahren mit überdurchschnittlichen Ergebnissen von bis zu einem Monatsgehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und Fremdbereederung der Flugzeuge.
Zuvor hatte UFO bereits mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di als Tarifgemeinschaft über einen neuen Tarifvertrag für insgesamt 50.000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine verhandelt. Die Flugbegleiter waren jedoch aus diesen gemeinsamen Gesprächen ausgestiegen, nachdem ver.di einem Angebot der Airline Ende Januar zugestimmt hatte.
Grund für die Ablehnung war vor allem die von Lufthansa geplante Einführung von Leiharbeitern in den Flugzeugen. UFO vertritt einen großen Teil der rund 18.000 Lufthansa-Flugbegleiter und hatte zuletzt von einem starken Zulauf berichtet. Bei ver.di sind indes nur ganz wenige Kabinenmitarbeiter organisiert.
Abgesehen von Forderungen nach mehr Gehalt wehrt sich die Gewerkschaft gegen den Umbau des Konzerns. Sie lehnt vor allem die dauerhafte Beschäftigung von Leiharbeitern und die Auslagerung von Mitarbeitern in Tochtergesellschaften mit geringeren Tarifstrukturen ab. Lufthansa beschäftigt bereits in ihren Berliner Maschinen Mitarbeiter eines Personaldienstleisters, die geringere Gehaltsansprüche als die Konzernmitarbeiter haben.
Kontakt zur Autorin: kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/kgb Von Kirsten Bienk Dow Jones NEWSWIRES