(NEU: Aussagen von Analysten, Hintergrund)
Von Kirsten Bienk
Dow Jones NEWSWIRES
HAMBURG (Dow Jones)--Trotz des Rückschlags am Mittwoch gibt es nach Einschätzung von Analysten weiterhin gute Chance für die Deutsche Lufthansa AG, die österreichische Austrian Airlines AG (AUA) zu übernehmen. Die von der EU-Kommission angekündigte vertiefte Prüfung der Transaktion bedeute nicht, dass der DAX-Konzern bis zum entscheidenden Datum am 31. Juli nicht alle erforderlichen Voraussetzungen für die Übernahme der Fluggesellschaft schaffen könnte. Lufthansa, Europäische Kommission und Analysten gehen davon aus, dass diese Frist eingehalten werden kann.
So kündigte die Europäische Kommission am Donnerstag an, eine Entscheidung über die Übernahme bis zum 31. Juli zu treffen. Allerdings forderte sie dafür, dass Deutschlands größte Airline in den nächsten Tagen "akzeptable" Zugeständnisse anbietet, um die kartellrechtlichen Bedenken der Brüsseler Behörde aus dem Weg zu räumen. Lufthansa wollte auf Anfrage von Dow Jones Newswires keine Stellung zu dieser Aussage aus Brüssel nehmen.
Bereits am Mittwochabend hatte die Europäische Kommission mitgeteilt, die Transaktion vertieft zu prüfen. Für eine solche Prüfung hat die EU in der Regel 90 Tage Zeit und damit im Falle von AUA bis Ende September. Lufthansa hat ihr Übernahmeangebot allerdings an die Bedingung geknüpft, dass die EU bis zum 31. Juli sowohl die Übernahme aus wettbewerbsrechtlicher Sicht als auch die Restrukturierungshilfe von 500 Mio EUR der Republik Österreich für AUA genehmigt.
Eine Untersagung dieser Beihilfe würde nach Einschätzung von Analysten "ganz sicher" das Aus der Transaktion bedeuten. Ohne diese Unterstützung werde Lufthansa AUA nicht übernehmen, prognostizierte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Dafür sei die österreichische Airline zu sehr verschuldet. Außerdem sei das Passagieraufkommen in den letzten Monaten dramatisch gesunken und eine Restrukturierung des Geschäfts sei unumgänglich.
Diese Einschätzung teilt Oliver Caspari vom Bankhaus Lampe. Auch er schließt eine Übernahme ohne die Beihilfe aus. Caspari rechnet jedoch damit, dass die EU die Transaktion auf keinen Fall platzen lassen wolle. Für ein Scheitern werde sie nicht die Verantwortung übernehmen wollen, sie werde deshalb "Gas geben" und sowohl die finanzielle Hilfe als auch die Übernahme mit Auflagen genehmigen.
Dabei werde Lufthansa auf einen Teil der bisher von AUA angebotenen Strecken verzichten müssen, erwartet der Analyst. Er vermag aber nicht zu sagen, welche und wie viele Strecken dies sein könnten. Angaben hierüber habe die Airline noch nicht gemacht. Lufthansa tue sich sicher schwer mit Strecken, auf denen die Nachfrage hoch sei und auf denen gute Margen erzielt würden, prognostiziert er.
Mit der Abgabe von einigen Slots an Mitbewerber als Auflage dürfte Lufthansa den Analysten zufolge "leben" können. Wo die Schmerzgrenze bei Lufthansa liegt, vermag der Analyst jedoch nicht zu prognostizieren. Nicht die Anzahl alleine sei entscheidend, sondern die Frage, auf welche Strecken Lufthansa verzichten müsste, sagte Pieper.
Gerade bei dem derzeitig eingetrübten Nachfrageumfeld sei dies kein aber unlösbares Problem, sagte Pieper. Sollten nach der erfolgten Übernahme und nach einem Anziehen der Nachfrage wieder höhere Kapazitäten vonnöten sein, könnte Lufthansa dies zunächst durch größeres Fluggerät und die Kooperation im Luftfahrtbündnis Star Alliance sicherstellen.
Lufthansa hatte sich am Mittwoch über die vertiefte Prüfung der Kommission mit Verwunderung geäußert. Vor dem Hintergrund des seit Jahren bestehenden Joint Ventures mit Austrian Airlines sei dies unerwartet, hieß es aus Frankfurt. Dennoch äußerte der Vorstand weiterhin Zuversicht, die notwendigen Freigaben mit "vertretbaren" Auflagen zu erhalten. Welche Auflagen aus Sicht von Lufthansa vertretbar sein könnten, sagte das Management aber nicht.
Die Kommission hatte die vertiefte Prüfung damit begründet, dass die Übernahme auf einigen Strecken zu höheren Preisen und einem verringerten Flugangebot führen könnte. Insbesondere wurden Strecken zwischen Wien und Frankfurt, München, Stuttgart, Köln, Zürich, Genf sowie Brüssel genannt.
Die von Lufthansa vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen hatten nach Angaben der EU zwar Lösungen erkennen lassen. Sie seien jedoch noch nicht ausreichend gewesen, um schon jetzt grünes Licht für die Übernahme zu geben. Die Kommission und Lufthansa wollen nun weiter zusammenarbeiten, um die noch bestehenden Probleme "so schnell wie möglich" aus dem Weg zu räumen. Gegenstand des Konflikts zwischen EU und Lufthansa soll laut Medienberichten gewesen sein, dass EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Übernahme nur genehmigen wollte, falls die AUA bis 2010 um 20% gegenüber Januar 2008 schrumpfe. Die Lufthansa soll sich vehement dagegen gewehrt haben und die AUA-Kapazitäten lediglich um 15% habe eindämmen wollen.
Lufthansa hatte Anfang Dezember 2008 die Übernahme der AUA eingeleitet. Damals hatte sie den Kauf des Anteils Österreichs an der defizitären Fluglinie von knapp 42% fixiert. Als Kaufpreis wurden dafür zunächst 366.000 EUR vereinbart, die abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung der Fluglinien um 162 Mio EUR aufgestockt werden können.
Ende Februar dieses Jahres folgte dann das Angebot an die restlichen Aktionäre. Je AUA-Aktie bot Lufthansa 4,49 EUR, was einem Aufschlag von 69% vor Bekanntwerden der Offerte entsprach. Seit Ablauf der Angebotsfrist Anfang Mai hat Lufthansa Anrecht auf über 88% der AUA-Aktien - und wartet seitdem auf die Freigabe der EU.
Webseite: http://www.lufthansa-financials.com
http://www.austrianairlines.com
http://www.europa.eu
-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116,
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July 02, 2009 10:25 ET (14:25 GMT)
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