(NEU: Weitere Aussagen Judisch, Hintergrund)
Von Martin Rapp
Dow Jones NEWSWIRES
DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der Energiekonzern
RWE ist von der Realisierung der Nabucco-Erdgaspipeline weiter überzeugt. Allerdings ist die Frage der Lieferverträge weiter ungeklärt. Ein Abschluss bis zum ursprünglich geplanten Termin Ende Juni sei unwahrscheinlich, sagte Stefan Judisch, der bei der Essener RWE AG für den Strom- und Gashandel zuständig ist, am Dienstag während einer Telefonkonferenz für Journalisten.
Judisch kündigte Vereinbarungen mit Lieferländern wie Turkmenistan und Aserbaidschan für die "kommenden Monate" an. Diese Zeitangabe stehe unter dem Vorbehalt der notwendigen politischen Entscheidungen, schränkte der Manager ein. So fordere etwa Turkmenistan von Transitländern und der Bundesrepublik noch völkerrechtlich verbindliche Zusagen, erklärte Judisch.
Mit der Verzögerung bei den Lieferverträgen engt sich der zeitliche Spielraum für die endgültige Bauentscheidung ein. Diese ist für Ende dieses Jahres vorgesehen und RWE hält diese Planung weiter aufrecht. Ursprünglich sollte auch diese Entscheidung im ersten Halbjahr 2010 fallen.
Nabucco ist ein Gemeinschaftsprojekt der Unternehmen Botas (Türkei), Bulgarian Energy (Bulgarien), MOL (Ungarn), OMV (Österreich), RWE und Transgas (Rumänien). Jeder Partner hält ein Sechstel der Anteile. Die aktuelle Planung sieht den Baubeginn für nächstes Jahr vor und die Fertigstellung für 2014. Ab dann soll Erdgas vornehmlich aus der kaspischen Region aber auch aus dem Nahen Osten über die Türkei nach Europa fließen und damit Europas Abhängigkeit von russischen Lieferungen eingedämmt werden.
Die Kosten für das Projekt werden auf rund 8 Mrd EUR geschätzt. Judisch sagte, momentan werde alles durchgerechnet, eine Änderung des Investitionsrahmens sei möglich. Dabei erwarte er jedoch keine Verteuerung. "Die Kosten werden eher sinken als steigen", sagte er.
Von verschiedenen Seiten werden, nicht zuletzt im Zuge der krisenbedingt schwächeren Gasnachfrage, Zweifel geäußert, ob das Projekt wirtschaftlich betrieben werden kann. Judisch sagte dazu, er rechne damit, dass sich das momentane Gasüberangebot mit der weiter steigenden Nachfrage und der anhaltenden Abnahme der innereuropäischen Förderung im Laufe des kommenden Jahres auflösen werde.
Ein weiterer Grund für die Skepsis von Beobachtern ist das gleichzeitig vom russischen Gaskonzern Gazprom vorangetriebene Projekt "South Stream". Diese Röhre soll mit jährlich 63 Mrd Kubikmetern mehr als doppelt so viel Gas durchleiten wie Nabucco. RWE sieht sich mit den eigenen Plänen nicht in Konkurrenz und wirbt bei den Lieferländern unter anderem mit dem günstigeren Transport.
Auch South Stream hat sich die Versorgungssicherheit Westeuropas auf die Fahnen geschrieben, allerdings aus russischer Perspektive. Dabei geht es um die Durchleitung von Erdgas durch das Schwarze Meer unter Umgehung der Ukraine, um den dort durch politische Differenzen gefährdeten Gastransit zu sichern.
An dem Gazprom-Projekt ist auch der italienische Öl- und Erdgaskonzern Eni beteiligt. Seit gut einem halben Jahr wird zudem der Einstieg der französischen Stromkonzerns Electricite de France (EDF) diskutiert. Beim Bekanntwerden dieser Pläne hatten auch RWE und OMV offensiv für die Beteiligung eines französischen Konzerns bei Nabucco geworben.
OMV wiederum hat erst am vorvergangenen Wochenende ein Abkommen zum Bau des österreichischen Teils von South Stream geschlossen. Diese Entscheidung habe keinen Einfluss auf Nabucco, sagte Judisch. Er habe keinen Grund an der Aussage von OMV zu zweifeln, dass dieses Projekt Priorität genieße.
Webseite: www.nabucco-pipeline.com
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May 04, 2010 09:18 ET (13:18 GMT)
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